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oͤmiſqe Profaiker

in

neuen Weberfegungen.

Herausgegeben von G. 2 F. Tafel, Profeſſor zu Tübingen, E. R. v. Dfiander, Profeffor zu Stuttgart,

und ©. Schwab, Pfarrer zu Gomaringen bei Tübingen,

rm

Hundertfunfundfuͤnfzigſtes Bändchen.

Stuttgart, Berlag der I. 8. Mesz ler'ſchen Buchhandlung. 1840. |

Cajus Plinius Secundus 372573

Rarurgefdiäte

Ueberfest und erläutert von

Ph. H. Külb,

Stadtbibliothekar zu Mainz.

Erle Binden. -

Stuttgart, Verlag der 3. B. Megler'ſchen Buchhandlung. 4840. W

\ Er “den beiten

. 4} ur...

Cinleitung.

. Leben und Werke des Plinius.

Man hat nur fehr wenige zuverläfftige Nachrichten über das Leben .des älteren Plinius, aber eine fo große Menge von Bermuthungen, daß man damit einige Bände füllen könnte. Schon mit feiner Ge: burt beginnen. die Streitigkeiten der Gelehrten, und die Beſtimmung feiner Vaterſtadt veranlaßte einen fünfhundertjährigen, nicht felten mit lächerlicher Er- bitterung geführten Kampf, den Manche als jest noch nicht völlig entſchieden anfehen wollen.

Während des Mittelalters hielt man gewöhnlich die beiden Plinius, den Naturhiftoriker und den Epi- ſtolographen, für eine und diefelbe Perfon, und da

fi der letztere in feinen Briefen häufig -felbft einen

vr

x

_ Einleitung. *

——

wird man dieſem Beweiſe des Johannes keinen grö⸗

ßeren Glauben ſchenken, als feinem Maährchen, daß

Plinius ir Sizilien, wo er die Romiſchen Legionen

angeführt Habe, durch einen Ansbruch des Aetna

umgekommen, und dort begraben morben fey. *) -

. Während die Bürger von Como den beiden Hlinins in ihrer Stadt Marmorftatuen errichteten (4480), und dadurch ftillfchweigend ihr Recht wahrs

ten, wurden die Beronefer defto lauter, und bemühten fih aus allen Kräften, den einmal angeregten Streit zu ifrem Bortheil zu entfcheiden : fte nahmen fogar zu serwerflichen Mitteln ihre Zuflucht, indem fie ein angeblich uraltes Porträt des älteren Plinius vor⸗ zeigten, und in ihrem Gebiete vorhandene Inſchriften, in welchen der Name Plinius vorkommt, bekannt machten, die aber offenbar entweder durchaus unächt oder willkũtzrlich ergaͤnzt waren. 9”) Dieſes Beginnen

.ou

Plinius (VI, 34.), der unftveitig von Como war,. bie " Beronefer „bie unſrigen“ (nestros), -und Catullus XXXIX, 15.) die Transpadaner überhaupt „die mei⸗ nigen“ (meos) nennen. *%) Bergl. U. J. a Turre Rezsonice, disguisitiones | Plinianae, Parm. 1765—67. Fol. Tom. I. p. 6-8. °* Die von Paul Guardus (1519) angeführte, angeblich

an dem Benacus— (Gardaſee) gefundene Furgeitt |

- · —-

Einleitung 9 - . 4 .

Glauben ſchenken, und den zahlreihen, zu Como gefundenen ächten Inſchriften, *) in welchen einzelne Glieder der Familie Plinia vorfommen, feine De: weiskraft zugeſtehen; ſo müſſen wir uns doch durch eine Andeutung des jüngeren Plinius, die ſeither wenig beachtet wurde, für Como beſtimmen laſſen. Dieſer bietet nämlid) der Corellia, einer Freun⸗

din ſeiner Mutter, welche an dem Eomerfee Güter zu befigen wünſchte, von feinen au deſſen Ufern. ge- legenen Ländereien, fo viel fie wolle, an, mit Aus⸗ nahme jedoch der von feinem Vater und feiner Mutter ererbten; denn diefe, betheuert er, künne er _ audy feiner beften Freundin nicht abtreten. **) Darf man. nit aus dieſer Aeußerung mit ' ziemlicher Wahrſcheinlichkeit fchließen , daß Como weit eher die

Baterftadt der Mutter des jüngeren Plinius, fo wie

ihres Bruders, des älteren Plinius, genannt werden fönne, als Berona? Die, bedeutendften Gelehrten baben ſich denn auch in neuefter Zeit entfchieden für die eritere Stadt ausgefprochen. Eine eigene Anficht bat Hardouin, 5), Der bekanntlich immer am liebſten

*) Man findet fie bei Rezzonico da. p. 7. **) Epist, VII, 44.

? =) In der @inleitung zu feiner zweiten Ausgabe der

Naturgefchichte des Plinius (1723).

—8

b

* v

Einleitung rt

genannt, um Ihn von ſeinem Neffen, dem Gpiſtolo⸗ graphen Plinius, zu unterſcheiden, wurde im neunten oder zehnten Jahre der Regierung des Tiberius, unter dem Conſulate des C. Afinius Pollio und des C. Antiſtins Veins, im Jahre der Stadt 776 (23 ' nad Chr.) geboren, *) und -verlebte die Zeit feiner Kindheit wahrfcheinlih auf einem. der zahlreichen, feiner Familie angehörenden Landgüter in der Um⸗ gegend von Como. Lim einen gründlichen Unterricht zu genießen, Fam er im früher Jugend (vielleicht in feinem zehnten Jahre) nad) Rom, wo er jedoch den

Wärtling Tiberius wicht mehr fah, der bereits feinen -

beftändigen Wohnfeh zu Eapreä aufgefchlagen hatte. In feinem dreizehenten und vierzebenten : Lebensjahre befand er fich zunerläffig in der Hauptfladt der Rö⸗ mifchen Welt; denn er ſah nach feiner eigenen Aus: fage **) um dieſe Zeit die Eonfuln M. Servilius Romanus (35 nah Chr.) und Gertus. Papinius Allenius (36 nad) Ehr.), -

Bon welchen Lehrern er ſeine wiſſenſchaftliche

Man folgert diefe Augabe aus der Bemerkung des jüngern Plinius (IE, 5. VI, 16., daß fein Oheim im 5öften Jahre‘ feines Alters beim Ausbruche des Befuns, im Jahre 79 nad Chr,. umaefommen fer. »e) H. N. XXXVU, 21. XV, 10 _

\ Einleitung. 13 Cohorten erlegt wurde, perfänlich bei. *) Er beſchreibt dieſes Ereigniß mit ſo fihtbarem Wohlgefallen,, daß man daraus unbedenklich. auf feine frühe Vorliebe für die Naturwiſſenſchaften fehließen darf.. Auch geht aus manchen Stellen feines Werkes **) hervor, daß die feltenen Thiere, Die er während feiner Jugend bei den Öffentlichen Spielen, welche- die. Kaifer und reichen Bürger dem. Molke gaben, ſah, fo. wie ans dere merkwürdige Naturprodäfte,, die aus der ganzen, damals bekannten Welt nad) Rom. geirhleppt und von den üppigen Reichen zur Schau geftellt wurden, fein Rachdenken reizten, und »ielleicht ſchon damals die Idee, eine Naturgefchichte zu verfuchen, hervorriefen. Der Umfang, feiner Kenntniffe läßt jedenfalls auf ſehr frühen und fehr anhaltenden Fleiß Schließen.

Die Liebe. zu den. Wiffenfchaften hielt aber Dlinius keineswegs ab, feine Bürgerpflichten zu er

- füllen, und fich eine bedeutende Stellung im Gtaate

zu gewinnen. Nach einer freilich durch Eeinen bes ſtimmten Beweis unterftüsten Vermuthung foll er . fih Hauptfächlich dem Seewefen, gewidmet, und feine erſten Kriegsdienfte auf der Flotte, mit welcher Kaiſer Claudius nach Britannien ging (43 n. Chr.), geleiftet

lbid. L IX. c. 5 * 3. B. . XVII. c. 4. l. XXIX. % 12.

'.

AU, Binleitung

haben; *) und doch fpridyt Ptinius wie als Ar jeuge von irgend einem Sreigniſſe in Sritan Bas et fonft bei feiner Gelegenheit verfäumt. gegen verrathen feine VBenierkungen aber A ſeine perſonliche Anweſenheit in dieſem Erbtheile, fchon man über bie Zeit, in welche diefer B fallt, nichts Zuverlaſſiges Außern kaun. Wach gewoͤhnlich angenommenen Meinung machte Pi entweder ale Seemann, oder zu feiner -weitenen ſenſchaftlichen Ansbitdung diefe Reife nach Afril feinem zweiundzwanzigſten Jahre (44 nad 2er Beweis jedoch, weichen man für dieſe A beibringt, zerfätt in Nichte, ſobald man ihn ı betrachtet. Plinius erzählt naͤmlich *) bei Belege der närriliben Behauptung, daß Weiber in WR verwandelt werben Tonnen, er felbfi babe in Afrikaniſchen Stadt Thhodrus (EI Dſchemme) gewiſfen L. Eoſſiecus geſehen, der an feinem. ! | Jeittage · ploͤtzlich aus einem Weibe in einen Dan ‚wandelt worden: fey. Da mım Phlegon Trallianus ein Ähnliches Ereigniß, welches unter dem Con EM. Vinicius und T. Statitins Taurus (Ab *

9 Rezzonico, Tom. I, p. 141. 142. **) H. N. l. VI. c. 6. ***) De mirabil, 4, &

m.

Einleitung. 45 zu Antiochia in Kleinaſien vorgefallen ſeyn foll, ans führt, fo Hat man beide Wunder, obſchon Phlegosn feinen Mamen nemmt, mit einander in Berbinbung gebracht, und daraus Die Zeit, in welcher Ptinius fih in Afrika aufbielt, gefoigert. Man ſieht daraus, daß bisfe Hypotheſe bei weitem nicht hinreicht, um Diejenigen , weiche Die Reife des Plinius nach Afrika fpäter, ‚und zwar in »ie erſten Megieringsjapre Bespaitans ſetzen, zu ‚widerlegen. Ob dieſe Reife ührigews her auf den Sandfkri bed heutigen Tunis, den er genau und in den mannigfaltigften Beziehungen durchforſchte, *) ſich beſchraͤnkte, ober ob er auch nad

Aegypten und Griedientand Fam (wie man deßwegen,

weil er die Obelisken und bie Werke bes Phidias ſo genau beſchreibt, #4) annehmen zu müſſen glaubt), wollen wir nieht weiter unterfuchen, weil eine ſolche Bemühang dorb zu Feinem beſtimmten Raſultate führen wäürbe.

"Lange fann dieſe Neiſe des Plinius in beinem

Folle gedauert haben; denn ſchon im folgenden Jahr

(45 nah Ehr.) finden wir ihn bei dem Röoͤmiſchen Heere in Germanien, wo er unter den Befehlen des befannten Feldherrn Lucius Pomponius, den er ſelbſt

N; N. Lu XKXVI. PR RESET BE

46 Einleitung.

einen eben ſo ausgezeichneten Bürger als Re ‚nennt, =) ftand!. Er diente bei der Reiterei,

“erwarb fi) durch feine militärifcehe Geſchicklichkei wie durch feine übrigen Kenntniſſe die Zufrieden - des Generals in jo hohem Grade, daß er zum führer eines Gefchwaders ernannt wurde. Viell hatte‘ er diefe fchnelle Beförderung zum Theil

feinem um bdiefe Zeit verfaßten Werkchen „Ueber Speerwerfen der Reiterei“ gu verdanken; denn

im. Lager beſchäftigte er fih unermüdlich mit Wiſſenſchaften. Seine. forfchenden Blicke nach < Seiten. hin richtend, durchſtreifte er das. feind Land allenthalben, wo ihm die Anwefenheit Ri {her Truppen die Befriedigung .feiner Wißbegi erlaubte. Er kam bis an die Mündung der Donau und in das Land der Chaufen, **") eines deuti Volksſtammes, der zwifchen der. Ems und der

wohnte. Die Bermuthung, daß er bei dieler legenheit die Küfte des Mordmeeres befahren 1 entipricht zu ſehr dem Forfchungsgeifte des Plit als daß man fie völlig zurückweifen dürfte. -

H.N.L XIII. c. 26. » Ibid. 1. XXXI. c. 19. id, 1. XV. 4.

- Einbettung. 17.

An dire Zeit befuchte Plenins auch das Bei⸗ aifhe Gallien, wo Der Vater des Geſchichtſchrei⸗ bers Tacitus das Amt eines Eaiferlichen Proairätors defleidete. Ein anderer Sohn dieſes reihen Beamten sog hefohders die Aufmerkſamkeit des Naturforſchers auf fi. Diefer Hatte nämlich In feinem fecheten

Jahre die Geſtalt eines ausgewachſenen Mannes,

woraus man auf einen. frühzeitigen Bob ſthließen Eonnte. Das Rind ftarb auch bald duranf; *) aber die freundfchaftlichen Berhältniffe zwiſchen Minius und ben betrüdten Sttern dauerten fort, und. er

neuerten ſich zwiſchen dem Sohne des Prornrators, welcher in der hiſtoriſchen Kunſt als einer der erſten

Sterne glänzt, und dem Meffen des Minins, welcher in feinen Briefen von der Innigkett diefer Freand⸗ ſchaft der Nachwelt Zeugntiß gibt.

Die mit fo großer Anſtrengung geſührten Kriege der Römer an Ben Ufern des Rheins nnd der tapfere Widerſtand der Germanen gegen die in allen

andern Länderti Tiegreihen Waffen des weltbeherr⸗

Menden Bölkes Mußten Plinius ein würdiger Se:

%Ibid,. 1, VIE c. 49. Bat. Ajeffon de Grandfagnee ‚Ercurs zu diefer Stelle in der Parifer Ausgabe des Plinius (1827), Tom. II. p. 365—270.:

€. Pihiind 9atargeſch. 18 Bode. 2

48 | Einleitung.

genftand der Behandlung ſcheinen, und er glaubte ſich zu dieſem Unternehmen verpflichtet, als ihm die Geſtalt des Druſus im Traume erſchien, und ihn aufforderte, fein. Andenken der Schmach der Ver— geſſenheit zu entreiffen. *) - Er fammelte nun wäh= rend des unruhigen Yagerlebens in Germanien, mitten unter den alten Kriegern, welche fo vielen gefahrvollen und erfolglofen. Feldzügen beigewohnt hatten, die nöthigen, Materialien, um fie fpäter nah Muße zu bearbeiten.

Dieſe Zeit war nicht mehr ferne; denn ale Pomponiusnac, dem Siege über die Katten Germanien verließ, um zu Nom die Belohnung feiner Thater zu erhalten (52 nach Chr.), begleitete ihn Plinius ‚und verließ nach fiebenjährigen Dienften die milit& riihe Laufbahn. Daß er ſich fogleich nach Rom be gab, läßt fih aus feiner Aeußerung, **) daß e dem von Claudius gegebenen Schaufpiel eines Sex treffens, welches zu Ende des Jahres 52 nah CH: ftattfand, beiwohnte, mit Zuverläjfigkeit fchließeı Nach dem Beilpiele anderer großen Staatsmänne Melche zuerft Die Waffen getragen und dann ihre: Daterlande ale Sachwalter gedient hatten, widnne

2) Plin, Epist. III, 5. *) H. N. 1. XXXIII. c, 49. Val. Taciti Annal. zur, 56.

ai .'ıN: x

Einleitung. 19 er fih nun der gerichtlichen Beredfamfeit; doch fcheint ihn dieſe Befchäftigung nicht lange. Zeit angefprocden zu haben, *) theils weit feine Bemühungen nicht

von dem erwünfchten Erfolge gekrönt wurden (er war.

wohl ein gemandter Grammatiker und Rebdekünft er, beſaß aber ſchwerlich das cigentliche NRednertalent),

theils auch, weil er felbft feinen Zwech, die Sophi⸗

ftenfünfte von der Rednerbühne, wo fie fich unter den fchlechten Fürften feftgefegt hatten und ihre Rechnung fanden, zu vertreiben, als unerreichbar erkannte. Er gab fih nun ganz wieder den For: ſchungen im Gebiete der (Heichichte und ter Natur:

wiſſenſchaften Hin, und vollendete suerft die Biographie -

feines Feldherrn und Freundes Pomponius. Godann ließ er fein Werk über die Germanifchen Kriege er: icheinen, und erwarb fich dadurd eine. bedeutende Stelle unter den gefchäßteften Hiſtorikern.

> Man darf der Vermuthung, daß ſich Plinius

waͤhrend dieſer Zeit, in welche feine meiſten ſchrift⸗ ſtelieriſchen Arbeiten fallen, abwechſelnd zu Rom und

| zu Como aufhielt, um fo cher Raum geben, weil die leßtere Studt der Wohnort feiner Schweſter, die

ihm bereits einen Meinen Neffen geboren hatte (61

nach Chr.), war. Dort faßte er auch wahrſcheinlich *) Plin. Epist, 111, 5. | ' 28.

20 EHinleitung.

Ve Idee zu feiner Schrift über die wiſſenſchaftl Ausbildung junger. Lente, welche feinem Treffen Leitfaden dienen: follte.

Die erften Regierungsjahre Merd's, welcher Schuͤker des Kriegers und Gtaatsmannes Afrau Burrhus und des Philoſophen Marcus Annaͤus era zu den ſchönſten Hoffnungen berechtigte, ſchie beffere Zeiten für literarifche Unternehmungen ber Führen zu. wollen, und Minis ließ fich dadurch | Kelten, eine Geſchicht⸗ ſeiner Zeit auszuarbeiten. AH aber ſpäter der wahre Charakter des grauſan Herrſchers zum allgemeinen Schrecken nur zu . entwickelte, und auch die mäßigiten Ermartun: taͤuſchte, erfannte der Sefchichtichreiber die Gefa mit feinem Werke hervorzutreten, und fing an, mit etymologifhen Forſchungen zu, befaffen. So « ftand feine Schrift über unbeftimmte Worte, wei freilich von dem Throne herab keine Ahndung zu fürchten brauchte, aber einen furchtbaren Lärm m den an bergebrachten Anſichten feftflebenden Sn matikern erregte. *)

Die Vermuthung, Plinius könne unter der gidrung Nero's zum zweitenmal, und zwar mit Til deffen freundliches Benehmen im gemeinſchafttit

—V

Einleitung, 24 Lager er rühmt, *) in Sermanten geweſen ſeyn, **) > ermangelt fo ſehr jedes auch nur einigermaßen wahre ſcheinlichen Stüspunftes, daß man fie entfchieden zu⸗ rückweiſen muß. . Literarifche Arbeiten kheinen ihn bis zu dem Augenblicke in Anſpruch genommen zu haben, wo ihn Nero zum Procurator in Spanien

3 ernannte (67 nad Er.)

Wie es Fam, daß der Kaifer fein Augenmerk auf Plinins warf, möchte ſchwer zu etrathen ſeyn. Vieleicht hrelt er den gelehrten und fi) in grammas tiihen Spitfindigfeiten gefallenden Mann für gänzlich

unichädlich, vielleicht hatte ſich auch Minius durch

2 feinen fehr bedeutenden Reichthum dieſe einträgliche Stelle zu verihaßen gewußt. Da zu. foldden Ber waltungsämteen gewöhnlid Leute aus dem Ritter⸗ itande genommen wurden, fo darf man annehmen, dag Plinius bereits zur Belohnung der gelaifteten

,„ Mititärdienfte in diefe Klafle der Roͤmiſchen Bürger

hinaufgezogen worden war. Auf disje Weife laäßt fih aud Die gauz beſondere Vorliebe, weiche er an vielen Stellen feines‘ Werkes für dieſen Stand zeigt, am natürtichften erfläxen. Die Geſchaͤfte eines Pro⸗ curators beſtanden in der Eintreibung und Verwaltung

0) lbid. 6. 3.

22) Rezzonico, Tom, I. p. 160. 468.

-

22 Einteitung.,

der kaiſer ichen Gefälle, und mußten nothwendig viel Zeit in-Anfpruch nehmen. Der wißbegierige Plinius benüste aber mahrfcheinlich doch jeden freien Augenblick, um fsine Kenntniffe zu erweitern, und manche Aus: flüge mögen zur Beficht'gung einzelner Merkwürbig- keiten unternommen worden feyn. SKeinem Zweifel unterliegt 28, daß er das Rarbonenfiiche Gatlien befuchte; denn er bezeichnet feıbft feinen Aufenthalt in der Stadt der Bocontier ( Raijon) deutlid) genug. 9) Doh kann er auch fpäter als Admiral der Miſeni- Shen Flotte. welchem die einzelnen Schiffeabtheilungen an ten Küſten von Stalien, Sizilien, Sardinien, Afrika, Spanien und Gallien, mith'n auch das zu Forum Julii (Frejus) ftarionirfe Gefchwader, unter- geordnet waren, **) «in dieſe Gegend gefommen feyn, und man darf alio keineswegs aus dem Aufenthalte des Plinius in dem Narbenenfiihen Gallien, deſſen Zeitpunfe fich nicht : ‚genau beitimmen läßt, die vor= eilige Folgerung zieben, daß er Procurator in dem Dieffeitigen Epanien (Hispania citerior) müſſe ge— wejen ſeyn. ****)

Waͤhrend feiner. Abweſenheit ftarb zu Como fein

\ A N. IT c 59. Bat. Regyonico, Tom. I, p- 164. 165. **) Vegetius de re milın |, 5. ***, Rehzonico, Tom. ]. p. 160. 161.

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.

Einlestung. 23

Schwager C. Eäcilins, und hinterließ einen minder: jährigen Sohn: Plinius forgte fogleich väterlich für denfeiben, und beitellte Verginius Rılfus, einen der angefehenften Staatömänner, zu feinem Vormund. *) Bald darauf verließ er Spanien, und ging wahr fcheintich über Eomo, wo er feinen Neffen an Kindes: itatt annahır, nah Rom zurück. Dabin folgten ihm auch feine Schwefter und fein Adoptisfohn, dem er - die ſorgfaͤltigſte Erziehung geben ließ.

In Rom hatte ſich im Verlauf weniger Jahre Manches geändert. Nero hatte ein ſchändliches Ende genommen; alba, Dtho und Bitelllus waren nur _ ichnell vorübergehende Erjcheinungen gewefen, und Beipafian hatte bereits den Thron beftiegen. Streng und fparfam von Jugend anf fuchte diefer Kaifer eine Reform der fehr im Argen liegenden Sitten feiner Unterthanen zu bewirfen, den Gejegen Achtung zu verfchaffen, "und die Wiſſenſchaften und Künfte durch angemeflene Belohnungen zu fördern. Boten fih alfo schon überhaupt jedem verdienftoollen Manne beffere Ausfichten , fo hatte beſonders Plinius nicht Geringes von "der Gnade eines Kaiſers zu hoffen, . mit dem er jchon in früherer Zeit im Lager Freund: haft geichloffen, mit dem er in Germanien Die Mügen

°) Plin, Epist, II, ı.

>

24 Einleitung,

und Gefahren nmiehrexer Feldzüge getheilt hatte. Dies . fer würdigte ihn. denn auch feiner befonderen Freund⸗ (haft, uyd überhäufte ihr. mit Gynftbezeugungen. Der. Kaiſer arheitete gewoͤhnlich ſchon vor Tagesan⸗ bruch, und Plinius durfte ihn um dieſe Zeit befu= cheu, *) was wenigen Auserwäplten geſtattet war. Man hat nicht gezögert, aus dieſem engen, Verhaͤltuiß den Schluß zu ziehen, Bespafign müſſe feinen Günft- | ‚ling fogleih zum Senator gemacht haben, **) und bald war diefe Bermuthung von vielen Literarhiſto⸗ | rifern zur Gewißheit erhoben, Man darf aber nur bedenken, daß Vespaſian, obſchon er im Anfange "feiner Regierung tie alte Würde des Senats wieder⸗ herfielken zu wollen ſchien, fpäter dieſe Korporation, durch ihre allzugroßen Anfprüche ärgerlich gemacht, nicht mehr wohl leiden modte, und alſo gewiß nicht ernie feine Günitlinge zu Mitgliedern derjelben be- Örderte; taß ferner Plinius in feinem ganzen Werke ten Senat faft gar nit der Erwähnung werth hält, während er im Lobe ber Nitterfchaft allenthalben überfließt, fo, wird man diefe Hypotheſe höchſtens ale eine foldhe betrachten können. Eine andere Dermu- thung, daß Plipius auch den: Feldiug in Indäa

*) Plin. Epist. III, 6. | **) Rezaonico, Tom, I. p. 167.

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Einleitung 2 2a

mitgerageht und der Groberung Jearufalems beige gewohnt habe, follte ınan wohl gar nicht anführen, da fie geradezu Dem bisher angeführten Thatſachen widerfpricht. Als Pinius aus Spanien zurüekkam, war der jüdische Krieg längſt heendigt, und wäre er in Palaäͤſtina geweſen, fo hätte er als Augenzeuge i in ſeiner Naturgeſchichte Genaueres und Zuverlaͤſſigeres über dieſes merkwürdige Land barichtet, als wir darin finden. Wohl ſehen wir aus der Vorrede zur Naturge⸗ ſchichte, daß Plinius in ſehr freundſchaftlichen Verhaͤlt⸗ niſſen mit Titus, dem Eroberer Jernſalems, ſtand,

und dieſe Thatſache mag zu dem Maͤhrchen von ſeinen

Kriegsdienſten in Judäa Veraulaſſung gegeben haben.

Es läßt ſich übrigens keineswegs bezweifeln, daß Vespaſian feinen Günſtling von Stelle zu Gtelle . hob, bis er ihn endlich zum Admiral der Miſeniſchen Flotte machte, *) und ihm dadurch nicht nur zur Erwer⸗

- bung bedeuteuder Schaͤtze, ſondern auch zur leichteren

Vermehrung feiner Kenntniffe Gelegenheit gab: Plinius arbeitete nun raſtlos an feiner Naturgeichichte,, Die.

‚er auch, da die. Materialien in einer langen Reibe

von Fahren bereits gefammelt waren, bald vollendete, Seine naturwiffenichafttihen Studien feste er jedoch immer uoch fort, bis ar durch feine Wißbegierde, hin

*) Plin. Epist, 1, 5. . s. "

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26 Finleituns.

ihn keine Gefahr ſcheuen ließ, bei ‚tem ſchrecklichen Ausbruch des Veſuv (79 nach Chr.), welcher Pompeji und Herkulanum verſchüttete, den Tod fand.

Plinius hielt ſich gerade zu Mifenum, wo er die Flotte in eigener Perſon befehligte, auf, als dieſer Ausbruch erfolgte. Seine Schweſter benachrichtigte ihn am 23 Auguſt um.4 Uhr Nachmittags, daß eine Wolfe von ungewöhnlicher Größe und Geſtalt aufn fteige. Er hatte fich bereits nad feiner Gewohnheit gefonnt, kalt gebadet, und war nad) dem Eifen, auf ein, Ruhebett hingeſtreckt, mit feinen Studien bes fchäftigt; er forderte aber auf jene Meldung feine Schuhe und beitieg eine Anhöhe, von mo aus man die wunderbare Erfcheinung am beften beorachten konnte. Eine mächtige Wolfe wirbelte aus dem Ve⸗ fup empor; fie flieg zuerit, Durch den unterirdifchen Druc getrieben, gleich einem langen. Stamme in die Höhe, und goß fich dann durch ihre eigene Schwer⸗ kraft in die Breite, fo daß fle ungefähr die Geftait eines Sonnenfchirms bekam. Hie und da war fie weiß, an andern Gtellen dunkelgrau und gefleckt, je nachdem fie mit Aſche oder Steinen gefchwängert war. Die ungewöhntiche Erfcheinung erregte die Aufmerk⸗ famkeit des wißbegierigen Naturforfchers in fo hohem Grade „daß er ſie in der Nähe zu beobachten beſchloß.

Einleitung. 27.

Schon Hatte erden Befehl gegeben, ein leichtes Schiff ſegelfertig zu halten, als von den zu Reſina in der Bai von Neapel liegenden Seeleuten ein Schreiben ankam, er möge fie aus großer Noth erretten. Pli⸗ nius änderte fogleich feinen Plan, und lief mir der Flotte aus, um der ganzen bedrohten Küſte zur Dülfe zu eilen. Gefahr fonnte ihn nie irre machen, und fo dictirte er auch hier alle Begebenheiten und Geftal- tungen der Unglücksſcene. Je näher fie dem Schau: plate des furchtbaren Naturereigniffes kamen, defto dichter fielen glühende Aſche und Bimsſteine auf die Schiffe, welche bald der plößlichen Untiefe wegen nicht weiter vordringen, und auch an der Küfte, welche der Auswurf des Berges unzugänglich gemacht hatte, nicht landen konnten. Man war einige Minuten un: ſchlüſſig, und der Steuermann rieth zur Rückfahrt, als Plinius ihm zurief: „fahre mic zu Pomponianus; das Glück begünftigt den Muth!“ Pomponianus wohnte auf der andern Geite-der Bai, zu Gtabiä (Sartello a Mare), und hatte bereits, ale er die Gefahr immer näher Eommen fah, feine Habe auf Schiffe bringen lafien, um, fobald der Wind die Ab- fahre erlauben würde, zu entfliehen. Plinius ermun⸗ terte,den Zagenden, und ließ fich, um feinem Freunde. alle Furcht zu benehmen, in's Bad bringen, und fpeiste .

28 Einleitung.

nach dem Bade mit der größten Heiterkeit. Unter⸗ deſſen fliegen au mehreren Stellen des Veſuv Flame men empor, deren Glanz durch die Dichte Finfternig noch mehr erhöht wurde. Plinius mochte wohl. ſekbſt die Größe der herannahenden Gefahr nicht ahnen; denn er. fuchte feine Umgebung immer nad durch die Behauptung zu ermuthigen, die Flamman ſeyen nichts anderes als brennende Häufer, weiche Die erichveekten Landleute verlaffen hätten, Gr begab ſich fagar zur Rue, und fchlisf furchtlos und feſt ein; denn die Diener vor der Thüre hörten ihn deutlich Athem holen, was ihm ſeiner bedeutenden Beleibtheit wagen ſchwer fiel. Bald aber haͤuften ſich in dem Vorhof, ans welchem man in das’ Schlafzimmer trat, die Aſche und die ausgebrannten Steine fo fehr, daß man ihn aus der gegründeten, Beforguiß, er müde bei längerem Zögern nicht mehr herauskommen Rönnen,. weckte. Alle Anderen hatten gewacht, und man es rathſchlagte nun gemeinſchaftlich, ob man fih im'e: Freie begeben, oder im Haufe bleiben. folle. Beides mar gefährlich: die Hänfer wanften durch die anbal⸗ tenden: ftarken Erdftäße, und mau mußte jeden Au⸗ gonblick fürchten, unter ihren Trümmern hegrabem a4 werden; im Freien Dagegen fielen die Bimsſteine und die gkühende Aſche immer dichter. Man wählte.

Einleitung. 9 jeboch bald einftimmig das Letztere, band Polſter auf die Köpfe, und fuchte Das Meer, auf welchem man allein Rettung Hoffen Tonnte, zu erreichen. Ander⸗ wärts war bereits der Tag angebrochen; aber bie Senne Yied gänzlich unführder, and man mußte mit Fackeln ben Weg ſuchen. Dad Meer fand man fo wild und ungeſtüm, daß man, fi nicht ihm anzu⸗ vertrauen wagte, Plüriüs legte ſich auf ein ausge⸗ Dreitttes Tuch, und ſuchte feinen Durjt mit kaltem Waſſer zu ftillen. Die Flammen famen immer näher, und der ihnen vorausgehende Schwefelgeruch ſcheuchte Aue indie Flucht, auch Plinius verſuchte aufzuite- den, fank aber ſogleich todt nieder, wahrſcheinlich durch den Dampf erſtiekt: denn feine Luftröhre mar vn Natur ſchwach und 'enge, und litt häufig an Krämbfen. Drei Tage fpäter, als man fih der Ge: gend wieder nähern konnte, fand man ihn völlig un: verletzt und in dem Zuſtande, wie er niedergeſunken wor, eher einem Schlafenden, als einem Torten

apntich )

°, ey Plio, Epist. VI, 46. In der dem Suetonius zugeſchrie⸗ benen Bi ographie Des Piinius wird die Nachricht mit: getheift, er habe ſich, als er feinen Tod dur die glühende Aſche dorausſah, von einem feiner @claven entleiben laſſen. Da aber fein Nıfe wicht der Art

30 | Einleitung.

So art Plinius in dem 56 Jahre feines 2 ters: er gilt mit vollem Recht als der gelehrtei Mann Roms im erften Jahrhundert der Kaiferzeit.

„Du wunderft dich,“ ſagt fein Reffe, **) „de diefer mit Geſchäften überhäufte Mann fo viele B ‚cher und unter diefen manche von Außerft ſchwierige Inhalt fchrieb; du wirft dich noch mehr wunder: wenn Du erfährft, daß er einige Zeit Nechtehänd führte, daß er die wichtigften Staatsämter befleidet und daß ihm ein nicht geringer Theil feiner Ze durch feinen vertrauten Umgang mit dem ihm gewı genen Hofe entzogen wurde, Uber er befaß eine durchdringenden» Geift, unglaublichen Fleiß und beharrlichite Negfamkeit. Schon im Auguft arbeiter er bei Licht, im Winter von ein oder zwei Uhr de Nachts, oft aber auch ſchon von Mitternacht ar Schlafen Eonnte er, wann er wohte und wann es ihı gelegen war,. und nicht felten überfiel und verließ ih der Schlummer während der Arbeit. Bor Tagesanbruc begab er fi) zum Kaifer Vespaſian (denn auch Diefe

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ſagt, oder auch nur ahnen laßt, fo ſcheiut es fpätere Gerede zu ſeyn. 9 Die Bilduiffe des Plinius bei Rezzonico (Tom. ] p. 126 und 190) find offenbar unächt. ®*, Plio. Epist, 11], 5. |

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Einleitung.’ 34

arbeitete des Nachts) und von 9— an feine Berufes geichäfte. Sobald er aber diefe abgethan hatte, Fam er nah Haus, und widmete alle übrige Zeit den Studien. Nach einem mäßigen und einfachen Maple legte er fih im Sommer, wenn er Zeit hatte, in die Sonne, lad ein Bud und machte Anmerkungen und Auszüge; denn er las Nichts, ohne Diefes zu thun, und pflegte immer zu fagen, Bein Buch fen fo Schlecht, dag man nicht wenigftens Etwas daraus lernen könne. Nachdem er fich gefonnt hatte, nahm er gewöhntich ein faltes Bad, dann ein wenig, fchlief eine kurze Zeit und fludierte dann wieder bis zum Nachteffen. Während deffeiben wurde ein Buch vorgelefen, und flüchtige Bemerkungen dazu gemacht. Ich erinnere mich, daß mein Oheim, ale einer her Freunde den Borlefer, welchen Etwas falfch „ausgefprochen hatte, unterbrach, und ihm das Geleſene noch einmal zu wiederholen befahl, zu ihm fagte: „„du batteft es doch wohl verſtanden?““ und als Jener es bejahte,. erwiederte : „„nun warum hielfeft du ihn denn im Leſen auf?-Du haft uns Dadurch um mehr, als zehen Zeilen gebracht.““ So übertrieben fparfam war er mit feiner Zeit. Im Sommer ftand er noch bei Tag von dem Abendeflen auf, im Winter fogleich nad Anbruch der Nacht, und darauf hielt er fo fireng,

k "Einleitung. als wenn ihn ein uihbertretbares Geſetz dazu zwangen hätte. So febte er mitten im Geräuf der Stadt und unter feinen Amtsgeſchäften; befe er fi aber auf dem Land, fo war nur die Bade; frei vom Gtadiren, und zwar nur fo fang, als wirklich im Babe ſaß; denn während er abgetiel ‚und abgemifcht wurde, mußte ihm vorgelefen werd dber er diktirte Etwas. Sogar anf Reifen war einzig und allein mit den Studien beſchaͤftigt, und feiner Seite ſaß ſtets ein Schreiber mit dem Bu: und der Schreibtafel. Diefer hatte des Winte Handſchuhe an, damit die Studien zu keiner Jahre zeit auch nur einen Augenblick unterbrochen würde: ans derſelben Urfache bediente er fih auch in Re einer —— Gärfte."

Wie wenig Minius von Pebantisinus frei we fiebt man ſchon and diefer Schilderung. Hätte nicht ftets nur Bücher befragt, fondern ſich auf fein Reifen mehr mit der Natur und dem Leben felt veihäftigt, fo wäre feine Natureſchichte mit we weniger Albernheiten, die auch eine nur ganz oberfläc liche Beobachtung als ſolche erkennen muß, angefüll und würde für uns eine weit reichere Fundgrube di alten Gelehtſamkeit ſeyn, als fie wirklich ft.

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1

Einleitung. 35 Ehe wir jedoch zur näheren Charakteriſtik der Raturgefhicdte übergehen, wollen wir die Werke des Plinius, welche nicht mehr vorhanden find, nam: haft machen, und die fpärlihen Nachrichten über ihren Inhalt zufammenftellen. : |

4, Ueber das Speerwerfen der Reiterei (De jaculatione equestri), e in Buch. Plinius ſchrieb dieſes Werkchen (um 47 oder 48 nach Chr.) als Be⸗ fehlshaber eines Reitergeſchwaders in Germanien, *) machte es aber wahrfcheinlich erft nach feiner Zurüd: kunft nah Rom bekannt. Rezzonico **) glaubte diefe Erftlmgsarbeit des Plinius wiedergefunden zu haben, als er in einer Handfcheift in einer Bibliothek zu Rom den Xitel: „‚Incipit liber de jaculatione equestri Plinii Secundi‘‘ las; es fand fid) aber weiter nichts vor, als eben der Titel.

2. Das geben. des Pomponius Secundus (De vita Pomponii Secundi), zwei Bücher. ***) Pomponius, unter welhem Piinius in Germanien diente, itarb bald, nachdem ihm die Ehre des Triumphs zu Theil geworden war (6i nad) Ehr. ) , und- es it

) H. N. l. vm. o. 65. Plin. Epist, m,s 5. *®) Disquis. Plinian, Tom; I. P. 150. |

ı "*) Plia, Epist, Il, 5.

€. Plinins Matungefc, 18 Bochn. 3—

34 - Einke it un &

wahrſcheinlich, daß Plinius die Biographie des vr hochgeachteten Feldherrn nicht lange nach deſſe herausgab. 5 Die Germaniſchen Kriege, in zu Büchern (Belloram Germaniae libri viginti), | er, durch einen Traum, in dem ihm Drufus er| ‚angefeuert, während feines Aufenthalts in Germ begaun, und nad feiner Zurückkunft nad: Ron öffentlichte (um bi nad Chr.). Der Berluft | ausgebehnten Werkes, das bie Geichichte aller K weiche die Römer mit den Deutſchen führten, faßte, *) if fehr zu bedauern, Wir würden Dr den damaligen Zuſtaud unferes Baterländes g genau Eennen lernen. Man trug fi deßhalb fi ‚gerne mit: einem unverbirgten. Gerücht, es be ſich eine Handſchrift diefer Bücher über die Ge niſchen Kriege im Augsburg oder zu Dortmun Weſtphalen; **) neuere Nachforſchungen aber h die Sage zu einer. offenbaren Züge geftempelt. - Wert mar übrigens fchon. im vierten Sahrbur nicht haufig mehr anzutreffen, wie ung Sommadas, ein Schriftfteller diefer Zeit, berichtet.

*) Plin, Epist, Ill, 5. Tacit. Anaal, I, 69.

®*) Monumenta Paderbornensia (Francof, et Lips, 1713

p. 72. Vgl. Rezzonico, Tom, 1. p. 453.

®se) Epist. IV, 48,

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- Einleitung. "Ss

4, Der Gelehrte, In drei Blichern (Stadiosi Ubriſtees), im welchem Werke Jeder, ver ſich der Redekunſt widmete, den nötigen Unterricht von der Wiege an bis zu feiner Vollendung fand. Es ging {9 fehr ins Kleinliche, daß es fogar die Art und Weiſe vorſchrieb, mie ein Rednet den Schweiß im

Geſicht abzuw iſchen habe, damit feine Haare nicht in

Unsrdnung kämen. *) Plinius ſchrieb es wahrſchein⸗ lich zur Belehrung ſeines Neffen, und er mag die Ausarbeitung" bald nach deſſen Gebutt (61 nach Chr.) begonnen Haben. 5. Ueber unbeftimmte Worte (Dubii ser- monis libri VIIL), ein Werk grammaliſchen Inhalts, welches fpätere Grammatiker, wie Priscian, Diome⸗ des und. Chariſius, fleißig benützten. Plinius ſchrieb es in den letzten Regierungsjahren Mero's, in welchen die unertraͤglichſte Tyrannei jeden Aufſchwung bes Geiſtes und jedes etwas freiere und ſelbſtſtaͤndigere Studium gefaͤhrlich machte. **) Die gleichzeitigen Philologen fanden Vieles an dieſer Arbeit zu tadeln; Plinius vergalt ihnen aber ihre Angriffe durch eine derbe Züchtigung in der Vorrede feiner Naturge⸗

®) Quintilian, instit, orat, x, 3, 183. * Plin. Epist, IL, 8. ge _

s6 . Einleitung.

ſchichte. ) Vielleicht findet ſich diefes Wert nt einmal wieder; denn Johannes Tortellius von Arez; ein Schriftfteller des:fünfzehnten Jahrhunderts, vi ſichert in der Dedication feiner oft gedruckten Gra matik #9) an den Papft Nikolaus V., daß er vi Bücher. des Plinius über Grammatik benüßt hal Vielleicht irrte fih aber der gute Mann, 'oder wol er durch eine Lüge feinem Machwerke ein größer Anfehen geben.

6. Eine Geſchichte ſeiner Zeit, in iD: chern, welche da anfing, wo Aufidius Baſſus, e geſchaͤtzter Roͤmiſcher Hiftoriker, deffen Werk über t Bürgerkriege nicht mehr vorhanden ift, aufhörte. »* Wahrſcheinlich begann Plinius mit der Regierung zeit Nero’s.+) Das Werk kam erft nad fein Tode heraus, weil man ihm, wie er felbft jagt, + die Herausgahe bei feinen Lebzeiten als Schmeiche gegen das Faiferliche Haus und als einen Verfuch, hohen Ehrenftellen zu gelangen, hätte deuten könne

*) In I. $: 22—22. **, Commentarii grammatici de orthographia, erſte Au: Rom. 41471. Fol, Bgl. Rezjonico, Tom. I. p. 457. 1! °**) Piin. Epist, II, 5. Plin. H. N, I. §. 43. H H. N. I II. c. 86. 9. 2. c. 106. $. 12. D LI. 16. 16.

Einleitung. 37

7. Eine Naturgeſchichte, in 37 Büchern, von welder fogleich weiter die Rede feyn wird.

8. Auszüge aus verfhiedenen Schriften Ä (Electorum commentarii), in 160 Bänden, für welche ihm, als er in Spanien Procurator war, Licinius Largus vierhunderttauſend Seſtertien (ungefähr 32,965 fl.) bot. *) Dieſe Excerptenſammlung war ohne Zweifel eine ungeordnete Maffe, die ſchwerlich zur Veröffent⸗ lichung taugte, und wohl auch nie veröffentlicht wurde.

Daß Plinius auch eine Roͤmiſche Geſchichte von Anfang der Stadt bis auf ſeine Zeit und eine allge⸗ meine Geographie geſchrieben habe, ſind Annahmen einer früheren unkritiſchen Zeit, die auf falſch ver⸗ ſtandenen Stellen alter Autoren und auf Verwechſe⸗ lungen mit den angeführten Werken beruhen.

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„Die Naturgeſchichte (Historia naturalis) iſt das einzige Werk des älteren Plinius, welches der Zerflörung der Zeit entgangen iſt, aber ein Wert von unerfhöpflich reihem Inhalt, eine Encyclopaͤdie des gelammten Willens des Alterthums, die uns für

-

®) Plin.’Epist, III, 5.

FB Ä Ginteitung. | den Verluſt vieler. alten Schriftſteler in der Haupt: fache wenigſtens entſchaͤdigt. Es umfaßt nicht nur das Meifte; Was wie jetzt unter Naturgeſchichte verſtehen, Zoologie, Botanik und Mineralogie, ſon⸗ dern: auch viele andere Zweiga des menfchlihen Wil: ſens, Medizin; Phyſik, Afteonomie, Geographie und Kunſtgeſchichte. Uber eben diefe große Ausdehnung. bes Werks ift auch fein größter Fehler. Denn Pli⸗ nius haste füch fehwerlich einen beitimmten Plan, ein wiſſenſchaftliches Syſtem bei der Anlage deſſelben ge⸗ dacht; auch war er weder Aſtronom, noch Geograph, noch Naturforſcher, noch Arzt, noch Kuͤnſtler, ſondern ein Staatsmann, der in ſeinen freien Stunden keine ehrenvollere Beſchaͤftigung kannte, als die mit den Wiſſenſchaften. Er las die vorzuͤglichſten Schrift: fteller der Griechen und Römer, fchrieb, was ihm merkwürdig fchien, nieder, und vereinigte fpäter die Ercerpte in ein umfaffendes Werk, welches er, weil. es die geſammte Welt mit allen ihren Erfcheinungen berührte, am zwechmäßigften eine Naturgefchichte nennen zu können glaubte. ' | Die Heransgabe des Werkes fällt in die letzten Regierungsjahre Vespaſians, wahricheinlih in das Jahr 78 nah Chr., wie Rezzonico aus der Zuſam⸗

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Einleitung , ' 39: menftelung ‚miehverer Zeitbeſtimmungen in ber Nas turgefehicdhte richtig folgert. *)

Das Wert iſt in ſiebenundoreißig Bücher abges teilt, von weichen das erfte die Zufcheift an Titus: und das Inhaltsverzeichniß über alle übrigen Bücher, fo wie das Berzeihniß der benuͤtzten Gchriftſteller enthaͤlt. Manche, befonders Harbonin und Poinfimet de Sivry, der franzöftfehe Ueberſetzer des Plinius, haben an der Aechtheit dieſes erſten Buches gezweifelt. Da ſich aber in der Zueignung an Titus manche Stetten: finden, die fein ſpäterer Berfäticher erdenken konnte; da ferner Gelius, ein Schriftſteller des zweiten Jahrhunderts nach Chr., dieſe Zuſchrift offen: bar vor Augen Hatte; 2) da endlich: Plinius felvſt

9 Plinius nahlt zweimal (XIV, 5 XXVIII, 3.) von der Erbanung ber Stadt: bis zu der Zeit, wo er die anges führten Stellen rebigirte, 850 3. == 77 nad) Ehr., und . vos der Bolkszählung durch Wespafian und Titus (827 U. G. = 74 p. Chr.) an vier Jahre; alfa kann

dieſe letzte Zeit beſtimmung (VII, 50.) fruheſtens im dJahr 77 niedergeſchrieben ſeyn. Vergl. Rezzonico I,

472-175.

**) Dgl. den Unfang ber Vorrede bes Gellius mit der De dication des Plinius, $. 18. 49, 26.

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40 ., Einleitung.

"das zweite Buch als das zweite anführt, *) weich doch, wenn Borrede und Inhaltsverzeichniß ‚und wären, Das erfte feyn müßte, fo fann man nid umhin, jeden Zweifel für unbegründet zu halte Was übrigens das Inhaltsverzeichniß betrifft, fo zei: ſchon der Augenfchein, daß es im Laufe der Zeit fa bis zur Unfenntlichkeit entftellt, und von den A fhreibern ‚wahrhaft gemißhandelt worden. if. D Grundlage ift jedoch äͤcht; benn Plinius felbft * bezieht fid darauf. | Das zweite Bud) beichäftigt fich mit der Kvı mologie; ihr folgt in vier Büchern (356) die Sei graphie der damals bekannten Welt: dann wird d Zoologie in fünf (7—A11) und, die Botanik in ad Büchern (11—19) abgehandelt. Die Arzneimitte lehre nimmt einen großen Raum ein, und zwar meı ben die Arzneimittel‘ aus der Thierwelt in ad (20-27), die ans der Pflanzenwelt in fünf Bücher (28—32) aufgezählt. Die fünf lebten Bücher (3 bis 37) umfaffen, die Mineralogie, mit Einfchluß de anf dad Mineralreih bezüglichen Arzneimittellehr: und in Berbindung mit dem fchönen Künften und be

©) XVIL,.2. XVIO, 75. uch der jüngere Pfiniu (II, 5.) zählt 57 Bücher. *°) ], $. 16. 25. XVII, 5

Einleitung, 4

Technologie. Manche Bemerkungen ſtehen jedoch an Stellen, wo man fie nicht fucht: fo fpricht Plinius übe® viele Erfindungen am Ende bes fiebenten Buchs, und: befchreibt mandherlei Kunftdenfmäler in den geo⸗ graphiichen Büchern.

Die Naturgeſchichte des Plinius hat manchen Tadel erfahren müſſen. Namentlich find es zwei Hauptvorwürfe, die an ihr haften: einmal bie obers flaͤchliche unkritiſche Benuͤtzung der zu Gebote ftehen- den Quellen; zweitens die ſchlechte, unfpftematifche Anordnung des Ganzen.

Die Anflage, daß Plinius häufig. mit Weberei- lung und zu großer Schnelligkeit beim Ercerpiren verfahren, und an eine kritiſche Auswahl der Quellen gar nicht gedacht habe, tft zu jehr begründet, als daß man verſuchen dürfte, fie zurüchzumeilen. Plinius war Bein Naturforfcher, um darin liegt die Lrfache faft aller feiner Mißgriffe. Jeder Schriftfteller,, der ihm Merkwürdiges bot, war ihm angenehm: "ob er alt oder neu, ob er glaubwürdig oder voll Lügen mar, wurde ‚nicht nur ſelten beruͤckſichtigt, ſondern häufig ſogar das Ungewöhnliche, Wunderbare und . Abentenerliche mit fichtbarer Vorliebe hervorgehoben, and Unfinn, der ſchon von früheren - Naturforfchern genügend widerlegt war, von Meuem aufgetiſcht;

42 Einleitung. Phautaſiegeſchopfe, wie geflügelte Pferde, ſind in der Zwlogie eben. fo ernftgaft aufgezaͤhlt und behandelt, wie die wirklich vorkommenden Tiere, . Oft!verftept auch Minius die Griechiſchen Kunſtausdrücke nicht, und gibt eine Ueberfegung , die etwas Anderes fagt, ald das Original; oft find gerade die charakterifti: hen ‚Merkmale bei der Beſchreibung der Thiere, Pflanzen und Steine übergangen, wodurch das Wie: dererfennen erfchwert, ja häuflg völlig unmöglich ge: macht if. Nicht ſelten wird verfelbe Gegenfland unter verfchiedenen Namen zweimal nnd noch öfter aufgeführt, und an diefer Stelle dieſe Anſicht über eine Naturerſcheinung mitgetheilt, an jener wieder eine verſchiedene: wie wäre Dies anders möglich, da Plinius die philofopgifchen Spfteme, welchen. bie von ihm benützten Gchriftfteller folgen, nicht beachtet, fondern nur Notizen auszieht und bunt zufammten: reiht? Wie Häufig mag er auch durch mündliche Nachrichten, die fein nengieriges Fragen hervorlockte, betrogen, wie oft durch den fehlerhaften Vortrag feines Vorleſers getäuſcht worden ſein!

Doch es würde hier zu weit führen, alle Itr⸗ thumer und verkehrten Anſichten in der Kosmologie, Naturgefchichte, Geographie und Medirin näher zu bezeichnen; auch iſt es um. fo weniger nothwendig,

Einleitung. 48

„als Die Nachweiſung und Berichtigung der einzelnen. Fehler an den betreffenden Stellen (in fo weit es.

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nämlich möglich if) erfolgen wird.

Der zweite Tadel, die unſyſtematiſche Anbrd⸗ nung Des ganzen Werks, erfcheint als nicht gang gerecht, wenn man überlegt, wie wenig überhaupt die alten Aſtronomen, Naturhiſtoriker und Aerzte nach fireng fnftematifcher Anordnung fragen, und: wenn man bedenkt, daß die feinausgedachten Syſteme und Anordnungsmethoden ein Verdienſt der neueren Zeit find. Wir wollen es defhalb ruhig überfeben,

wenn Plinius Aſtronomie, Aſtrologie und Meteoros logie zufammenwirft, wenn er Kunftgeichichte und.

Technologie in die Mineralogie einmifcht, wenn er- die Nrzneimittellehre zwifchen die Botanik und Mi⸗ neralogie einfchiebt, und wollen ihm dankbar feyn für die Mittheilung unzählbarer Nachrichten . und.

. Bemerkungen, ohne bie wir das Willen der alten:

Welt nicht genügend beurtheilen könnten, und über jo Manches in ewigem Dunkel bleiben müßten.

Der Styl des Werkes ift an den nicht fehr zahle: reichen Stellen, we eine fortlaufende Darftellung moglich ift, gewöhnlich Fräftig und maleriſch ſchönz ‚oft aber" mangelt ihm Die Einfachheit und Beitimmt= heit des Ausdrucks. uebrigens wird man in dem

„54 Einleitung. Theile des Werkes, welche ans trockener Nomenclat beftehen, Feine Eleganz der Darftellung fuchen.

Um nicht einer Auslaffung bezüchtigt zu werde müflen wir hier weiter bemerken, daß wir den Bo wurf, Plinius habe den Divscorides, einen befannt Arzt und Naturforiher, von dem wir einige Wer befigen, ausgefchrieben, ohne ihn zu nennen, für u gegründet halten. "Denn abgefehen davon, daß me noch nicht über das Zeitalter dieſes Griechen ein iſt, ſo konnten er und Plinius aus derſelben Quel ſchöpfen. Warum ſollte auch der Letztere, der m der größten Gewiſſenhaftigkeit jeden benützten Schril fteller anführt, und fi in der Vorrede dieſes De fahren zur Ehre anrechuet, gerade den Dioscorid nicht genannt haben?

Doch es finden ſich für jeden Schriftſteller Ta ler, die oft abſichtlich das Geringfügigſte herve heben, und zu einer Reihe von Vorwürfen ausſpi nen, darüber aber „das Gute und Robenswerthe fi gänzlich unberüdfichtigt laffen. Man vernehme de Halb zum Schluſſe diefer Einleitung ein Urtheil üb Plinius von - einem Richter, deſſen Competenz i Fache der Naturwiffenfchaften nicht leicht Jemand Abrede ftellen wird.

„Die Naturgefchichte des Plinius,“ fagt E

Einleitung. | 5

vier, ®)-„ift eines ber koſtbarſten Denkmäler, die uns

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aus dem Alterthum übrig geblieben find, und zugleich der Beweis einer erfiaunenswerthen Gelehrfamteit, eines Kriegs: und Staatsmannes. Um diefes weit⸗ läufige und berühmte Werk nah Gebühr zu würdi- gen, muß man daran drei Dinge unterjcheiden: dem Dan, den Inhalt und den Styl. Der Plan ift un⸗ geheuer. Plinius will nicht nur eine Naturgefchichte in dem beichränkten Sinne, in. welchem wir jet diefe Wiſſenſchaft nehmen, d. h. eine mehr oder minder ausführliche Befchreibung der Thiere, der Pflanzen und der Mineralien liefern; er umfaßt aud die Aftronomie, die Phyſik, die Geographie, die Lands wirthfchaft, den Handel, die Arzneifunde und bie Künfte: dabei durchwebt er feinen Vortrag mit ‘Bes merkungen über die moraliiche Erkenntniß des Men ſchen und über die Sefchichte der Völker, fo daB man in vielfacher Beziehung diefes Werk die Encyclo⸗ pädie feiner Zeit nennen Fann. Ueberſchaut man die wunderbare Maſſe von Gegenſtaͤnden, die ſich darin finden, ſo kann man nicht genug den Fleiß bes Verfaſſers rühmen, und muß ſich um fo mehr über. bie Ethaltung dieſes Schatzes freuen, als manche

In der Biographie universelle, Tom: XXXV. (Par. 1823. 8.) p. 69-73.

6 | Einleitung. wichtige Nachrichten nur in ihm und in keinem We eines anderen Schriftſtellers zu finden find. U ungluͤcklicher Weiſe verringert die Art, wie Min das Material gefammelt und dargesegt hat, fehr \ Werth deſſelben. Denn erftene ift Wahres mit‘ F ſchem gemifcht, und man findet das Eine fo hän! wie das Andere; zum Andern ift es in vielen umnmöglich, ju ahnen, von welchem Naturgegenite er eigentlich reden wollte. Plinius mar Bein fche finniger Beobachter, wie Ariftoteles, noch weni ‚ein: Genie, das die Geſetze und Verwandtfchaft nach welchen die Natur ihre Erzengniffe zufamm geſtellt bat, zu. erfaſſen mußte. Er iſt überhai ‘mir ein Sammler, und zwar in ben meiften Fäl ein Sammler, der, weil en keinen richtigen Beg von den Bingen, über welche er die Zengniffe 9 derer zufammenträgt‘, hat, weder bie Richtigkeit i ‚fer Zeuguiffe würdigen, noch überhanpt ihren Inh ſich völlig Mar machen konnte. Mit einem Wo er ift ein Schriftſtoller ohne Kritik, der die Auszü die er in vielen Jahren gemacht bat, in verſchie nen Abfchuitten zufampwenftellt und mit Benwerkun: durchflicht, die fich keineswegs auf den von ihm bandelten Zweig des Wiffens beziehen, fondern den abgejchmackteften Mberglauben verrathen, bald

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Einleitung. 7 Oeklamatienen einer graͤmlichen Philoſophie, die ofme Unterlaß, die Dienfchen, die Ratur und die Götter ſelbſt anklagt, ausarten. Wan darf alfo die von ihm angehäuften Thatſachen nicht von feinem Ges ſichtspunkt aus betrachten, fondern muß fih Die Schriftſteller, aus melden. er fie gezogen hat, in Gedanken vorführen, nnd an diefe., fo weit es un⸗ jere größere oder geringere Kenntniß ihrer Verhält⸗ nie und Syſteme erlaubt, den Maßſtab der Kritik anlegen. Studirt man auf diefe Weile die Natur⸗ gefchidhte des Plinius, fo muß fie ung als eine der reichften Yundgruben des menſchlichen Willens gelten. Denn fie ift nad feinem eigenen Zeugniß *) aus ben Auszügen von mehr denn 2000 Bänden zufammen- geſetzt: von den Durch ihn benüsten Gchriftitelleen alter Art, Meifebefchreibern, Hiſtorikern, Geographen, Philoſophen und Nerzteu, Fennen wir nur etwa vier⸗ zig aus ihren noch vorhandenen Werken; von den meiften haben wir nur nod Fragmente oder ſolche Werke, die von denen, aus welchen Plinius geſchöpft bat, verſchieden find; der Name und das frühere Daſeyn vieler wären der Bergefiendeit anheimgefallen, wenn er. fie nicht als Quellen angeführt hätte. Die

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° H. N. L, I, 5. 15. J

&0 ., Einleitung.

"das zweite Buch als das zweite anführt, *) welt doch, wenn Borrede und Inhaltsverzeichniß un wären, das erfte feyn müßte, fo fann man n umpin, jeden Zweifel für unbegründet zu hal— Was Übrigens das Inhaltsverzeichniß betrifft, fo z fhon der Augenſchein, daß es im Laufe der Zeit bis zur Unfenntlichkeit entftellt, und von den | fchreibern ‚wahrhaft gemißhandelt worden. ift. Grundlage ift jedoch aͤcht; benn Plinius ſelbſt bezieht ſich darauf.

Das zweite Buch beichäftigt fih mit der K mologie; ihr folgt in vier Büchern (35—6) die G graphie der damals befannten Welt: dann wird Zoologie in fünf (7—11) und. die Botanik in a Büchern (11—19) abgehandelt. Die Arzneimit: lehre nimmt einen großen Raum ein, und zwar w . ben die Arzneimittel‘ aus der Thierwelt in a

(20—27), die aus der Pflanzenwelt in fünf Büch (28—32) aufgezählt. Die fünf lebten Bücher ( bis 37) umfaffen, die Mineralogie, mit Einfchluß I anf dad Mineralreih bezüglichen Arzneimittelleh und in Verbindung mit den fchönen Künften und |

9 XVII, 2. XVII, 75, Auch) der jüngere Plin UII. 5.) zählt 37 Bücher. *%) J, $. 16. 2b. XVII, 6.

Einleitung, 4 Technologie. Manche Bemerkungen ftehen jedoch an Stellen, wo: man fie nicht ſucht: fo ſpricht Plinius übe viele Erfindungen am Ende des fiebenten Buchs, und- befchreibt mandherlei Kunſtdenkmaͤler in den geo⸗ graphiſchen Büchern.

Die Naturgeſchichte des Plinius hat manchen Tadel erfahren müſſen. Namentlich ſind es zwei Hauptvorwürfe, die an ihr haften: einmal die ober⸗ flaͤchliche unkritiſche Benügung der zu Gebote ſtehen⸗ den Quellen; zweitens bie fchlechte, unſyſtematiſche Anordnung des Ganzen.

Die Anklage, daß Plinins häufig ‚mit Weberei- lung und zu großer Schnelligkeit beim Epcerpiren verfahren, und an eine kritiſche Auswahl der Quellen gar nicht gedacht habe, tft zu fehr begründet, als daß man verfuchen dürfte, fie zurückzuweiſen. Plinius war kein Naturforſcher, und darin liegt die Urſache faft aller feiner Mißgriffe. Jeder Schriftſteller, der ihm Merkwürdiget bot, war ihm angenehm: ‘ob er alt oder neu, ob er glaubwürdig oder voll Lügen war, wurde ‚nicht nur felten berüdfichtigt, ſondern häufig fogar das Ungewöhnliche, Wunderbare und . Abenteuerlihe mit fihtbarer Vorliebe hervorgehoben, - and Unſinn, der ſchon von früheren - Naturforſchern genügend widerlegt mar, von Neuem aufgetiſcht;

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42 | . Einleitung.

| Phantafiegefchöpfe, wie geflügelte Pferde, ſind in d Zoologie eben fo ernſthaft aufgezählt und behande wie die wirklich vorfommenden Tiere, . Oft!verfte auch Plinius die Griechiſchen Kunſtausdrücke nid und gibt eine Weberfegung , die etwas Anderes ſag ald das Original; oft find gerade die charakteriſti fhen ‚Merkmale bei der Beſchreibung der Thier Pflanzen und Steine übergangen, wodurd das Wi dererfennen erfchwert, ja häufig völlig unmöglih g

macht if. Nicht felten wird derfelbe Gegenſtan unter verfchiedenen Namen zweimal nnd noch öfte aufgeführt, und an diefer Stelle dieſe Anſicht übe eine Naturerſcheinung mitgetheilt, an jener wiede eine verſchiedene: wie wäre Dies anders möglich, d Plinius die philoſophiſchen Syſteme, welchen die vo: ihm benützten Schriftſteller folgen, nicht beachtei ſondern nur Notizen auszieht und bunt zuſammen reiht? Wie Häufig mag er auch durch mündlich Nachrichten, die fein neugieriges Fragen hervorlockte betrogen, wie oft durch den fehlerhaften Vortrat ſeines Borlefers getäufcht worden fein!-

Doch es würde Kier zu meit führen, alle Ir thümer und verkehrten Anfichten in der Kosmologie Naturgeſchichte, Geographie und Medicin näher zu bezeichnen; auch iſt es um. fo weniger nothwendig,

u

Einleitung 43. ‚as Die Maqhweiſung und Berichtigung der einzelnen Fehler an den betreffenden Stellen (in ſo weit es nämlich möglich iſt) erfolgen wird.

Der zweite Tadel, die unſyſtematiſche Anerbs unng Des ganzen Werks, erfcheint als nicht gang gerecht, weun man überlegt, wie wenig überhanpt

> die alten Aftronsmen, Naturhiſtoriker und Aerzte nah fereng ſyſtematiſcher Anordnung fragen, und wenn man bedenkt, daß die feinausgedadhten Syſteme und Anorönungsmethorten ein Berdienit der neueren Zeit find. Wir wollen es deßhalb ruhig überfehen, wenn Minius Aſtronomie, Aſtrologie und Meteoros logie zufammenwirft, wenn er Kunftgeichichte und . Technologie in die Wineralogie einmifcht; wenn er- die Arzneimittellehre zwiſchen die Botanik und Mi⸗ neralogie einfchiebt, und wollen ihm dankbar ſeyn für die Mittheilung unzählbarer Nachrichten . und. . Bemerkungen, ohne die wir das Willen der alten: Welt: nicht genügend beurtheilen ‚Eönnten, und über fo Manches in ewigem Dunkel bleiben müßten. Ä

Der Styl des Werkes ift an den nicht fehr zahle: reichen Stellen, wo eine fortlaufende Darftellung möglich ift, gewöhnlich Fräftig und maleriſch ſchönz oft aber mangelt ihm die Einfachheit und Beſtimmt-⸗ heit des. Ausdrucks. Uebrigens wird man in dem

‚54 Einleitung. Theile des Werkes, weldhe aus trockener Nomencl beftehen, keine Eleganz der Darftellung ſuchen.

Um nicht einer Auslaffung bezüchtigt zu weri müffen wir bier weiter bemerken, daß wir den 2 wurf, Plinius habe den Dioscorides, einen befanr Arzt und Naturforfcher, von dem wir einige We befigen, ausgefchrieben, ohne ihn zu nennen, für. gegründet halten. Denn abgefehen davon, daß m noch nicht über das Zeitalter dieſes Griechen eii ift, fo Eonnten er und Plinius aus derfelben Quı ſchöpfen. Warum follte auch der Lebtere, der r der. größten Gewiſſenhaftigkeit jeden benützten Schri ſteller anführt, und ſich in der Vorrede dieſes V fahren zur Ehre anrechuet, gerade den Dioscorid nicht genannt haben?

Doch es finden fich für jeden Schriftiteller Ta ler, die oft abfichtlic das . Geringfügigfte herve heben, und zu einer Reihe von Vorwürfen ausfpi nen, darüber aber „das Gute und Lobenswerthe fa gänzlich unberückſichtigt laſſen. Man vernehme de halb zum Schluffe diefer Einleitung ein. Urtheil üb Plinius von einem Richter, deſſen Competenz i Fache der Naturwiffenfchaften nicht leicht Jemand | Abrede ftellen wird.

„Die Naturgefchichte des Plinius,“ fagt Ch

Einleitung. 46

| vier, @).,‚ift eines der koſtbarſten Denkmäler, die uns ' aus dem Altertum übrig geblieben ‚find, und zugleich ' der Beweis einer erftaunenswerthen Gelehrſamkeit eines Kriegs: und Steatsmannes. Um diefes weit⸗ läufige und berühmte Werk nad) Gebühr zu würdi- gen, muß man daran drei Dinge unterjcheiden: ben > Dan, den Inhalt und den Styl. Det Plan ift un- geheuer. Piinius wit nicht nur eine Naturgefchichte in dem befchränkten Sinne, im welchem wir jebt diefe Wiffenfchaft nehmen, d. h. eine mehr oder minder ausführliche Befchreibung der Thiere, der Pflanzen und der Mineralien liefern; er umfaßt auch die Aſtronomie, die Phyſik, die Geographie, die Lands wirthfchaft, den Handel, die Arzneifunde und die Künfte: dabei durchwebt er feinen Vortrag mit Bes merkungen über die. moralifche Erfenntniß des Mens ſchen und über die Geſchichte der Völker, fo daß man in vielfacher Beziehung diefes Wert die Encyclo- pädie feiner Zeit nennen kann. Ueberfhaut man die wunderbare Mafle von Gegenftänden,' die fich darin finden, fo kann man nicht genug den Fleiß des Verfaflers rühmen, und muß fih um jo mehr über. die Ethaltung dieſes Schatzes freuen, als manche

——

In der Biographie universelle, Tom. XXXV. (Par. 1823. 8.) p. 69-73.

as Einleitung. wichtige Nachrichten nur in ihm und in feinem Ü eines anderen Schriftſtellers zu finden ſind.

uunglucklicher Weife verringert die Art, wie Mi

das Material gefammeli und dargetegt hat, ſehr Werth deſſelben. Denn erftens ift Wahres mit | ſchem gemifcht,, und. man Ündet das Eine fo hä: wie das Andere; zum Andern ift es in vielen

-mmmöglich, zu ahnen, von weiden Naturgegenfl er eigentlich reden mollte. Ptlinius mar Bein fh finniger Beobachter, wie Ariftoteles, noch wen ‚ein. Genie, das die Geſetze und Verwandtfchaf nach welden bie Natur ihre Erzengniffe zufamnm geſtellt hat, zu erfallen wußte. Er. ift überha nur ein Sammler, und zwar in ben meiften Faͤ ein Sammler, der, weil er keinen richtigen Bey von den Dingen, über welche er die Zeugniffe : derer zuſammentraͤgt, hat, weder die Richtigkeit | fer Zeuguiſſe würdigen, noch überhampt ihren Ya fih völlig Mar machen Eonste. Mit einem Bo er iſt ein Schriftſteller ohne Kritik, der die Auszü ‚die er in vielen Jahren gemacht bat, in vericie . nen Abfchuitten zufammrenftellt und mit Bemerkung durchflicht, Die ſich keineswegs auf den von ihm | handelten Zweig des Willens beziehen, fondern br den abgeichmackteften Aberglauben verrathen, bald

" .

Einleitung. &7 Oeklamationen einer graͤmlichen Philoſophie, die ohne Unterlaß die Dienfegen, die Ratur und die Götter ſelbſt anklagt, ausarten. Man darf alfo die von ihm angehäuften Thatſachen nicht von feinem Ges fihtöpuntt aus betrachten, fondern muß fi die Schriftfteller, aus welden. er fie gezogen bat, in Gedanken vorführen, und an diefe, fo meit es un⸗ ſere größere ober geringere Kenntniß ihrer Verhaält⸗ nie und Syſteme erlaubt, den Maßſtab der Kritik anlegen. Studirt man auf diefe Weile bie Natur⸗ gefchichte des Plinius, fo muß fie uns als eine der reichften Fundgruben des menſchlichen Willens gelten. Denn fie ift nad feinem eigenen Zeugniß *) aus ben Auszügen von mehr denn 2000 Bänden zufammen- geſetzt: von den duch ihn benützten Schriftitellern aller Art, Meifebeichreibern, Hiftorikern, Geographen, DPhiloſophen und Aerzten, kennen wir nur etwa vier⸗ zig aus ihren nod vorhandenen Werken; von den meiften haben wir nur noch Fragmente oder folche "Werke, die von denen, aus welchen Plinius geſchöpft hat, verfehteden find; der Name und das frühere Daſeyn vieler wären der Bergellendeit anheimgefalien, wenn er. fie nicht als Quellen angeführt hätte. Die

9) H. N. l. I. 9. 15. I

48 Einleitung. | Vergleihung dei, Auszüge mit den noch vorhander

. . ODtiginalen, befonders mit Ariftoteles, zeigt zur

nüge, dag es Plintus nicht Barum zu thun war, rn das Widtigfte und Zuverläßigfte aus den gelefen Schriftſtellern zu nehmen, fondern daß er fi ı wöhnlich an auffallende und wunderbare Dinge die ihm Stoff zu- recht grellen Eontraften_und

Borwürfen, die er bei jeder Gelegenheit der ſehung madıt, geben. Wahr ift es freilih, daß nicht Allem, was ‚er beibringt, gleichen Glaub ſchenkt; aber feine Stimme für oder gegen eine A . fh hängt gewöhnlich nur vom Zufall ab, und g rade die abgefhmackeften Mähren erregen a feltenften irgend einen Zweifel in ihm. So nimn er alle Fabeln der Griechiſchen Reifebeichreiber üb Menſchen ohne Kopf, ohne Mund. oder mit eine Fuße, oder mit langen Ohren, mit der größten verfiht auf, und hält tiefe Phantaflegebilde für Spie ‚der erfinderifhen Natur. Man kann daraus .leid ſchlioßen, welden Unfinn er erft über fremde un :wenig bekannte Thiere beibringt.. Die fabelhaftefte Thiere, Thiere mit Menfchenköpfen und Gcorpioı ſchwaänzen, geflügelte Pferde, Thiere, deren blofı Anblic den Zod zu bringen vermag, Tpielen ruhi ihre Rolle an: der Seite des Elephanten und de

e

Einteitung. u 49 Swen, Man darf jedoch deßwegen nicht Alles für falſch halten, felbit nicht in den Abfchnitten, die-am . meiften von Irrthümern firogen. Zuweilen läßt ſich

die Wahrheit, aus welcher fih mande Lüge ent:

w

w

wictelte, errathen, wenn man fich erinnert, Daß man Auszüge aus Reifebefchreibern vor ih hat, und an- nimmt, daß die Unmiffenheit der alten Reiſenden und ihre Liebe zum Wunderbaren fie zu den nämlichen

‚Uebertreibungen gebracht, und ihnen diefelben unbe⸗

ftimmten und oberflächlichen Befchreibungen in die Feder gegeben haben, die uns auch in einer großen Anzahl neuerer Reifen ärgert. Ein anderer fehr großer Fehler des Plinius ift, daß er nicht immer den richtigen Sinn der Schriftfteller, welche er über- ſetzt, am menigften bei der Bezeichnung der einzelnen Gattungen, wiedergibt. Trotz der geringen, ung jetzt noch zu Gebote ftehenden Mittel, um mit Zuverficht über diefe Art von Fehlern zu nrtheilen, kann man doch leicht nachweiſen, daß er in mehreren Fällen _ die Sriehifhe Benennung eines XThieres mit einer Lateinischen vertauſcht hat, die einem völlig verfchie- denen Thiere zukommt. Es ift jedoch auch nicht zu - leugnen, daß die Beftimmung der Nomenklatur eine ber größten Schwierigkeiten war, welche die alten E. Plinius Naturgeſch. 18 Bhdn. 4

60 Einleitung.

Naturforſcher in Verlegenheit brachten, und di Tebler aller von ihnen verjuhten Methoden trete bei feinem Schriftfteller deutlicher hervor, .ald b Plinius. Die Beichreibungen oder vielmehr die ur vollftändigen Andeutungen, Die er gibt, veichen fa nie zur Kenntlibmadhung der Gattungen hin, wen ung die Ueberlieferung deren Namen nicht erhalte bat; bei fehr vielen nennt er auf) nur die Ramer ohne ‚irgend nähere Beltlimmungen. oder irgend ei Unterfcheidungsmerfmal anzugeben. Könnte ma: noh an den VBortheilen der von den Neueren fonnenen Metpoden zweifeln, fo würde man fic fchon durch den einzigen Umftand überzeugen laſſen daß fat Alles, was die Alten über die Eigenfchafte: der Pflanzen gejagt haben, für uns verloren ift, wei wir nicht ausmitteln können, weichen fie diefelbe: zufchrieben. Unfer Bedauern über diefen Berluf wird freilich fehr Durd die Wahrnehmung herabge ſtimmt, daß die Alten, namentlich Plinius, nich die geringfte- Sorge trugen, die Deilkräfte, weiche fi diefen oder jenen Pflanzen nahrühmten, zu erprobeı oder zu beweilen. Gie theilen denen, welche maı ‚Eennt, ſo viele unwahre und abgeſchmackte Eigen fchaften zu, daß wir ung über die Nichtkenntniß dei SHeilträfte anderer, welche uns unbefannt find, woh

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Einleitung 61

tröften dürfen. Will man der Abtheilung des Werks, in welcher Plinius die Arzneimittellehre abhandelt, Glauben ſchenken, fo gibt es Eeine menſchliche Be: ihwerde, gegen welche die Natur nicht wenigftens zwanzig Mittel in Bereitfhaft hat, und unglückſe⸗ ligermweife ſchienen fi) die Aerzte nach der Wieder- erweckung der Wiſſenſchaften fait zwei Jahrhunderte hindurch in der Wiederholung diefer Kindereien zu gefallen. Dioscorides und Plinius bilden die Grund: lage einer großen Menge von Werken, die mit einer Unzapl von Rezepten angefüllt find, welche nur bie Argfte Pedanterie fo lange Zeit dulden und anwenden fonnte, die aber jest die wahre Wiſſen⸗ fhaft aus der Heilkunde verbannt bat. Man muß alfo eingeftehen, dag Plinius, wenn man blos That: ſachen berückfichtigt, heut zu Tage Fein weiteres ge: gründetes Verdienft hat, als daß wir durch ihn die Gitten und Gebräuche der Alten, ihre Verfahrungs⸗ weiſe in dem’ verſchiedenen Künften, ſo wie einige geſchichtliche Züge und manche geogräphifche Einzel« heiten, die man ohne ihn nicht willen würte, kennen lernen, Die Abtheilung über die. Künfte möchte vielleicht die feyn, welche am meiften ein'tie- feres Studium verdient:, er entwickelt darin bie | 4*

52 Einleitung. ' | Fortfchritte der Kunſt, beichreibt ihre vorzügliciten Erzeugniſſe, nenut.die berühmteften Künftler, zeigt die Art und Weif: an, in welcher fie ihre Werke arbeiteten, und man kann durdaus nicht leugnen, ‚Daß, wenn man immer begreifen. könnte, Was er fagen will, man mande geheime Kunftgriffe wieder -auffinden eönnte, durch deren. Anwendung die Alten Werke ausführten, deren Nachahmung uns bis jest noch nicht gelungen, ift; aber gerade hier zeigt fich die Mangelhaftigkeit. der !alten Nomenklatur am deutlichften. Plinius nennt eine Menge Subftanzen, aus welden die Mittel zur Berfertigung diefes oder jenes Kunftartifels zufammengefeßt werden müflen ; dieſe Subftanzen kennt man aber größten: theils nicht, auf andere fann man nur aus zweideu— tigen Merkmalen ſchließen. Uebrigens haben wit auch noch feine genügende Erläuterung der Narurge: fhichte des Plinius, welde freilich eine der ſchwie rigſten gelehrten Arbeiten waͤre. Denn um ſie mi Erfolg zu verſuchen, müßte man mit der genaueſter Kenntniß der alten LXiteratur eine eben fo genau Bekanntſchaft mit den der alten Welt bekannte: Naturproduften verbinden. Hat aber auch Plinin als Kritiker und Naturforfcher für uns jetzt nu geringes Berdienft, fo müffen wir. doch fein Taler

. Einleitung _ | 55

als Schriftfteller und den unerfchöpflichen Schatz von lateiniſchen Worten und Redensarten, zu deren An⸗ wendung ihn die Fülle ſeines Stoffes zwang, und die ſein Werk zu einer der reichſten Fundgruben der Römiſchen Sprache gemacht haben, ganz anders beurtheilen. Man hat mit vollem Rechte behauptet, daß ohne Plinius die Wiederherſtellung des ganzen lateiniſchen Sprachſchatzes unmöglich geweſen wäre, und man muß Dieſes nicht allein von dem Wortreichthum, ſondern auch von der Mannigfaltigkeit der Bedeu⸗ tungen und der Wendungen verſtehen. Man kann auch nicht in Abrede ſtellen, daß überall, wo es ihm möglich iſt, allgemeine‘ Ideen oder philoſophiſche Anſichten zu entwickeln, ſeine Sprache Kraft und

Lebhaftigkeit, und ſeine Gedanken etwas Kühnes und,

Ueberraſchendes annehmen, Was ung für die trockene Nomenklatur an andern Stellen entfchäbdigt, und ihm bei vielen Lefern für die Unzwlänglichkeit feiner wiſ— fenfchaftlichen Angaben Berzeihung bewirken fann. Vielleicht haſcht er zu fehr nach wißigen Einfällen, und Gegenfäßen, und vermeidet nicht genug den Schwulftz mandmal findet. man auch eine gewiſſe Härte und an mehreren Stellen eine große Dunkelpeit, die nicht dem Stoffe, fondern feinem Bemühen, recht gedrängt und kurz zu ſeyn, zugefchrieben werden muß,

/ J

54 Einleitung.

Aber immer ift er edel und ernft, voll glühenber Liebe für die Gerechtigkeit, voll Achtung für die Tu: gend und voll Abfchen gegen Grauſamkeit und Ge: meinheit, deren Folgen er vor Augen ſah; mit Ber: achtung blickt er auf ten üb.rtriebenen Aufwand und die zügellofe Leppigfeit, die das Römiſche Volk be: reits durch und durch verdorben hatten, herab. In dDiefer Beziehung fann man Plinius nicht genug lo— ben, und muß. ihn, troß der vielen Fehler, von denen man ihn ale Naturforſcher nicht frei fprechen kann, als einen der empfehlensivertheften Särift: fteller betrachten, und ihm unter den Claffifern aus der Periode nad Auguftus einen Ehrenplag einräus men. Wir fchließen mit der Bemerkung, daß Pli— nins atheiftifchen Anfishten huldigt, oder wenigſtens keinen andern Gott anerkennt, als die Welt, und daß noch wenige Philofophen das Syſtem des Pantheig- mug fo klar und fo kraftvoll dargelegt haben, als er gleich im Anfange des zweiten Buche.‘

Ueber die gegenwärtige Ueberfegung foll Nichts gefagt. werden, als daß fie keinem beftimmten Terte folgt, und daß dabei nicht nur die Älteren, fondern auch: die neueſten Hülfsmittel benützt wurden. Die

‚Einleitung. 55

ı Anmerkungen mußten fi auf das Nöthige befchräns fen, um nicht die vorgezeichneten Grenzen zu über: ſchreiten. Die Behauptung, immer Las Richtige getroffen zu haben, müßte bei feinem anderen Schriftſteller ſo fehr als Lüge bezeichnet werben, ale bei Plinius.

SEELE

€. Plinius Secundus Naturgefchichte.

Erfles B u d..

X

Vorrede. *)

€. Plinius Secundus dem Caͤſar Titus Ves pa⸗ fianug feinen Gruß!

1. Bon den Büchern meiner Naturgefchichte, einem von den Camönen Deiner Quiriten noch nicht verfuchten Werke, **) meinem jüngften Kindlein, will ih Did), hulbvollfter Imperator (denn diefer Ehrenname gebührt Dir

*) Die Ueberſetzung fucht abſi qhtlich den vochn geſchraubten Styl dieſer Vorrede, welche üperhaupt noch ber Fritifchen Läuterung eines tüchtigen Philotogen ebarf, nicht zu ver: wifchen.

29), Miinius war ber erfie Roͤmer, welcher eine Naturgefchichte

ſchrieb.

Erites Buch. I 57

mit allem Recht, ſo lange der des Größten mit Deinem Vater altert,) *) in einem etwas freien Schreiben unter⸗ halten. E . Denn’ Du yflegteft Meine Poſſen für etwas doch zu achten,

um mid hinter. Eatullus, ») meinem Landemanne (-Du kennſt wohl diefen Soldatenausbrud), zu verſchanzen. Denn Diefer , wie Du weißt, nahm ed etwas übel, ald man ihm feine Sätabiichen Zafdyentücher verwechfelte, bie er als Ber ‚Tchente feines Veranchens und feines Fabullchens geſchätzt wiffen wollte. ***) 2. Zugleich bezwede ich durch dieſe meine Kühnheit, eine Unterlaffungsfünde, bie Du an einem andern kecken Schreiben von mir getadelt haft, wieder gut zu machen, und Deinem Wunfche gemäß durch ein öffentli⸗ ches Aktenſtück zu zeigen und zur allgemeinen Kenntniß zu ‚bringen, in weldyem fchönen Verhältniß Dein Volk mit Dir lebt. 3. Du haft triumphirt, warft Eenfor und feche- maf Conſul. Du bift Inhaber der tribuniciſchen Gewalt, und,

“, Da Du den Namen bed Größten nicht führen kannſt, lange Dein Vater, der ihn führt, noch lebt.

”*) Carm, I, 3. 4. Weber Catullus, fo wie Über alle andere in dieſer Vorrede genannten Schriftfteller, vergleihe man die fiterarifchen Bemerkungen vor dem zweiten Bud.

”*, Aſinius Hatte bem Catullus bei einem Xrinkgelage bie feinen Taſchentücher, die ihm von feinen Sreunden Vera⸗ nius und Fabullus verehtt worden waren, entwendet: Catullus flellte ihn bewegen in einen bittern Gebicht (X1.) zur Rete. Saͤtabiſche heißen die Tücher, weil fie aus der Spanifchen Stadt Sätabis, wo die feinfte Lein⸗ wand fabrizirt wurde (Plinius XIX, 1.), Bamen,

58 C. Plinins Naturgefchichte. -

was noch mehr als alles dieß Deine edle Geflunung zeigt, Du biſt Befehlshaber der Leibwache, *) wodurch Du Deinen Bater eben fo fehr als den Ritterftand ehrſt. Alles bift Du dem Staate, uns aber nody immer Derfelbe, wie bei uns ferem Zufammenteben im LZagerzelte, ** und die Größe des Glücks hat bei Dir Feine Veränderung hervorgebradt, ale daß Du jest eben fo viel nüsen kannſt, ald Du willf. 4. Da aber alles Das Allen bekannt ift, und Dir Alle deß⸗ halb ihre Verehrung gollen, fo Eönnen wir nur zu der Kühns heit, Dir diefelbe auf eine vertraulichere Weife zu bezeugen, nnfere Zuflucht nehmen. Du haft alfo diefe Kühnheit Dir ſelbſt zujufchreiben, und mußt unfere Schuld Dir verzeihen.

Obſchon ich aber die Keckheit ſo weit treibe, ſo komme ich doch wieder in Verlegenheit. Denn auch auf einer an⸗ deren Bahn trittſt Du mir in gleicher Größe entgegen, und ſcheuchſt mich noch weiter zurück durch die Allgewalt Deines Geiſtes. So glänzte noch Niemand durch bie Kraft der Rede im vollen Ginne des Wortes; nod nie hörte man eine fo hinreißende Beredſamkeit von der Rednerbühne. 5. Mit welcher Donnerflimme verfündeft Du das Lob Deines Baters! Mit welcher Liebe das Deines Bruders! Wie groß - bit Du in der Dichtkunſt! O der erftaunlichen Fruchtbarkeit

*) Titus teiumphirte mit feinem Vater nad Beendigung bei, jüdifchen Krieges 71 nad Chr, Eenfor war er im J. 74, ſechsmal Sonſul in den J. 70, 72, 74, 75, 76, 77; Kris bun im 5. 71. Befehlöhaber ber Leibwache war früher immer einer aus bem Ritterſtande. |

*e) Während der Germaniſchen Feldzlige. | \

Erftes. Buch. 69 des Geiſtes! Auch Deinen Bruder nachzuahmen haft De Mittel gefunden. 9 Doc wie könnte einer Das alles ohne Zagen würdigen, ber felbft im Begriffe ſteht, fich dem Urs theile -Deines Geiftes, das er Überdieß noch herausfordert, zu uutermerfen ? Denn ein Anderes ift ed, wenn man feine, Echriften blog Herausgibt , ein Anderes, wenn man fie Dir namentlicy widmet. In dem erſten Falle Eönute ich fagen: warum liest Du fie, Imperator? Gie find für das gemeine Bolt, für den großen Haufen der Landlente und Handwerker und für folhe, die ſich nicht mit, tieferen Studien befaffen, gefchrieben.. Warum witffl- Du Did zum Richter auf? Als ich mir die Abfaffung diefes Werkes zur Aufgabe machte, hatte ic) Dich nicht im Auge. 6. Ich hielt Dich für viel zu groß, als daß ich glauben Zonnte, Du würdeſt Dich fo weit hera blaſſen. Ueberdieß Haben auch die Schriftfteller ein gewiſſes Recht, ſich manche Richter, Öffentlich zu verbitten. Selbſt M. Zullins, deſſen Genie doch über allen Tadel ers haben iſt, bediente ſich dieſes Rechts, und führt fogar, Was gewiß wunderbar ik, feine Bertheidigung durch. einen Anwalt: | Nicht Perſius, von Allen den gelehrteſten, Den Junius Longus wuͤnſch' ich mir zum Leſer nur. )

), Domitian, ber Bruder des, Titus, hatte ben jüdiſchen Krieg in’ einem größeren Gebichte befungen, welches, von den Zeitgenoffen fehr gepriefen, von fpäteren Sarififielieen als ein ſchlechtes Machwerk geſchildert wird.

*”, Zwei Verſe and den nicht mehr vorhandenen Satyren des Luecilius.

60 | | C. Plinius Meturgeſchichte |

Wenn num Encitius, der zuerſt die fatprifche Schreibart ver: ſuchte, Dieß fagen, und Cicero fogar in feiner Schrift über den Staat *) ihm Dieß entlchnen zu müflen glaubte, können wir und dann nicht mit weit größerem Rechte weigern, Dieſen oder Tenen als Richter anzuerkennen?" 7. Ich habe mir aber ſelbſt diefe Ausflucht. dadurch unmöglich ges

macht, daß id) Die mein Wert widmete: denn es ift ein-

großer Uinrerfchied, ob man fidy feinen Richter durch's Loos beftimmen läßt, oder db man ihn ſich ſelbſt wählt; und die

Bewirthung eines geladenen Gaſtes iſt eine ganz andere,

als die eines zufällig eingefroffenen. Als bei Eato, diefem Feind alter Beftehhung, der fich eben fo fehr freute, wenn ihm Ehrenftellen abgefchlagen wurden, ald wenn er folche erhielt, die Sandidaten während bed Sturms der Volksver⸗ ſammlungen Geld niederlegten, **) erklärten fle ,- daß Dieß zue Beurkundung ihrer Unſchuld, die fle für die höchſte Zugend im Leben hielten, gefchehe. 8. Dieß gab aud) Ver⸗ anlaffung zu M. Eicero’s edlem Ausruf: „o du glücklicher M. Porcius, von dem Niemand efwas Ungerechtes zu ver: langen wagt!“ "*) Us L. Scipio Aftaticus an die Volks⸗ tribunen appellivte, T) unter weichen fib auch Gracchus befand, wollte er dadurch zeigen, daß ev auch vor einem

feindlich gefinnten Richter gerechtfertigt werden könne.

*) In den bis jetzt aufgefundenen Fragmenten dieſes Werkes findet fih bie Stelle des Lucilius nicht.

**) gl. Cicero Epist. ad Qnint, frat, II, 414. x >39, Diefe Phrafe findet ſich nicht in den borhandenen Schriften Cicero's

+) Kivins Kxxvum, 58 60. Balerins Marimus IV, 1.

'

)

Erſtes Buch. | 61 |

Jeder macht alfo Den zum höchſten Ridkter‘in feiner Sache, welchen er wählt, und man wennt mit Recht eine ſolche Wahl eine Herausforderung (provocatio).

Daß Du auf dem höchſten Gipfel des menfclichen Glückes ſtehſt; daß Du mit ber glänzendften Beredfamteit, mit der größten Belchrfamteit begabt bift; daß felbft Die, weihe Dir nur ihre Aufwartung machen, fih! Dir mit der größten Ehrfurcht nahen, weiß ‚ich recht wohl, und ges tabe deßwegen muß man vor allem Andern mit der ängſt⸗ lichſten Sorgfalt darauf bebacht fen, daß Das, was man Dir widmet, auch Deiner würdig fey. 9. Uber auch zu ben Göttern flehen die Landleute und viele Völker mit Milchſpenden, und Wer Leinen. Weihrauh hat, opfert Salztuchen: und doch hat man ed noch Feinem Menfchen zum Verbrechen angerechnet, daß er die Götter gerade fo viel verehrte, als in feinen Kräften ftand. Meine Kühnheit muß freilich um fo mehr auffallen., als ic Dir gerade diefe Bücher, deren Ausarbeitung Leinen großen Schwierigkeiten unterlag , widmete; denn fie erfordern weder Genie, Was id) übrigens auch nur in fehr mäßigem Grade befike, noch geftatten fie Abfchweifungen,, oder Neden und Gefprädhe, oder die Erzählung wunderbarer Vorfälle und mannigfalti⸗ ger Begebenheiten, nody überhaupt ſolche Genenflände, die ih ſchön barflellen und angenehm leſen Tafien. 10. Ein trockener Stoff, die Natur der Dinge, d. 5. Alles, was sum Leben gehört, wirb adgehanbelt, und zwar ‚von ber unfcheinbarften Geite, wobei die meiften Gegenflände. nur mit gemeinen, oder fremden und oft fogar barbarifchen Ausdrüden, die jedesmal einer Entſchuldigung bedürfen, '

64

2 €. Plinius Naturgeſchichte.

"bezeichnet werden können. Außerdem ift der von mir ge- wählte. Weg weder von vielen Schriftftellern betreten, noch kann Überhaupt der Geift angelockt werden, auf ihm zu wandeln. Bei uns gibt es Niemand, der fih in “diefem Sache verfucht, bei den Griechen Niemand, der es allein in feinem ganzen Umfange behandelt hätte. Wir gehen größtentheild nur unterhattenden Studien nad, und wenn wir hören, daß Andere einen ſchwierigen Etoff mit unges meinem Scharfiinn bearbeitet haben, fo laffen wir ihn ge: rade feiner Dunkelheit wegen unbeachtet. 11. Es mußte hier Alles berührt werden, Was die Griehen „Encyclos pädie“ nennen, und von Dem Vieles noch völlig unbekaunt, oder durch allerlei Ausſchmückungen entſtellt, Anderes aber ſchon ſo vielfach erörtert iſt, daß es Ekel erregen muß. Es iſt freilich eine ſchwierige Sache, dem Alten ten Reiz der Neuheit, dem Neuen Anſehen, dem Unſcheinbaren Glanz, dem Dunkeln Licht, dem Verachteten Gnade, dem Zweifel: haften Glauben zu verfchaffen, und überhaupt Alles natur gemäß und die Natur nach ihrem ganzen Umfange darzu⸗ ſtellen. Grreiht man aber auch diefes Biel nicht, fo ift doch das Streben darnadı ſchon ſchön und ehrenvoll genug. oe 12. Wenigftens ich hege die Ueberzeugung,. daß Dies jenigen eine befondere Berüdfichtigung bei ihren Studien verdienen, welche nach Ueberwindung aller Schwierigkeiten mehr den Nutzen, den fie fliften koͤnnen, als die Eitelkeit der Gefallfuht im Auge haben. Ich felbft Habe Dieß in anderen Werken *) gethan, und kann meine Verwunderung

Piinins meint bier vieleicht fein Bud über das Speer⸗

Erſtes Bud. = 63

nicht bergen, dab T. Living, diefer hochberühmt e Schrift⸗ ſteller, ein Buch *) feiner Geſchichte, welche mit dem Urs ſorung der Stadt [Rom] beginnt, mit den Worten anfängt: „er habe ſich bereite Ruhm genug erworben, und könnte jegt aufhören, wenn nicht fein unruhiger Geiſt fi 'an dem Werte weidete.“ Denn wahtlid es geziemte ſich, zum Ruhme des ‚meltdefiegenden Volkes und des Römifchen Nas mens, nicht. aber zu feinem eigenen, das Werk zu fchreiben; und ein weit größeres Verdienft ift es, aus Liebe mm Werte feibft und nicht der Gemüthsergösung wegen, bei feinem Vorhaben zu beharren, und es des Rönifchen Volkes, nicht aber feiner felbft wegen auszuführen.

13. Smwanzigtaufend merkwürdige Gegenftände (web: bald auch, wie Domitins Pifo **) ſagt, dieſe Bücher eher Shastammern heißen follten) habe ih aus ungefähr zweitaufend von mir gelefenen Bänden. von denen bis jest nur wenige ihres fchwerverfländlichen Inhaltes wegen in die Hände der Gelehrten kamen, und aus hundert auserlefenen Schrift: ftellern in feheunddreißig Büchern zuſammengefaßt, und eine Menge Sachen, die meine Vorgänger entweder nicht wußten, oder erſt das ſpätere Leben erfand, hinzugefügt. 44. Wir aweifeln jedoch keinesweges, daß auch uns noch Vieles ek

werfen ber Reiterei, und fein Were über die unbeſtimm⸗ ten Redensarten. S. die Einleitung. *) Welches wir nicht mehr befigen. | **, Diefer Domitius Pifo if eine unbekannte Perfon; er fheint ein Freund des Plinius gewefen zu ſeyn, und ihm mundlich dieſes Eompliment gemacht zu haben,

64 C. Plinius Naturgeſchichte.

gangen ſeyn mag; wir find ja Menſchen, und haben unſere Amtspflichten zu erfüllen. Nur in unſeren Freiſtunden, das

heißt bei Nacht, beſchäftigen wir uns mit dieſen Dingen, und

Ihr dürft nicht glauben, daß dadurch die Euch gebührende

Arbeitszeit verkürzt werte. Den Tag verwenden wir für

Euch; mit dem Schlaf Fargen wir fo viel, ald ed die Ges

fundheit erlaubt, und find ſchon ganz allein damit zufrieden,

daß wir gerade jo viele Stunden, als wir und auf dieſe

Weiſe, wie M. Varro fagt, amü ſiren, länger leben: denn

doch nur das Wachen iſt Leben.

15. Da ich nun aus dieſen Urſachen und dieſer Schwie⸗ rigkeiten wegen Nichts zu verſprechen wage, ſo muß mir- Deine Erlaubniß, an Dich fchreiben zu dürfen, aus der Noth helfen: Dieß ift meine ganze Hoffnung, Dieß Die Empfehlung des Werkes. *) Vieles fcheint ja nur deßhalb von ſehr hohem Werth, weil es in Tempeln ald Weihge⸗ ſchenk aufgehängt iſt. Uebrigens haben wir Euch Alle, den Bater, Dich und den Bruder in einem geziemend ausgearbei⸗ teten Werk, in dr Geſchichte unſerer Zeit,“) welche da beginnt, wo Aufidius Baſſus aufhört, verherrlicht. Du

fragſt, wo fie ſey? Sie iſt längſt vollendet, und erwartet von der Zeit ihre Beſtätigung. Auch habe ich den feſten Vorſatz gefaßt, ihre Herausgabe meinem Erben zu über: laſſen, damit man nicht glauben möge, ich habe bei meinem Leben etwas aus Ehrſucht gethan. 16. Ich bin alſo eben

) Nach ber Lesart: haec fidueia operis est, haec indicatura, *) ©, die Einleitung,

Erftes Bu. _ 65

fo wenig Denen, welche Mch jebt des größten Anfſehens er: feenen, neidifh, Als ben Nachkommen, werde zuverfäffig mit uns gerade fo wetteifern werben, wie wir ed mit ihnen gethan Haben.

Einen Beweis tiefer meiner Laute magſt Du auch da⸗ rin finden, daß ich biefen Büchern die Namen der [benägten] Shriftfteller vorgefeht habe. EB iſt nämlich nad) meiner. Uederzeugung ‚billig, und verräth eine edle Befcheidenbeit, wenn man eingeſteht, Was man Jedem zu verbanten hat, und nicht handelt, wie fehr viele von denen , welche ich bes nügte, gefhan haben, 17. Denn Du mußt willen, daß ich bei der Bergleichung der Schriftfieller gefunden habe, daß gerade die neuften and als die zuverläffigiten Bekannten die alten wörtlich ausgeſchrieben, aber nicht genannt haben: nicht, wie Birgilius, in der lobenswerthen Abficht, mis ihmen zu wetteifern; nicht mit jener Einfalt Cicero's, wel⸗ cher in den Büchern von dem Staate befennt, daß er dem Plato nadyfirebe, und der in der. Tröflung über den Tod feiner Tochter fagt: „ich folge dem Erantor,“ und: „ich folge dem Pandtind,* in feinem Wert über die Pflichten, welches man doch, wie Du zugeftehen wirft, nicht nur täglich in den Händen haben, fondern auswendig kennen ſoll. 18. Es vereäth wahrlich eine gemeine Geſinnung und einen armſe⸗ tigen Geift, lieber auf einem Diebſtahl ertappt fepn zu wollen, als das Geborgte zurückzuerſtatten, befondere wenn man fi durch die Nupnießung ein Kapital erworben hat. *)

*), Wenn man aus ben entliehenen Stellen ein eigenes Wert jufammengefegt, und fih baburch Ruhm. ertvorbem hat. 6

€, Plinins Nalurgefch, 18 Bochn.

66 C. Plinius Naturgefhichte,

Im Erfinden der Titel haben die Griechen ein wunder: bares Geſchick. Dieſer nennt fein Buch Kuplor, was ſo viel heißen ſoll als „Honigſeim;“ Jener Kioas "Analdsias (Horn der Amalthea), was „Büllhorn“ bedeutet: fo daß man faft glauben follte, man könne aus einem: ſolchen Buch einen Schluck Hühnermilch *) thun. Andere wählen die Benens nungen Movoa, (Mufen); Hoandexeo, (Inbegriff aller Wiſſen⸗ ſchaft); Eyzsspidsor.. (GHandbüchlein); Acunv (Wieſe)3 Hhyaxidıov (Gemälde) Titel, um deren willen man einen Termin’ verfäumen könnte! 49. Kommft Du aber zu dem Inhalte ſelbſt, o ihr Götter und Göttinnen, - wie

ſo gar Nichts findet Du da! Die Unfrigen nannten ſchlicht

+‘

und einfältia ihre Bücher „Alterthümer“, „Beifpielfamm: kungen“, „Künfte”, und die recht wisig feyn wollten, „Lichtarbeiten“ , gerade wie Jener Säufer. hieß und aud) einer war. ») Varro wählte noch ſpaßhafter für feine Sa- tyren die Ueberfchriften „Anderthalbulyſſes“ und „Wetter⸗ fahnen“. ***) Bei den Griechen ließ zuerſt Diodorus von

En Romilche Sprichwort für eine wunderſam ſeltene ache.

er, Pliniud will fagen: die Benennung „Richtarbeiten‘ (Lucu⸗

brationen) ift ganz paſſend, weil die meiften Bücher bet

Sicht gemacht. werden, gerade wie jener Bibaculud (Säufer),

«m NRömifher Dichter aus dem Iegten Jahrhundert vor Chr., nicht nur fo hieß, fondern audy ein Säufer war.

*r, Anderthalbulgfies” (Sesculixes), fo viel als ein abgefeirhter

| Betrüger, trompeur et demi, „Wetterſahnen“ (Flexibula).

infonfequente Schurken, Girouettes. Die ganze Stelle ift

übrigens in allen Handſchriften fo verborben, baß jede

Ueberfegung verzeihlich iſt.

.

20 Erftes Bud) | 67 dieſen Poſſen ab, und überſchrieb feine Geſchichte „Bibliothek“. 20. Freilich behauptete noch fpäter der Grammatiker Apion (Derfelbe, welchen der Kaiſer Tiberius die Welteymbel nannte, der aber bei weitem eher die Lärmtrommel des öffentlichen Gerlichtes heißen könnte) in feinen Büchern, er verewige Denjenigen, dem er eines widme. Mich gerent es gar nicht, "Beinen preunkoplleren Zitel erdacht zu haben. Damit es aber nicht feinen möge, als tadfe ich die Grie⸗ chen in Allem, ſo wünſche ich recht ſehr, daß man mich nach jenen großen Meiſtern in der Malerei und Bildhauer⸗ kunſt beurtheilen wolle, welche, wie Du in dieſen Büchern finden wirft, ihren vollendeten Werken, und ſogar jenen, weiche wir jest nod) nicht genug bewundern können, ſtets eine unbeſtimmte Ueberfährirt gaben, wie „Apelles arbeitete daran“, oder „Polycletus arbeitete Daran“, ald wenn das Kunftwerk zwar immer in der Arbeit, aber noch nich fertig wäre, wodurch dem Künftler gegen. den Tadel jeder Kritif ftetd ein Ausweg zu der Entfchuldigung blieb: er würde, Was man daran auszuſetzen hätte, noch verbeflert haben, wenn er nicht ldurch den Zod] unterbrochen ‘worden wäre. 21. Es iſt gewiß ein Zeichen der größten Befcheidenheit, _ daß fle jedes ihrer Werke als das neuefte ausgaben, und den Glauben unterhalten wollten, als feyen fie an der Bollen: dung eines jeden durch das Schickſal gehindert worden. Drei Kunftwerke nur, und, wie ic) glaube, durchaus nicht mehr, follen die beftimmte Lleberfchrift führen: „RN. N. hat es gemacht“ ; id) werde an ben geeigneten Stellen *) von

*) Vielleicht XXXV, 10,39, \ n 5%

,

68 C. Plinius Naturgeſchichte. - ihnen ſprechen. Jedenfalls geht daraus hervor, daß dieſe

Küuftler von der WVortrefflichkeit ihrer Werke volllommen überzeugt waren, weßhalb fle daun auch vielfach angefeindet | wurden, ' Ä 22. Jh gebe recht gerne zu, daß nicht nur dieſe Bücher,

fondern alle andern, die ih herausgab, mancher Bufäpe fähig - find. Ich geftebe Diefes um ſo lieber ein, um mich im Vor⸗ übergehengegen jene Homersgeißeln *) ſicher zu ſtellen; denn ich höre, daß die Stoiker und Dialektiter, fo wie andy die Epicureer (wie man von den Grammatikern ohnehin nichts Anderes erwarten Fonnte) mit einer Widerlegung der Bücher, die ich über die Grammatik heransgad , »H ſchwanger gehen, und fchon zehn Fahre ‚lang fortwährend in Geburtsnöthen And, da doch fogar die Elephanten *°%) fehneller - gebären, 35. Freilich if mir nicht unbelannt, daß gegen Theos shraftud ,. einen Mann, der in der Beredfamkeit groß war, daß er ſich dadurch den Namen des Göttlichen erwarb, fogar ein Weib +) ſchried, und daß daher das Sprichwort entſtand: „man möchte ſich einen Baum. zum Hängen für chen.“ Ich Bann mich nicht enthalten, einige ‚hierher gehörige Worte des Eenford Eato anzuführen, um dadurch zu zeigen, wie ſogar Cato (der unter [Scipio] Africanus, ja Tetbft unter Hannibal das Kriegshandwert erlernte, und nicht

*) Ungerechte und grobe Recenſenten. "*) Ueber unbeſtimmte Rebensarten (dubii sermones), 6% Einleitung. »eo) S. B. VII, 8. 10. / + Die Buhlerin Leontium. Cicero às nat, Deor. L 40.

Erftes Bud. 69

einmal den Africanus als Meifter anerkennen wollte, dem ſelbſt als Feldherr die Ehre des Zrinmphe zuerkannt wurde), als er fein Werk Über die Kriegstunft herausgab, fhnell« fertige Anfeinder fand, die dur den Zabel eines ihnen fremden Willens Ruhm zu erhafchen dachten. 24. Was fagt er aber in dem erwähnten Buche? „Ich weiß mohl, daß gegen diefe Schrift, wenn fle herausgegeben iſt, Biele auftreten und fie begeifern werden, hauptſaächlich aber ſolche, die jedes Inahren Lobes baar find. Die Reden diefer Leute laffe ich verhallen.“ Auch Plancus eriwieherte, ald man ihm hinterbrachte, Aflnius Pollio *) wolle Reden gegen ihn ausarbeiten,, die aber von ihm oder von feinen Kindern erſt nach dem Tode des Plaucus Herausgegeben werben folten, damit er nit antworten könne, wicht ohne Wiss „mit den Todten kämpfen nur Geſpenſter.“ Durch weldye Bemerkung er fhon im Voraus jene Reden fo auf wiberlegte, daß fle von den Gelehrten als ein unverſchämtes Machwerk betradıfet wurden.

25. Nachdem ich mid num auch gegen bie Geiferer (die Cato mit einem aus „Vitium“ [Zehler] und „Litiga⸗ tor“ LZanker] zufammengefegten Worte „Bitiligatoren nennt und Was wollen fie deun auch anders, als zanken oder Zank fuchen?) fiher geſtellt, fo will ich das Wenige, Was id) nocd zu fagen babe, vorbringen. Da ich Deine Zeit der Arbeiten für das allgemeine Wohl wegen fchonen , mußte, fo habe ich ein Verzeichniß ») alles Defien, Was

?) Ueber Afınius Pollio und Eato vgl, bie Bemerkungen

vor bem erften Buch. . Su der Ueberfegung wurde dieſes Inhaltsverzeichniß (Buch I),

70 C. Plinius Naturgeſchichte.

in den einzelnen Buͤchern enthalten iſt, dieſem Briefe bei⸗ gefügt, und mit der größten Sorgfalt dahin getrachtet, daß Du fie nicht zu leſen brauchſt. 26. Auf dieſe Weile er⸗ wächst audy durch Dich Andern der Vortheil, daß fie diefes Werk nicht ganz durchzuleſen brauchen; fondern Jeder, der Etwas zu wiffen wünſcht, darf nur in dem Regiſter nach⸗ ſchlagen, und wird fogleich fehen, an welder Stelle das Berlängte zu finden if. In unferer Literatur that das Naͤmliche Valerins Soranus in ſeinen Büchern, welche er „Epoptiden“ (Geheimniſſe) betitelte. Lebe wohl!

das den jegigen Anforderungen an ein ſolches durchaus nicht

. entfpricht, getheilt, und jedem folgenden Buche das betreffende Stüd, mit Eurzen Bemerkungen Über bie barin angeführten Schriftfielfer , vorangeſchickt. Vollſtaͤndige Regiſter follen am Ende bed Werkes beigefügt werben.

».

' s

Zweites Bud.

Von der Welt und den Elementen.

Inhalt.

Kay. I, Ob die Welt endlich „und ob nur eine Welt fey.

1, Bon ihrer Geftalt. III, Bon ihrer Bewegung Warum ſie „Mundus“ genannt werde. IV. Von den Elementen und Planeten. V. Bon der. Gottheit. VI. Von der "Natur der Geftirne [und von dem Lauf der Planeten]. VIL Bon den Mond: und Sonpenfinfternifien. VII Won ber Größe der Sefirne.. IX, Was Diefer und Iener bei ber Beobachtung des Himmels entdeckte. X. In welchen Zwiſchenraͤumen bie Sonnens und Mondfinſterniſſe ſich wiederholen. XI. Von dem Laufe des Mondes. XI, Der Lauf der Planeten; allgemeine Geſetze ihres Sichted. XIII. Warum bieſelben Planeten bald entfernter, und bald näher fcheinen. XIV. Woher. die Verſchiedenheit ihrer Bewe⸗ gung rühre. XV, Allgemeine Geſetze der Planeten. XVI. Durch welche Urfache bie Veränderung ihrer: Sarbe Hewirkt - wird, XV, Der Lauf der Sonne und bie Urfache der Lingleichheit der Tage. XVIII. Warum man dem Jupiter die Blide zu⸗ ſchreibt. XIX. Der Abſtand der Gefttene von der Erde, XX. Mur fitalifhe® von den Geftirnen. XXI. Geometrifched von ber Welt. XII. Bon den plöglich erfcheinenden Sternen ober Kometen. XXI. Won ihrer Eigenfchaft, dem Orte ihres rfcheinens und ihren verfchiebenen Arten, XXIV. SHipvard’3 Anſicht von den Sternen: XXV. Wunderbare Erſcheinungen am Himmel, nebſt Beifpielen aus ber: Gefchichte, Fackeln, Leuchten,

72 C. Plinius Naturgeſchichte.

Geſchoſſe. XXVI. BSalken am Himmel; Oeffnung bed Himmels. XXVII. Von den Farben des Himmels und dem himmliſchen Feuer. XXVIII. Von Kränzen am Himmel. XXIX. Von piöglich entſtehenden Kreiſen. XXX. Längere Sonnenfinſter⸗ niſſe. XXXI. Mehrere Sonnen. XXXII. Mehrere Monde. XXXIII. Tageolicht bei Nacht. AXXIV. Brennende Schilde, XXXV. Eine einmal gefehene wunderbare Erſcheinung am Himmel, ° XXXVIL Von den Fortſchießen ber Sterne. XXXVU, Boy den Sternen, hie fih auf der Erbe und auf dem Meere zeigen. XXXVIN. Won der Luft, und warum es Steine regne. XXXIX, Von ben beſtimmten Urfachen der Witterung. XL, Bon dem Aufgange bes Hundéſterns. XL. Bon den -befimmten Einfluß der Sahreözeitn. XLII. Bon den u unbeſtimmten Zeiten «intverfenben Gewittern und Wegen. LIII. Vom Donue und Bis. ZLIV. Bom Usrfpruug ’ker Binde XLV. Werfhisdege Bemerkungen Über - bie Winde, KLVf, Arten der Winde. ALVU. Elm weiche Seit bie vers ſchie denan Winde gehen.) XLVXII. Gigenſchaften ber Winde, XLIX. Der Eenephias und ber Tyahen. Eu Drebmwinte, glühente Drehminde, Wirbel. und audere wunderbare Arten von Stürmen. Li. Bon ben Blien. In welchen Rändern man keine bemarkt, unb merum. Lil. Arten der "Bine und wanderbare Eigen⸗ fihaften derſelhen. LIE Hatrustiſche und Römische Anfichten ner die Blige. LIV. Men dem Herabtecken ber Blüte LV. Wiigemeinns vom den Bien LVL Weihe Gegemitinde Nie vom Blitze geiueffen werten. LIVE. Daß es fen

Mi, Blut, Fleiſch, Gifen, Wolle und Ziegelſteine geragmet

babe. LVIII. Waffengeräuch und Trompetengeſchmetter nom Himmel hereb anhört. LIX. Mon den vom Himmel herab⸗ fallenden Steinen. Worautreentändigung. berfelten buch Auaxa⸗ onsad. LA, Der Regenhogen. LXI. BVeſchaffenbeit des Hagels, des Schnees, bei Reit, dad Wiebeld, des Thaus uud der Wolfen. LXU. Befoubere Eigentholunlichteiten des Himmols an vers fihiskeuen Orten. LXIII. Beſchaſſenbeit hen Erde. LXIV. Ben mer Gafealt. LXV. Dh si Gegenfaͤßler gabe. LXVI. Mie and Maffer wit. ber Erhe vorbugben iſt. LXVAII. Ob der Dunn

a l

Zweites Buch. 73

die Welt umgebe. LXVIII. Wie viel von ter Erbe bewohnt wird. LXIX. --Dap bie Erbe her Mittelpunkt ber: Welt fen, LXX. Bon der Schieſe der Zonen. LXXL Bon der Uns gleichheit der Elimate LXAIL. Mo men bie „Sinfterwirfe wit fehe, und warum man fie nicht ſehe. LXXIII. Ben ber vers ſchiedenen Dauer bes Tags auf ber Erbe LXXIV. Geome⸗ trifhe Bemerkungen ber denſelben Gegenſtand. LXXV. Wo und wann es Feine Schatten gebe. LXXVI. Wo zweimal bes Jahres die Schatten auf bie entgegengejeigte . Seite fallen. LXXVI, Wo die Tage am Iängfien, und wo ſie am Elirzeften find, LXXVIII. Won ber erfien Stundenuhr. LXXIX. Wie man anf verfchiebene Weife dei Tag berechne. LXXX. Ber: fchiedenheit der Volker nach 'ben Himmelöftrichen. LXXXI Bon den Erbbeben. LXXXII. Bon den Erdriſſen. LXXXIII. Bor: _ zeichen eines nahen Erbbebens. LXXXIV. Schutzmittel gegen bevorſtehende Erdbeben. LXXXV. Erdwunder, die nur ein mal vorkamen. LXXXVI. Wunderbare Umfiänbe, welche manche Erdbeben begleiteten. LXXXVU. An welchen Stellen has Meer zurfdigetteten is, - XXXVIII. Auf. weiche Weife neue Juſeln entfieben. LXXXIX. Wo und wann foiche Infeln ents Banden find. XC. Weihe Länder das Meer voneinander ges rifen bat. XCH Welche Infeln mit dem feften Land verbunben wurden. XCII. Welche Länder ganz in Meer verwanbelt wurden. XCII. Welche Länder ſich felbft verflungen baten. XCIV. Stäbte, die had Meer verfchlungen bat: XCV. Bon den Luftlöchern der Erde. XCVI.. Bon Läntern, welche immer zittern, und von- ſchwimmenden Sufein. XCVII. Stellen, "auf welche kein Regen fällt. XCVIII. Allerlei wunderbare Naturericheinungen in verfchiebenen Ländern, XCIX. Auf weiche Meiſe die Meeres; nuthen fleigen und fallen. C. Orte, wo bie Fluth Feiner ſeſten Regel folgt.. CL, Wunderbare Cigeufchaften bes Meered, Cll. Wels hm Einfluß der Mond auf bie Sands und Geeergeuguifle habe, CUL Wehen Einfluß bie Soune äußere. CIV. Urfache bed Salzgeaſchmackes des Meeres. CV, Wo es am tiefiten if. CVI. Vunderbare Cigeuſchaften der Quellen und Fluſſe. CVII. Wun⸗ derbare Eigenſchaſten des Feuers in Verbindung mit ben Waſſer.

\

7h - €. Plinius Naturgeſchichte.

CVIII. Bon der Maltha. CIX. Bon der Naphtha. CX. Weilche Orte immer brennen, CAT, Wunderbare Eigenſchaften bes ZFeuers für fih allein. CXII. Mapbeftimmung ber ganzen Erde nach ihrer Länge und Breite. CXIII. Bergleichenbe Verechnung der Größe ber Welt.

Summe ber in diefem Bude enthaltenen Gegenftände , Ge⸗ ſchichten und Bemerkungen: 41T. )

‚Quellen

Nöõmiſchee. M. Warro, Sulpicing Gallus, der Smperator Titus Chfar, D, Tubero, Tullius Tiro, 8. Piſo, T. Living, Cornelius Nepos, Statius Sebofus, Cälius Antipater, Tabia- nus, Antias, Mucianus, Kächna, ber Über die Hetrusfifche Disciplin fchrieb, Tarquitius, welcher Über denfelben Gegenftand fhrieb, Julius Aquila, der ebenfalld biefen Stoff behandelte, Sergius Paulus,

Fremde. Plato, Hipparchus, Timaͤus, Soſigenes, Peto⸗ ſiris, Necepſus, die Pythagoreer, Poſidonius, Anaximander, Epigenes ber Gnomoniker, Euclides, Ebranus der Philoſoph, Eudoxus, Democritus, Gritodemuß , Thraſyllus, Serapion, - Disdarhud, Archimedes, Oneficritus, Gratofihenes, Pytheas, . Herobötug, Nriftoteles, Cteſias, Artemidorus von Eyheſus, Iſido⸗ rus von Charax, Theopompus.

2

Kurze Bemerkungen über dieſe Quellen.*) Acten (acta populi), eine Art Zeitungen, welche unter Zuftud Cäſar aufkamen. Sie enthielten die merkwürdigſten

2) Nur was zur Erläuterung bed erfien unb zweiten Buches nöthig ift, fol hier von dem Leben und den Schriften ber angeführten Autoren beigebracht werben. Derſelbe Grund⸗ fag wird bei ben Einleitungen zu ben folgenden Büchern fefigehatten. Die Griechiſchen Schriftſteller ſind mit einem Sternchen bezeichnet.

Zweites Bud). 75-

Staatsfahen und ungewöhnlichen Ereigniſſe der Natur (c. 57. $. 2.) und des Lebens in jedem Jahr, und wurden in den öffentlichen Bibliotheken aufbewahrt.

* Anarimanber von Milet, ein Schüler des Tha⸗ les, lebte im ſechsſten Jahrhundert vor Ehr., und war ein eben fo großer Philoſoph als Mathematiker. Er beobachtete zuerſt die Schiefe des Thierkreiſes (c. 6. $. 3.), und foll den Lacedämoniern ein Erdbeben, welches faſt ihre ganze Stadt zerſtoͤrte, vorhergeſagt haben (c. 81. $. 1.).

Annalen (Annales Pontiicum, Annales Maximi). was ren von den Prieftern geführte Bücher über die Häuptereig- niffe jedes Jahres, aus welchen die ſpäteren Hiſtoriker ihren Stoff fchöpften. Die Stelle, bei welcher ſich Plinius auf fie bezieht (c. 54.5. 1.), beweist, daB auch merkwürdige Naturereigniffe darin aufgezeichnet wurden.

Antias (O. Balerius). 6. Valerius.

Antipater (L. Cöolius), ein Römiſcher Hiſtoriker und Zeitgenoſſe dev Gracchen, wurde beſonders wegen feiner un, parteiifchen und ‚gutgefchriebenen Gedichte der Puniſchen Kriege , die nicht auf unfere Zeit gekommen ift, geihäpt.

Living benütte diefes Werk fleißig, und Plinius (c. 67.

$. 4.) fchöpfte aus ihm die merkwürdige Nacricht, daß fhon im zweiten Jahrhundert vor Ehr. Schiffer von Spa⸗ nien aus um Afrifa nad Aethiopien gefegelt feyen.

* Apion, ein Aegypter und berühmter Schrift⸗ fteller aus der Zeit des Kaifers Tiberius, von deſſen zahl reihen Werben wir Beined mehr befigen. Mit einer bedeu⸗ tenden Belehrfamkeit verband er einen nicht geringen Grad

-

6 ‘g, Plinius Raturgefhichte.

von Prahlerei, die ihm häufig den Spott ber Zeitgenoffen und der Nachwelt zuzog (I.-$. 20.).

Aquila (Julius), wabrſcheinlich ein Hetrusker, von dem wir nur durch Plinius wiſſen, daß er ut die Hetruskiſche Disciplin ſchrieb.

Archimedas aus Syrnkus, ein allbekannter Mas thematiker aus dem dritten Jahrhundert vor Chr., weicher bei der Eroberung ſeiner Vaterſtadt durch die Römer (212 vor Chr.) umkam, und von dem. wir uoch mehrere Werke beſitzen. Plinius nennt ihn nuter den non ihm im zweiten Buche benüsten Schriftſtellern, bezeichnet aber die Stellen, welche er ihm verdankt, nicht genauer. '

. " Ariioteles,. der berühmtefte Schüler des Plato und der Lehrer Alexanders des Großen, 384 vor Chr. zu Stagira geboren, hinterließ ſehr zahlreiche Schriften, von - denen die meiften. auf unfere Zeit gekommen find. Sie bilden eine der. Hauptquellen des Plinius obſchon Dieſer ſie nicht immer namentlich anführt. So benützte er die Meteorologie hei den Bemerkungen. über die Kometen (c. 22. 23, ch Meteorolog., II, 6. 7.); über den Regenbogen (c. 60. ck ‚Meteorolag. III. 2. 4 5.); über Hagel, Schuee, Duft und Thau (c. 91. cf. Meteorolog, 1;.10-42.); über die Erd beben (c. 82. 83. $. 3 84. $. 5. ef, Metæorolog. U, 8.); das Bud, „von der Welt“ bei Befchreibung der Höhlen, aus welchen gefährliche Ausbünftuugen auffleigen (c, 95. $. 3 ef, de mündo, c. 4.), und ein unbekanntes Merk bei ber Lehre von der Ebbe und Fluth cc. 101).

>" Artemidorng von Ephefus, ein Geograph ans‘ dem zweiten Jahrhundert vor Ehr., welcher die Küften des

Zweites Buch. 77

Mittelmeeres, einige Gegenden des atlantiſchen Oceans und das rothe Meer bereiste, und eine Geographie (Teuypa- gorueve) ſchrieb, von der fih nur ein magerer Auszug zum Theil erhalten hat. Plinins benüßte fle bei feiner Maßber fimmung der den Alten Bekannten Erdoberfläche (e. 13. 45. 4. 4. 6.).

Afinins Pollio (E. J, ein berühmter Redner und Hiſtoriker and der Zeit des Auguſtus, defien Werke fämmts lich vertoren find. So fehr ihn feine Seitgennffen amd and) fpätere Gchriftfteffer Toben, fo können nnd wollen ffe ihm doch nicht eine allzugroße Neigung, Andere zu tabeln, vers zeihen. Auch Plintus . 6. 24.) ſtimmt mit in dieſen Vor⸗ wurf ein.

Aufidins Baſſus, ein geſchätzter Hiſtoriker unter Augnfins und Tiberius, ſchrieb eine Geſchichte der Römiſchen Buͤrgerkriege, fo wie des Krieges in Deutſchland, welche von Plinins fortgeſeßt wurde (I. 5. 15.) ©. die Einleitung.

Anguftus, der Kaifer, hatte ih and mit Glück als Schriftſteller verſacht. Das mertwürbigfte feiner Werke, die ſammtlich verloren find, war wohl eine Geſchichte des eigenen Lebens, bis zum J. 26 our Chr. Aus biefer Wer ſchichte ift wahrſcheinlich die Stelle Über einen im $. a4 vor Ghr. fihhtbaren Kometen, weiche Plinius (ec. 23. $. 4.) woͤrtlich anführt, und eine andere (c. 5. 5. 8.), welche bes- weist, baß biefer Kaifer keineswegs von Aberglauhen frei war, genommen.

Cacina (Aulus) von Bolterra, der grundlichſte Be⸗ arbeiter der Hetruskiſchen Disciplin, deſſen Schrift „DE Etrusca disciplina* bie Röomiſchen Schriftfteller hänfig

78 €. Plinius Naturgefchichte.

benützten (Vgl. Sendea, natur. quaest. c. 39 59q.). Es ift gewiß ein großer Verluſt für die Alterthumswiſſenſchaft, daß wir keines der zahlreichen Werke über die Etruskiſche Lehre mehr beſitzen.

Cato (Marcus Porcius), der Cenſor, ein berühmter

Staatsmann, Redner und Schriftſteller (232-4147. vor E.), - von deffen zahlreichen Schriften wir nur noch das Buch

über den Landbau befigen. Sein-Werk über die Kriegstunft (de militari disciplina) rühmt Plinius (I. 6. 23—23.) fehr. Catullus Q. Valerius, von Berona, einer der bes ten Römiſchen Dichter aus dem Iepten Jahrhundert vor E.). Die Stelle, welche Plinius (I. S. 1.) aus ihm anfährt, findet fih unter den Gedichten, welche auf unfere Zeit ge« kommen und durch Ramler’ö Ueberfegung (Leipz. 1793. 8.) den Zreunden ber fchönen Literatur bekannt genug find.

Cicero (M. Tulius), der bekannte Römifche Staats⸗

mann, Redner und Philsfoph, ‚über deſſen Leben man ‘in jeder Geſchichte der Römifchen Literatur genügende Aus⸗ kunft findet. - Plinius nennt fein exrft nur zum Theil wieder aufgefundenes Werk „über den Staat“ CH $. 6. 17.), die

„Zröftung über den Tod feiner Tochter“ (I. S. 17.), von

der nur wenige Bruchflüde auf uns gekommen find, - -und die Bücher „über die Pflichten“ dA. S. 17,), welche wir noch vollſtändig beſitzen. Auch führt er (I, $. 8.) eine Stelle an, bie ſich in den jest vorhandenen Schriften Eicero’s nicht findet. . Sonderbar iſt's, daß Plinius weder in dem QAutorenvers zeihniß zu dem zweiten Bud, noch in diefem felbft Ficero nicht nennt, da er ihn doch an mehreren Stellen

Zweites Buch. 79

(c. 41. 6. 2 e..81. $. 1.) offenbar benũtzte. Bgl. abrigend Zulfius Tiro,

Cölius Lucius. S. Antipater.

Cöranus, ein Griechiſcher Philoſoph, von welchem wir nichts weiter wiffen, als daß er zur Zeit Nero's lebte (Taeit, Annal. XIV, 59.) Weiche Werke er gefchrigben, und welche Plinius, der ihn nur in dem Inhaltsverzeichniſſe Des zweiten Buche nennt, benügt habe; laßt ſich nicht er⸗ rathen.

Cornelius Nepos, ein Beitgenofl und Freund Cicero's, ſchrieb mehrere hiflorifche Werte, weldye bis auf wenige Auszüge, die unter dem Zitel: De viris. illustribus bekannt find, im Strome der Zeit untergingen. In diefen noch vorhandenen Auszügen finden ſich die von Plinius au⸗ geführten Gtellen (c. 67. $. 4.) nicht.

Critodemus, ein Afteonom aus dem vierten Jahre hundert vor Ehr., fehrieb ein aftrofogifches. Werk (amore- Mouara —RX „welches ſich handſchriftlich auf der kaiſer⸗ lichen Biblidthek zu Wien befinden ſoll. Ob Plinius dieſes oder ein anderes, oder an welchen Stellen er es benützte, läßt ſich nicht ausmitteln, da er nur in dem Inhaltsver⸗ zeichniß des zweiten Buches den Namen dieſes Schriftſtel⸗ lers nennt.

* Stefias aus Gnidus, ein berühmter Hiſtoriker aus dem vierten Jahrhundert: vor Chr., welder eine. Affprifche und eine Indiſche Geſchichte ſchrieb, die bis auf menige Bruchftüce verloren find. Seinen mit orientalifcher Phan⸗ taſie ausgeſchmückten Erzaͤhlungen und Nachrichten folgt Plinius mit ſichtbarer Vorliebe. And der Aſſyriſchen

0. €. Plinius Naturgeſchichte.

Geſchichte nahm er die Bemerkung über einen- feıterfpeienden Berg in Lycien (c. 4110. $. 4. cf. Photii bibl, eod. 73. p. 146, wo fidy die. Griechifche Stelle, die Plinius vor Aus gen hatte, erhalten bat).

+ Democritaus von Abdera (469-561: dor Ehr.), ein bderühmter Philoſoph des. Alterthums, nah deſſen Anſicht die Welt durch die Verbindung und Miſchung untheilbarer, ſich urſprünglich kreisfförmig bewegender Körperchen (fo: men) entſtand. Der Glaube an ein höheres Weſen, behauptet er , fen aus der Furcht hervorgegangen , und zwiſchen Recht nnd Unrecht gebe es von Natur Peinen Unterſchied, ſondern Dieter fen eeft durch die bärgerfichen Geſetze geſchaffen wor⸗ den. Plinius fagt (a. 5. $. 4.), er habe zwei. Götter an: „genommen, Belohnung und Strafe.

* Ditfäarhus von Meſſana, ein Schüler bes Ariſto⸗ tele, wurde im Alterthum feiner poötifchen, hiſtoriſchen und gengraphifhen Schriften wegen, die Bis auf wenige Bruchſtücke verloren find, fehr geſchaͤzt. Eines berfeiben, über die Meffung der Berge im Peloponneb Inuranererjoex zar iv Hlelonorsyou spdr), benũtzte Plinins, wie er ſelbſt angibt (c. 65. 6. 3.).

* Diodorus von Agyrion in Sicilien, ein Hiſtoriker, der zur Zeit des Julius Caſar und Auguſtus in Rom lebte, und eine allgemeine (nur zum Theil noch vorhandene) Ge: ſchichte fehrieb, welcher ex den Titel: „Hiſtoriſche Bibliothek“ eeBlsodyan, foropıxy), gab. Minius (I. S. 19.) rühmt diefen Titel als einen fehr paffenden.

- * Dionpfodorns von Welos, ein bekannter Mathemas

Her des Alterthums, der die laͤcherliche Eitelkeit hatte, feine

weites Bud). 81

Meinung über den Umfang der Erbe durch einen Betrug zu bekräftigen. Er nahm nämlich einen Brief mit in ſein Grab, der auf feine Veranlaſſung wieder gefiinden wurde, und in welchem er das Maß der Entfernung von feinem Grabe bis zum Erdmittelpunkt angab (c. 442. $. 10. 14.) |

Diseiplin (Hetrnstifhe) Die gefammiten Schriften über die Hetruskiſche Disciplin (literae Tascoram. e. 53. $. 1. Volumina. Etruscae disciplinae, c..85. $. 1.) faffen fih in folgende AUbtheilungen bringen: 1) alte Prodis gien = ımd Orakelſammlungen (libri fatales). 2) Geſaͤnge über die Disciplin. 3) Die vollſtändigere Aufzeichnung der Disciplin, als Ritualbücher, Fulgutalbücher, Harufpicien- bücher und Oſtentarien. Wer ſich näher über das Weſen der Hetruskiſchen Disciplin und den Inhalt des darüber Geſchriebenen zu unterrichten wünfcht, vgl. O. Müller, „die Etrusker“ (Brest. 1828. 8.). Bd. I &. 20—79.

* Epigenes von Rhodus, ein geachteter Aſtronom ans dem zweiten Jahrhundert vor Chr., ſoll befonders Meiſter in der Gnomonik Sonnenfäjattenfunde) gewefen ſeyn. Plinins nennt ihn im Inhaltsverzeichniß des zweiten Buchs ſchlechtweg den Gnomoniker.

⸗2Evatoſthenes von Eyrene (276-196 vor CEhr.), ein pielgenanmter ‚(Gelehrter des Alterthums, der ſich faft mit allen Sweigen des menſchlichen Wiffens, vorzüglich aber mit Geſchichte, Geographie, Aftromomie (c. 76.) Philoſophie, Grammatik und Dichtkunſt befaßte. Seine Erdbefchreibung (Teuygagıua) ,. and welcher Plinius (c. 449. 6. 8.) die Bes fimmung des Erdumfangs mittheitt, ift bis auf wenige,

e Yinint Naturgeſch. 18 Sige, . 6

2. €, Plinius Naturgeſchichte. von fpäteren Schriftſtellern. enthaltene ‚Sragmente dere

loren. Eu clides, berühmter Mathematiker aus dem drit⸗

ten ‚Jahrhundert - vor Ehr., welcher zu Alexandria die.

Mathematik lehrte, und fie in feinen Werken, von welchen, wir noch mehrere beſitzen, trefflich darftellte. Plinius neunt ihn im Inhaltsverzeichniß des zweiten Buchs, ohne uns durch nähere Andeutungen merken zu laffen, an weldyen Stellen er ihn benützte. "

* Eudorus and Knidus, ein Schüler des Plato, gleich berühmt als Geometer und ald Arzt, blühte um das Jahr 360 vor Chr. Aus feinen Schriften, die nicht auf unfere Zeit gekommen find, entlehnt Plinius (c. 48. $. 5.)

die Bemerkung, daß diefelben Winde, und überhaupt die- felbe Witterung immer nad einem beflimmten Seitraum

- wieder eintreffen. Bon Eudorus aus Cyzikus, einem berühmten Reifenden (etwa 125 Jahr vor. Ehr.), fpridht Plinius wohl (c. 67. & 4.), nennt ihn aber nicht als Shriftfteller, was er audy nicht gewefen zu ſeyn ſcheint: feine Notizen, mit welchen er die Erdkunde beveicherte, gingen jedody in Strabo's Geographie über.

Fabianus Papirins, ein zur Zeit des Kaiſers Tibe⸗ rius blühender Naturforſcher (Senec. Epist. 42. 100.), fihrieb über Boplogie (de auimalibus) und Über Naturerfcheinungen (Causarum naturalium libri).. Yus dem letzten Werk nahm Plinius wahrſcheinlich die Bemerkung, daß im. Aegupten feine Südwinde wehen (c. 46. $. 4.), und die Beilimmiung der Meerestiefe (c. 105.).

Gallus. S. Sulpicins Gallus.

Zweite Bud... . 83

* Hanno, Karkhagiiher Feldherr aus dem fechsten Jahrhundert vor Chr., machte eine Entdedungsreife an der Weſtküſte von Afrika, die er in Punifher Sprache beſchrieb (oc. 67. $. 3.). Yu der Nechtheit der noch vorhan⸗ denen jedenfalls‘ -jüngern) Griechiſchen Ueberfegung haben Biele gezweifelt.

* Herodbdtus von Halikarnaſſus (484—-408 vor Chr.), der Vater der wahren Geſchichte, aus deſſen befanntem Werke Plinius die Nachricht über einige Gegenden, die früher dad Meer bedeckte, nahm (c. 87. $. 2. dgl. Herodot. I, 10.).

°. HimilEo, ein Karthager, weldher im fecsten Jahrhundert vor Ehr. eine Entdedungsreife an den Küſten des weftlihen und nörblichen Enropa’s machte. Sein Reiſe⸗ bericht, den Plinius noch Fannte (c. 67. $. 3.), iſt nicht mehr vorhanden.

Hipparchus von Nic, der Vater der Aftronomie und der größte Aſtronom des Alterthums, lebte im zweiten Jahrhundert vor Ehr. Er beftimmite zuerft die Dauer des Sonnenzeichend auf eine mit der jebigen Annahme überein: fimmende Weiſe; den Umfang der Erde (c. 112. $. 9.); ferner fehr genau die Ercentricität der Mondbahn und das Gefen für die Beredinung ber Mond: und Sonnenfinfterniffe (c. 40. 6. 2.), umd verfaßte das erfte Sternverjeichniß (c. 24.

6. 2.), fo wie die erften afronomifchen Jahrbücher (c. -

4. 2). Die Länge eines Tages vechnete er von Mitters nadyt zu Mitternacht ( n. $. 41.), alfe nad) iegiger | Beiſe. |

6*

84 C. Plinius Naturgeſchichte.

“Homer, der Bater der Poeſie, über den wir Nichts fagen, ald daß ihn Plinins als Quelle feiner Bemerkungen über die Hochherrlichkeit der Sonne (c. 4 $. 4.) und über Das an Aegypten angeſchwemmte Land (c. 87. .$. 4.) anführt.

»Iſidorus von Charax, ein geographiſcher Schrift ſteller ans dem erſten Jahrhundert nach Chr., verfaßte eine Beſchreibung Parthiens (Mapsias zegınynrson), aus der :wir noch einen Auszug (Zraguoi TTapdıxod) beſitzen. Pli⸗ nius benüpte fie bei feiner Maßbeſtimmung der den Alten bes fannten Erdoberfläche (c. 4112. $. A. 7.).

Julius Aquila. S. Aquila.

LiceiniusCraſſus Mucianus (M.), ein berühmter Feldherr und Staatsmann aus der Zeit der Kaiſex Nero und Belpaflan, fihrieb ein geachtetes Geſchichtswerk, über deſſen Inhalt wir nichts Näheres wiſſen. Plinius nahm and ihm eine Bemerkung über die wunderbare Eigenfchaft einer Quelle auf der Infel Andrus (c, 106. $. 11.).

Livius (Titus), der bekannte Nömifhe Hiſtoriker, wurde im zweiten Buche häufig benüst, ohne daß die ent⸗ lehnten Stellen genauer bezeichtiet find, Das Buch, über deſſen Anfang er von Plinind getadelt wird d. —. 12.); ift - Richt mehr vorhanden.

Lucilins (C.), ein Römifther Saturiter aud dem ‚gweiten Jahrhundert vor Ehr., weicher beſonders feines feinen Witzes und feiner. leichten, durchgebildeten Sorache wegen ſeht gefchäpt wurde, von beffen Werten wir nur Brogmente übrig haben. Auch Plinius I. €. 6.) erhielt

ü Zweites Bud). 88

aus ein kleines Fragment, das. jedoch durch bie Nachlaßigkeit der Abſchreiber ſehr entſtellt iſt.

Mucianus. S. Licinius Craſſus Macianus.

Necepſus, ein. Aegyptiſcher König aus dem fechsten Jahrhundert nor Ehr., der mehrere Werke Über Aftronomie geſchrieben haben fol. Daß ın den ihm mit. Redyt ander mit Unrecht beigelegten Gchriften eine Berechnung des Abſtandes der Planeten enthalten war, erfahren wir durch Plinins (c. 21. $. 6.).

Nepos Bornelius. S. Cornelius Nepos.

* Dneficritus aus Aegina, Schüler des Dies

genes, von Sinope, begleitete Alexander den Großen auf

feinen Zügen, und war Steuermann des Hanptfchiffes der von Nearchus befehligten Flotte. Seine nicht mehr vors bandene Geſchichte der Feldzüge Alexanders wird als ein Wert vol Unwahrbeiten und Ungereimtheiten geſchildert, und man ficht Diefes Urtheil durch die Steffen, welche Plinius aus ihm anführt (o. 75. $. 4. 6.), ziemlich beftätigt.

. Panätins von Rhodus, ſtoiſcher Philoſoph aus

dem zweiten Jahrhundert vor Ehr., von deſſen Werken wir

feines mehr deſitzen. Den Hauptinhalt feiner Schrift „don den Pflichten“ (zug sudnxoreos) nahm Cicero in fein Werk, weldes denfeiben Titel‘ (de oficiis) führt, auf (I. $. 47. vgl. Cic. ad Autic..XVl, 11. und de.off, U, 3.).

Papiriuée Fabiatus. ©. Babianus.

Paulus Sergius, ein. Römiſcher Schriftfteller, von dem wir nichts ‚willen, als daß ihn Plinius im. zweiten Buche benüste, ‚ohne den Inhalt feiner Werke anzugeben, oder zu fagen, Was er aus ihnen genommen bat.

86 €. Plinius Naturgefchichte.

° Detofiris, Aegyptiſcher Aftronom und. Mathe: matiter aus dem fechdten Fabrhundert vor Chr., deſſen (hoͤchſt wahrſcheinlich unterfhobene) Werke ih hands ſchriftlich in der kaiſerlichen Bibliotheb zu Wien befinden ſollen. Er berechnete in einem berfelben den Abftand der Planeten von einander (c. 21. (. 5.); irrte ſich aber in ſeiner Berechnung.

Pherecydes von Scyros, Philoſoph aus dem ſechsten Jahrhundert vor Ehr. ‚ıwar einer der erſten, welche in Griechiſcher Profa fhrieben. Bon feinen Schriften find nur noch wenige Bruchflüde übrig. Plinius erzählt (c. 84. 6. 2.) von ihm, daß er aus einem Trunk friſch geſchöpften Brunnenwaflers ein Erdbeben vorausgefagt habe.

* Pindar von Thebä, einer der berühmteſten Lyriker Griehenlande (522—442 ver Chr.), von deſſen Sieges⸗ hymnen wir noch fünfundeierzig befigen. Plinius ſcherzt (ec. 9. $. 23.) über feine abesgläubiiche Furcht bei-Gomenfin- ſterniſſen.

Piſo (EC. Galpurnius) , ein rerdienter Staatsmann, der im $. 133 vor Ehr. das Conſulat bekleidete. . Seine nicht mehr vorhandenen Annalen in fieben Bitchern , von welchen Plinius das erſte anführt lc. 54. 5 4.), ſollen in reinem ſchmuckloſen Styl und etwas troden gefchrieben gewefen feyn (Cicero, Brut, c. 27. Gell, XL, 44.).

* Dlato -(430—437. vor Chr.), Schüler des Sokra⸗ tes, Gründer der Akademie, einer der berühmteſten; Philos fophenfhufen Griechenlands, lehrte. zu Athen, und fchrieb hier feine unſterblichen Werke. Plinius beradt fie häus

l

Zweites Bud. Ä 87 fig , vorzüglich den Dialog „Zimänd", ans welchem er Bes merfaungen über die Geſtalt der Welt (c. 3. $..2.), über den Mond (c. :6.*$. 15.) und Über bie untergegangene große Infel Atlantis (c. 92.) entlehnte. Sein Wert über die Republik nennt er flüdtig (I. ©. 47.), mit der Be: mertung , daß ed Cicero in feiner Schrift, die denſelden Titel führt, nachgeahmt habe.

Pollio. ©. Aſinius Pollio.

e Poſidonius von Apamea, ein geſchätzter Philoſoph

und Aſtronom aus dem letzten Jahrhundert vor Chr. Die Berechnung des Abſtandes der Planeten von einander, wel⸗

“de er in ſeinen nicht mehr vorhandenen Werken niedergelegt

hatte, war die genauefte von allen Beftimmungen, welde im, Alterthume verſucht wurden (c. 21. $. 1.). Pythagoras von Samos, Schüler des Pherecydes (ec. 81. $. 2.), einer dee beruͤhmteſten Philofophen des Al: terthums aus dem fünften Jahrhunderf vor Ehr. und der Stifter der Pothagoräifchen Schule, fol felbft keine Schrif⸗ ten hinterfaffen Haben. Seine philoſophiſchen und aftrono: miſchen Anfichten wurden von feinen Schülern (welche Pli⸗ nius in dem Jnhaltöverzeihniß unter dem Gefamminamen „Pythagoreer“ aufführt) in zahlreichen Werben ‚niedergelegt. Aus diefen nahm Plinins die Bemerkungen über die Har: monie der Sphären (c. 5. 5. 1.), Über die Eigenfchaften des

Mondes: (c. 6. 6. 7.) und ben Abſtand der Planeten vou

der Erde (c. 19. 20.).

»Pytheas von Maſſtlia, berühmter Reifender und Gengraph aus dem vierten Jahrhundert vor Eyr., foll auf feinen Reifen bis nach Thule (JIsland?) gekommen ſeyn.

v

+

ss... Plinius Naturgefchichte. Aus feinen Werken (einer Beichreibung des Ozeaus uud

einer Erdumſchiffung), die nicht mehr vorhanden ſind, nahm

Ptinius tie Nachrichten über die Länge der Nächte und

Zage (c. 77. $. 2.), und über die Ebbe und dluth im Nor⸗

den Englands (oc. 99. $., 6.).

Seboſus Statius. S. Statius.

* Serapion von Antiochia, ein nicht näher bekannter Schriftfteller, der über Geggraphie ſchrieb (Cicero ad. Attic. U,4.6) Da aud Plinius im Imhaltsverzeihniß zum zweiten Buch nur feinen Nanıen nennt, fo läßt. fih nicht errathen, Was er aus feinen Werken entnommen haben mag.

GSergius Paulus. ©. Paulus Sergius. eSoſigenes von Alexandria, ein Aſtronom unb Anhänger der Ppthagoriſchen Lehre, wurde von Julius Eäfar mit der Verbefferung des Kalenders beauftragt. Aug feinen nicht mehr vorhandenen aftronomifchen Schriften nahm

Plinius die Bemerkung über den Abſtand des Merkur von

der Sonne cc. 6. $. 10.). Statins Sebofus, ein uns nicht näher befannter Zeitgenoffe Eicero’d , der über indifhe Merkwürdigkeiten

gefchrieben haben foll. An weldyer Etelle des zweiten Buches

ihn Plinius benügte, läßt ſich nicht beſtimmen.

Steſichorus aus Himera in Sicilien, ein Griechi⸗ ſcher Lyriker, der um das Jahr 570 vor Chr. blühte, von- deffen Gedichten wir nur nody wenige Fragmente bes figen. Plinins fcherzt (c. 9. $. 2.) über feine aberglaubiſche Furcht bei Sonnenſinſterniſſen. Fr

Sulpicius Gallus (Eajus), ein: angefehener Rö⸗ mer, weldyer 473 vor Chr. die Prätur und 466 das Gonfulat

' Zweites Bud. :. 89 bekleidete, war einer der Erften, weldye die Schriften der Griechen über Aſtronomie flndirken., Sur großen. Verwun⸗ derung des Römiſchen Heeres fagte er eine Mendiinfterniß (468 vor Ehr.) vorans, und fehrieb auch ein nicht mehr vor⸗ handenes Buch über die Mondfinfterniffe, . weiches. Plinius (c. 9. $. A... c. 19. $. 2.) benüste,

Tarquitius, ein Hetruskiſcher Schriftſteller, der über Die Deutung bee himmlifſchhen Erſcheinungen ſchrieb (Masrob, Saturn. HH, 7:), und deffen Ausfprüche und Anz fihten nody zur Beit des Kaifers Julian ‚bei den Hetrugtenn ihre volfe Beltung hatten (Ammian, Marcellin. XXV, 2.).

eThales von Milet, einer der fieben Weifen, aus dem fechsten Jahrhundert vor Ehr., fammelte feine Kenntniffe in WUegppien und andern Ländern des Orients, weihe er burchreiste, und gilt als. der Vater der Griechi⸗ ſchen Philoſophie. Durch die Borherkeilimmung einer Son⸗ nenfinfterniß , weldhe am 28. Mai 585 vor Chr. eintraf (c 9, $. 1.), erregte er allgemeines Erftaunen,, da vor ihm Niemand eine foldye Vorausſagung gewagt hatte.

° Theophrafku:s von Erefus auf Lesbos (393-286 vor Ehr.), ein herünmser Philoſonh und Naturforfcher, von dem wir mehrere Werke befigen, Alle Schriftfteller des Alterthums loben feine Beredſamkeit, und Plinius fagt I. $. 23.), er ſey deßhalb „der Göttliche“ genannt. worden. Nur .die berühmte Buhlerin Leontium , eine Sreundin des Epicur, ſchrieb ein phileſophiſches Werkchen gegen ihn, deſſen Eleganz und Attifche Schreibart Cicero (de natura deor, I, 33.) rühmt.

. Theny ompus von Chios Cum 360 vor Ehr.), ein-

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' |

90 €. Plinius Naturgeichichte.

geſchätzter Hifkoriter, deſſen Schriften fämmtlid, verloren find, Aus feiner Geſchichte Griechenlauds oder aus feiner Geſchichte des Königs Philipp von Macebonien nahm Plinius die Bemerkungen über einen Gauerwafferbrunnen in Mace, donien (c. 106. $. 14. vgl. 1. XXXI. c. 43.) und über den feuerfpeienden Berg Nymphäum bei Apollonid (ec. 4110. 6. 3.).

.Thprafplius von Mende, ein phifofophifcher and aſtrologiſcher Schriftſteller, der im erften Jahrhundert nad Chr. lebte, und dem Nero bie Kaiferwürde weiffagte (Facit. Annal. VI, 23.). Ron feinen zahlreichen Werken, von wel dien Plinius nad) feiner Angabe im Anhaltsvergeichniß zum zweiten Bud) eines oder das andere denützte, iſt Leines auf unfere Seit gefommen.

Timaus, ein Pythagoreer aus dem vierten Jahr: hundert vor Ehr. und der Lehrer Plato's, fehrieb mehrere Werke über Phyſik und Mathematik, die nicht mehr vors handen find (denn an der Aechtheit dee unter feinem Na: men heransgegebenen Buchs „von der Weltſeele“ wird mit Bedyt gezweifelt), und ans denen Plinius einige Bemerkungen

‚Über den Umfang des Thierkreiſes (c. 6. F. 9.), über den Abftand des Merkur von der Sonne (c. 6. $. 10.) und über feuerfpeiende Berge (c. 89. $. 3.) nahm.

Täro. ©. Tullius Tiro.

Zitus (Kaifer), bei weidem Plinius in hoher Gunſt ſtand, war von ſeinen Zeitgenoſſen auch als Dichter geſchätzt (1. J. F. 5.). Unter feinen Gedichten, von denen keines auf unſere Zeit gekommen iſt, befand ſich eines, welches einen im J. 76 nad) en. ſichtbaren Kometen genau beſcried (E. 22. 9 2.).

% j . Zweites Bud). J 9

Tubero (D. Aelins), Neffe des Scipis Africanns, galt als einer der eiftigften Anhänger der Stoiſchen Philo⸗ fophie, und war nicht minder ald Rechtsgelehrter und Redner gefhäst (Vater, Max. VIEL, 5.). Plinius nennt ihn im: In⸗ baltöverzeichniß des zweiten Buchs unter deu benüsten Schriftſtellern, ohne ihn im Buche felbft anzuführen. Man kann alfo nicht mehr entfcheiben, Was er von ihm entlehnte.

Tullins Tiro, ein Freigelaffener des Eicero, deſſen Leben er befchrieb. Eine einzige. Stelle (c. 39. $. 3. vgl. Gellins, XUL, 9.) könnte ſich vielleicht als aus ihm genommen nachweiſen laſſen. Wahrſcheinlicher ift aber, daß TullinsTiro ein Schreibfehler.ift, ſtatt Tullius Cicero, weichen Plinius im zweiten Buch fo häufig benützt, daß bie Austaffung feines Namens in: dem Autorenverzeihniß nicht wohl .deukbar ifl. |

Balerinus Antias (O.), ein Hiftoriter von nicht

fehr gerühmter Wahrhaftigkeit aus dem lebten Jahrhundert

vor Ehr., fchrieb Annalen in wenigfiens 75 Büchern (Gel- kus, VII, 9.), welche von der Erbauung Noms bis “auf Sylla reichter, von Denen nur wenige Sragmente auf uniere Zeit gekommen find. Plinins führt eine Gtrelle aus . dem Abfchnitte an (c. 4111. $. 4.), welcher bie Geſchichte der Scipionen behandelte.

Balerius Soranus, ein Arzt und Seitgenoſſe Ci⸗ ceros, von dem wir nur durch Ptinius (I. 6. 26.) wiſſen, daß er ein Werk, welches den Titel „Epoptiden“ (Geheim⸗ niffe) führte, und wahrfcheintidy mebizinifchen Anhalts war, geihrieben Hatte,

Barrd m. Terentiut), ber ‚geiebriefe 9 Römer feiner:

92. , ° 8. Plinius Naturgeſchichte.

Zeit, 116 vor Ehr. geboren, ſtammte aus einer angeſehenen Familie und wählte zuerſt die militäriſche Laufbahn. Unter Pompejus focht ‚er genen die Geeräuber und in Spanien gegen Cäſar; fpäter z0g er fi von dem öffontlichen Les ben zurück, uud widmete fid. ausfchließend den Willen: fdyaften. Faͤſt Bein Zweig der Gelehrfamkeit biieb ihm fremd, und er foll nicht weniger als 490 Werte ges ſchrieven Haben (Gell. N, A. HI, 10.). EAfar und Auguſtus wußten. feine- Kenntniffe zu würdigen, und machten ihn vn Auffeher Öffentlicher Bibliotheken. Won feinen Gatyren, bie Plinius nennt (IL. $. 19.), haben wir nichts, von feinem Werke über die lateinische Sprache in’ 24 Büchern, and denen Plinius (c. 3. $. 5.) eine Stelle anführt, nur ſechs Bücher (4-9) übrig, in welchen fi) die angeführte Stelle findet , nicht aber eine andere, auf weiche Blinins (I. 6. 14.) hindeutet. Birgilius Maro, der betannte Fhollendichter, Di: dabliker und Epiker, wird von Plinius ih der Dedication ($. 47.) gelegentlich angeführt, und über feine Art und Weife,- die Griechen nachznahmen oder ihnen dieimehr nachzueifern, gelobt.

J. () 4. Das bie Welt ſammt Dem, was man mit einem andern Namen den Himmel, durch deſſen Ummwölbung Alles bededt wird, zu nennen beliebt hat, eine ewige, unermeßlide, nie erzeugte und unvergängs liche Gottheit fey, muß mothwendig geglanbs erden.

Zweites Bud. - . 9

Die Erforſchung des außer der Welt Liegeriden frommt die Menſchen Nichts ; auch faßt es Leine Ahnung des menſch⸗ lichen Geiftes. Gie ift heilig, ewig, unermeßlich, ganz in dem Ganzen, ja ſelbſt das Banze. *) Gie ift endlihh, und Doch ähnlich dem Unendlichen; regelmäßig in allen ihren Erſcheinungen, und doch ähnlich dem Regellofen; fie faßt Alles in ſich, das zu Tage Liegende und das inwendig Ber: borgene; **) fle iſt ein Werk der Natur der Dinge und zus gieih die Natur dee Dinge ſelbſt. 2. Wahnflın wars, wenn Manche an- eine Maßbeſtimmung der Welt dachten, oder gar eine ſolche auszuſprechen wagten, oder wenn Ans dere, entweder durch diefen Irrthum veranlaßt, oder ihn feibft verantaffend,, das Dafeyn unzählbarer Welten lehrten, fo daß man eben fo. viele Naturen der Dinge, oder, wenn auch eine Natur alle Welten in ſich fehlöße, doch eben fo viefe Sonnen, eben fo viele Monde und eben fd viele andere unermeßsiche und unzählbare Geſtirne, wie in diefer Welt, angunchmen gezwungen feyn würde; als wenn bei dem Berdangrsi nad) irgend einem Ende au der Grenze der Er⸗ kenntniß nicht fletd dieſelbe Frage wieberfehren müßte, oder

2) D 5 bie Welt in für fih ein Ganzes im ben AU, zus aber auch das Ganze (das All) ſelbſt, weil nach der Anſicht des Plinius außer ber Welt nichts if. “* Die Worte extra, intra laſſen Feine andere Erklärung zu. Denn extra kann nicht das außer ber Welt Liegende be⸗ .deuten; fonft widerſpraͤche Puͤnius der kurz vorher aufge ſtelltren Behauptung, daß außer ber Melt Nichts mehr ſey. Der Gebrauch ber angeführten Worte an einer andern ‚Stelle des Plinius (VI, 38,) in einem Shnlihen Sinn Bricht für die Richtigkeit Yer gegebenen Ueberſetung. |

% €, Plinius Naturgefhihte,

als wenn diefe Unendlichkeit, wenn man fle ber Natur, der Schöpferin alter Dinge, überhaupt beilegen könnte, richt viel feichter in diefer einen Welt, die dady ein fo unges heures Werd ift, zu begreifen wäre! 3. Wahnfinu iſt's, ja baarer Wahnfinn, fib über die Welt hinauszuwagen, und, als wäre ſchon Alles, was in ihr iſt, hinlänglich be⸗ Pannt, das außer ihr Liegende ergründen zu wollen; als wenn Jemand, der fein eigenes Maaß nicht Bennt, das - Maaß irgend einer andern Sache beſtimmen, oder als wenn der Geiſt des Menſchen Das wahrnehmen könnte, was die Weit ſelbſt nicht umfaßt.

II (m). 4. Daß: die Welt die Geſtalt einer vollſtändig Ereisförmig abgerundeten Kugel habe, lehrt Schon ihr Name - „Orbis“ (Kreis) und die allgemeine Uebereinflimmung ber Sterblichen in diefer Benennung; ſodann aber auch andere aus der Natur der Sache felbft "hergeleitete Beweiſe; und zwar geht 28 weder allein daraus hervor, weil eitte foldye , Geſtalt Ach in allen ihren Theilen gegen fich felbft neigt, ſich ſelbſt trägt, ſich ſelbſt umfchließt und ſich felbft zufam- 'menbält, ohne anderer Bindemittel zu bedürfen, oder weil an Peinem ihrer Theile ein Ende oder ein Anfang zu be merken iſt, 2. oder weit fie ſich bei diefer Beichaffenheit am ‚beften zu. der Bewegung, der fie, wie wir bald fehen wers ben, bei ihrer Umdrehung folgen muß, eignet: fondern ad der Augenfchein thut ed dar. Denu die Welt erfcheint, von jedem beliebigen Standpunkt aus gefehen„ gewölbt und zur Hälfte, Was bei einer andern Geftatt nicht der Fall ſeyn könnte.

III (m). 4. Daß fidy diefe fo geitaltete Welt in ewigem und raſtloſem Umfchwunge mit unfäglicher Schnelligkeit in

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Zweites Bud. 96

einem gZeitraume von vierundzwanzig Slunden herumdrehe, bat der Auf⸗ und Untergang der Sonne laͤngſt außer Zweifel geiest. D Daß der Schall diefer ungebeuern, in ffeter Ummälzung , forfrolienden Maffe unermeßlich fen; und beß« halb unfer Hörvermögen überfteige, möchte ich wahrlid) eben fo wenig. geradezu behaupten, als daß der - Klang. der fi) zugleid) umdrehenden. und: ihre Kreisbahnen befchreibenden Geſtirne eine entzüdende und unglaublich fanfte Harmonie fen. **) Uns, die wir mitten darin feben, eilt die Welt bei Tag wie bei Nacht fill dahin. Daß ihr unzählbare Beftalten von Thieren und allen andern Dingen eingebrüct ſeyen, und daß ſie nicht eine gleich einem Vogelei allenthalben glatte, _ ſchlũpfrige Maffe ſey, wie die berühnmterten Schriftfteller **9 behauptet haben, geht aus natürlichen Gründen hervor; denn aus den, von dort herabfallenden, meift vermifchten Samentheilen aller ‚Dinge entſtehen, befonders im Meere, unzählige abenteuerkiche Gebilde, T) 5. Außerdem beweist

*, Man muß fich bei der Kosmologie bed Plinius ftets bie Erde als in ber Mitte der Welt befinblich, und als unbe⸗ weglich vorftellen (Mor, K. IV, 6. 2.)

9), Die fogenennte Harmonie der —8 welche die Py⸗ thagoreer lehrten. Plinius ſcheint aber ihre Lehre nicht

vollkommen verſtanden zu haben. Denn biefe philoſophiſche Schule behauptete nicht, dag der Schall, welchen bie Melk bei ihrer Umbrehung hervorbringe, beiwegen ımferen Ohren unvernehmbar bleibe, weil er unermeßlich fen (ein uners meßliher Schall ift undenkbar), ſondern weil wir ihn fhon von unferer Geburt an „hören, und weil er Peine Pauſe mache. S. Aristoteles de coelo, I, 9. ‘®*%, Cicero de natura deor, II, 18. nach Plato. 7) Diefe im Alterthum oleverbagitete Auficht ſcheint aus

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96 C. Plinius Naturgeſchichte.

es der Augenſchein; denn wir ſehen hier die Geſtalt eines Wagens, dort die eined Bären, anderwärts bie eines Stieres, und wieder an einer andern Stelle die eines Buch⸗ ſtabens, *) während ſich mitten durch den Scheitelpunkt ein heller fchimmernder Kreis ”*) zieht.

(av). Auch Die Uebereinftimmung aller Völker bewegt wid, wenigftens zu diefer Unnahme Denn die Griechen nannten die Welt „Kosmos“ (Koonos), was fo viel heißt als Zierde: wir [Römer] gaben ihr wegen ihrer tadelloſen, volltommenen Schönheit den Nanıen „Mundus“ [Echmud]. Den Himmel nannten wir „Exelum“ , ohne Zweifel wegen feiner Aehnlichkeit mit getriebener Arbeit (caelartum), wie es M. Barro ***) erklärt. Die natürliche Drdnung der Dinge unterftügt ebenfalls meine Meinung, nämlidy die Eintheilung des Kreifes, welchen man Thierfreis nennt, in zwölf Thierbilder, und der feit fo vielen Yahrhunderten unverändert gebliebene Lauf der Sonne durch diefelben.

dem Oriente zu ſtammen, und mit der dort beliebten Lehre von ben Emanationen ber Gottheit zuſammenzuhängen.

*) Das Delta ober Deitoton, ein dreieckiges, nach dem Gries hifhen Buchſtaben A benanntes Sternbild zwifchen ben Füßen ber Andromeda und bein Kopfe des Widders.

**, Wahrſcheinlich iſt hier die Milchſtraße gemeint, Was von ben der Welt eingebräcdten Gebilden und den herakfallenden Samenſtoffen gefagt wird, gehört gu. ben altın Fabeln, die Feiner Wiberlegung bebfürfen. Eben fo wenig ents fprehen,, wie Plinius meint, bie Geſialten der Stern⸗ bilder ben ihnen beigelegten Namen.

—* De lingua latina ms

Zweites Bud). 20097

IV (vn). A. Daß es vier Elemente gebe, wird, wie ib fehe, von Niemand bezweifelt. Das höchſte iſt das Beuer: aus ihm beifehen jene zahliofe gleich Augen herab» leuchtende ‚Sterne. . Das nächſte ift bie Luft, welche die Griehen und wir mit demfelben Wort „Aer“ nennen. Gie iß.befebend, Alles durchdringend und mit dem All innigft verbunden; durch ihre Kraft, hält ſich die Erde mit’ dem vierten Element, dem Wafler, mitten in dem Raume im Gleichgewicht. Durch dieſe ‚wechfelfeilige Umfpaunung °) entfieht die Verbindung des Verfhiedenartigen, fo daß das Leite durch das Schwere am VBerfliegen gehindert, das Schwere Dagegen von dem fletd aufwärtsftrebenden Leichten getragen und vor.dem Ballen geſichert wird. 2. Anf diefe Weiſe bleibt durch ein gleich ſtarkes Gtreben nach verſchie⸗ denen Richtungen hin Jedes an feinem Orte, **) und wird durch Die flete Umwälzung der Welt ſelbſt zufammengehalten, Während diefe ſich nnaufhörlich um ſich felbit dreht, bes hauptet die Erde die unterfie und mittelfte Gtelle in dem Banzen. Gie. hängt ſchwebend an der Weltaxe feit, und haͤlt zugleich Das, durch deffen Kraft fie fchwebend gehalten wird, im Gleichgewicht; fie allein iſt alſo unbeweglid),

°) plinius denkt fih die vier Elemente ald vier Gphären, von denen eine bie andere umgibt und einfchließt; eine Theorie, die eben fo wenig genligt, als manche neuere.

*”, Mac) der gewöhslihen Lesart in suo, weldhe weit mehr als die Verbeſſerung vi sua ber in diefem Kapitel entwis delten Anſicht entfpricht.

5. Plinius Naturgeſch. 18 Boͤchn. 7

98 C. Plinius Naturgefchichte.

während ſich das Univerſum um fie dreht: fie wird durch

Alles gehalten, und auf fie ftünt fi wiederum Alles.

(m) -3. Swifhen ihr und dem Himmel fchweben: in derjelben Luft, durch beflimmte Zwiſchenräume von einander getrennt, fleben Geflirne, ) welche wir, ‚weil fie ſich fort beivegen , Irrſterne [Planeten] nennen, obſchon keine we- niger irren als fle. In ihrer Mitte läuft die Sonne, body herrlich an Größe und Macht, nicht nur der Jahreszeiten

und Klimate, fondern- andy ſelbſt der Geſtirne und des

Himmels Lenterin. Daß. ile das Leben oder vielmehr die Seele der ganzen Welt, daß fie die höchſte Beherrfcherin der Natur und eine Gottheit ſey, muß Jeder glauben, der

"Über ihre Wirkungen nachdentt. 4. Sie fpeudet allen '

Dingen Licht und verbannt die SZinfterniß; die - übrigen Beftiene verbirgt und erleuchtet fie; **) fie bewirkt die. res gelmäßige Abwechslung der Jahreszeiten und das nach dem Laufe der Natur ſich ſtets verjüngende Jahr; fle unterbricht - die traurige Einförmigkeit des. Himmels, und verſcheucht bie Wolfen des menfchlichen Geiſtes; Nie leiht ihr Licht ben übrigen Geſtirnen, iſt herrlich, hehr, - allfhauend und

*) Saturn, Jupiter, Mars, die Sonne, Venus, Merkur und der Mond nach der von Plinius (K. 6.) angenommenen Neihenfolge. Die evidente Wahrheit, baß die Sonne ben Mittelpunkt bilde, um welchen fich die Planeten breben, und baß bie Erbe felbft ein folcher Planet fey, konnte, fo Tange ‚man von ber Anſicht ausging , bie Erde Hilde ben Mittelpunkt , um welchen ſich Alles bewege, nicht gefunden

werben. ..

ur

und erleuchtet fie durch ihre Abwefenheit (bei Nacht).

Sie verbirgt bie Geflirne durch ipre Anweſenheit (bei Tag),

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Zweites Bud, . j 99

elhörend, Was, wie id) fche, der Bater ber Belchrfamkeit, Homer, *) nur ihr allein nachrühmt.

V «vn. & Deßhalb Halte ich es für mexvſchliche Schwäche, nah einem Bilde, nach einer Geſtalt der Gottheit umherzufpähen. Wer auch die Gottheit iſt, wenn es über haupt eine andere gibt [ald die Eonne], und wo fie auch ſeyn mag, fo ift fie ganz Gefühl, ganz Geſicht, ganz Ber hör, ganz Seele, gang Geift, ganz Ich. Un unzählige Bötter zu glauben, und gar ans Den Tugenden und Laftern der Menfhen ſolche zu machen, wie die Schamhaftigkeit, die Eintracht, den Geift, die Hoffnung, die Ehre, die

Güte, die Treue, oder auch (mie es Demokrit beliebte) nur

überhaupt zwei anzunehmen, Gtrafe und Belohnung, gränzt an nod ‚größeren Unverftand. 2. Die hinfälligen und mühebeladenen Sterblihen haben im Bewußtſeyn ihrer Schwäche die Gottheit in Theile zerlegt, damit Jeder Die jenigen Theile verehren Pönne, deren er am meiften bedarf, Deshalb finden wir bei verfchiedenen Völkern verfchiebene Bötfernamen und unzählbare Gottheiten; fogar Die unter irdischen Mächte, Krankheiten und viele andere Uebel wurs den zu den BötterBlaffen gezogen, weil wir in banger Furcht von ihnen verſchont zu bleiben wünſchen. So wurde auf Öffentliche Koſten dem Bieber eig Tempel auf dem Pas latinifhen Berge, ein anderer der Orbona *%) neben dem

°, Il. UI, 277. 7) Die Göttin der Eltern, welche Ihrer Kinber beraubt waren, ‚oder beraubt zu werben fürchteten. Der Palatinifche und der Esquiliniſche Berg find zwei ber ſieben Hügel Noms, Bol. Livius I, 3 ff. | 7%

00 €. Plinius Naturgeſchichte.

Tempel ber Zaren [Hausgötter) und ein Altar dem böfen Geſchicke auf dem Esquiliniſchen Hügel geweiht. 3. Dan . Bann alfo die Menge der Himmlifhen für bei weitem ‚größer anfehen,, ale die der Menfchen; denn die Lepteren machen ja aus ſich noch eben fo viele Götter, als fie ſelbſt find, indem fle fid, Junonen und Genien *) aneignen; einige Völker aber halten Thiere, und darunter foaar unfaubere, und viele andere Gegenftände, die man ſich zu nennen ſchaͤnt, für Götter, und ſchwören bei f[hmusigen Speiſen und andern ähnlichen Dingen. »8) Zu glauben, daß Ehen unter den Göttern beftehen, und dody in fo langer Zeit Niemand geboren werde, daß einige’ alt und ſtets gran, ***) andere Jünglinge und Knaben, +) einige ſchwarz, ++) geflügelt, +++) hinkend, +*) andere aus einem Ei entfproffen, und abwecdfelnd den einen Tag lebendig und den andern todt feyen, T**) gränzt an kindiſche Faſelei. A. Alle Uns verfchämtheit überfteigt e8 aber, wenn man ihnen Ehebruch, Streit und Hab andichtet, oder gar Götter für Diebsränte und Laſter 7***) annimmt. Dem Sterblichen ift der ein

) Die Genien (für bie Männer) und bie Sunonen (für bie Frauen) entfprehen den Schugengeln der chriſtlichen Welt. **) Ohne Zweifel find hier bie Hegppter gemeint,

®) Saturn, Uranus, Aesculap u. ſ. w. FH Wie Apollo, Bacchus, Hebe, bie Grazien. +}) Grebuß, die Nacht. 44H Mercur, Amor die Horen. . u T°) Bulcan, 4%) Caſtor und Pollux. 4%) Mercur, bie Woluft u. ſ. w. -

—0

Zweites Bud). 108

Gott, der dem Gterhlichen hilft, und Dieß ift der. Weg zum ewigen Ruhme. Auf tiefem wandelten die hohen Rö⸗ mer, anf ihm wandelt, jet nebft feinen Kindern der größte Herrſcher aller Zeiten, Veſpaſſauus Auguftus, indem er der allgemeinen Noth fleuert. 5. Es ift ein uralter Gebrauch, bochverdieuten Männern dadurch den geziemenden Dank atzufrageh, daß man fie unter die Götter verſetzt. Ja die Namen aller andern Götter und der Geftirne, von welchen ich weiter oben fprach, ehtflanden aus verdienftlichen Thaten der Menſchen. Wer möchte deshalb nicht zugeflehen, daß ed einen Jupiter, einen Mercur oder andere zn ihrer wech⸗ felfeitigen Unterfcheidung anders genannte Götter, daß es eine ganze Reihe hinmlifhher Namen gab, wenn man die Sache nur natürlich erklärt? 6. Lächerlich aber iſt Die Meinung, daß ſich das höchſte Weſen, Was es auch ſeyn mag, um tie menfchlicheh: Angelegenheiten befümmere. Müffen wir nicht vielmehr glauben, oder Bönuen wir auch nur bezweifeln, daß es ſich durch dieſe traurige und viel: fältige Dienflleiftung entwürdige? Kaum möchte es fidy entfcheiden faffen, ob es dem menſchlichen Geſchlechte zuträg- tidyer fey , wenn man die Götter gar nicht, oder wenn man fie auf eine Weife verehre, deren man ſich fchämen muß.

Manche bequemen ſich zu ausländifchen Neligionsübnungen, tragen die Götter und die Ungeheuer, welde fie anbeten, an den Fingern, *) erdenken ſich [neue] Speifen, während fie andere [gewöhnlidye] verdbammen, und legen ſich felbft fo .

firenge Geſetze auf, daß fie nicht einmal ruhig fihlafen

°, His Zaliömane in Ringe gefaft, 2 -

- -

102 C. Plinins Naturgeſchichte.

können. ) Sie ſchreiten weder zur Ehe, noch. zur Annahute vom Kindern, noch zu irgend einem andern Geſchäfte, ohne ſich zuvor heiligen Webräucyen zu unterwerfen. Andere betrügen auf dem Kapitol ſelbſt, *) und ſchwören falfch bet dem donnernden Jupiter. Diele ziehen Vortheil aus ihren Verbrechen, während Jene durch ihre Frömmigkeit ſelbſt in Jammer und Elend verſett werben. 7. Doch die Menſchheit hat ſich ſelbſt zwiſchen beiden Anſichten ein Mittelding, eine eigene Gottheit erdacht, damit die Frage über diefen Gegenſtand ja immer noch verwidhditer werde. In der ganzen Weit; an allen Orten, zu allen Stunden und von allen Zungen wird das Glück allein ver- ehrt; es allein wird genannt , es allein angeklagt, ihm allein wird die Schuld von Allem aufgebürdet ; an es allein wird gedacht, es allein wird gelobt, es allein getadelt und nicht felten mit Schmähungen afgernjen ;. und doc fchildert man es faft allgemein als blind, veränderlid, unſtet, um: beftändig, unzuverläßig, Taunifd und als Bönnerin Unwür⸗ Ä diger. Ihm wird aller Verluſt, ihm. aller Gewinn ***) zus

*) er Üiberfege. nach dem Texte der ältern Ausgaben. Har⸗ douin’d Aenderung - gibt einen völlig verfchiedenen Sinn. Erwaägt man: die hijtorifche Thatfache,, dab zur Zeit des ‚Plintus fat alle Religionsäbungen in Nom befannt und gebuldet waren ; erinnert man fich ferner an ben Aegypti⸗ fhen, jüdiſchen und chriſtlichen Cultus, ſo wird man die

Stelle nicht dunkel finden,

°. Bo man Contrakte abfchloß und Eide leiftete, um fie defion

. heiliger und unverleglicher zu machen. ve), Nach der gewöhnlichen Ledart. Hardouin's Auslaſſung der Worte omnia a erpean, huic iſt durch Nichts begruͤndet.

Zweites Bud. 105

geſchrieben und in dem gatzen Rednnngetuh der Sterb⸗ lihen füllt es allein beide Geiten [Soll und Haben]. Ja wir ſind ſo ſehr dem Zufall unterworfen, daß uns der Zufall fetbft als ein Bott gilt, wodurch der Beweis von dem Dafenn einer Gottheit immer noch unzuverläßiger wird.

8. Eine andere Partei will auch von dieſer Gottheit [dem Glück oder dem Zufall] Nichts wiffen, und fchreikt die Schickſale eines Jeden dem bei feiner Geburt obwaltenden Geſtirne zu. Gott habe, fagen fie, ein für allemal das Loos aller Menfhen vorausbeſtimmt, und trete fürder nicht mehr aus feiner unthätigeg Ruhe. Diefe. Anficht hat ange fangen, feften Fuß au faflen, und das gelchrte wie. das unges lehrte Volk fällt ihr Haflig zu. Hier haben wir die Anzeigen der Blige, die Boransfagungen der. Orakel, bie Prophezei⸗ ungen ber Wahrfager, und, Was man feiner Beringfügigkeit wegen gar nicht berühren follte, das Nießen bei den Aus aurien und das Gtrauceln der Füße. Der göftlihe Aus guftus erzählte, daß ihm an bem Tage, der ihm dureh einen Soldatenaufruhr beinahe den Untergang gebracht hätte, der . inte Schuh flatt des rechten angezogen worden, fey. *) 9. Alles Dieb zufammengendmmen verwirrt die kurzſichtige Menſchheit, und nur das Eine iſt gewiß, daß Nichts gewiß iſt, und daß es kein erbärmlicheres und doch zugleich ſtol⸗ zeres Weſen gibt, als den Menſchen. Denn die übrigen Geſchöpfe kümmern ſich bloß um ihre Nahrung, die ihnen die gütige Natur von freien Stücken und zur Genüge ges währt, und haben noch überbieh Eines voraus, das aber

*,.Sneion. Aug, 14 92.

4108 . €. Plinius Naturgeſchichte.

alten andern Gütern vorzuziehen ift, daß fie nämlich weder an Ruhm, Geld und Ehrgeiz, noch an den Tod denken,

10. Den meiften Nugen im Leben gewährt jedoch von allen diefen Anſichten der Glaube, daß fich die Bötter um die menfchlichen Angelegenheiten befümmern 5; daß. den Miffe- thaten die Strafen wenn auch (ba die Gottheit durch eine ungeheure Menge von Geſchäften gedrängt ift) fpät folgen; baß fie aber mie ausbleiden, und daß der Menfdr nicht def: wegen das der Gottheit am nächften ſtehende Geſchöpf ſey, um an Armſeligkeit den: Tieren zu gleihen. Der ‚größte Troſt der unvolltommnen Natur ‘des Menfchen bfeibt aber immer der, daß die Gottheit ſelbſt nicht Alles kaun. 41. Denn fie Bann ſich weder den Tod geben, wenn fle auch wollte, welche unihäsbare Wohlthat fie‘ doch dem Menfhen in diefem unendlihen Sammer des. Lebens vers lichen hat, noch Gterbliche mit ber Unſterblichkeit beſchenken, oder Todte wieder erwecken, noch machen, daß Jemand, ber gelebt hat, miche gelebt, oder Jemand, der Ehrenftellen bekleidet hat, fie nicht bekleidet habe. Ueberhaupt bar fie auf Alles, was einmal gefchehen ift, Bein anderes Recht, als es vergeffen zu Pönnen. Ferner vermag fie (um unfere Aehulichkeit mit der Gottheit auch durch ‚minder ernſte Gründe zu erweifen) nicht zu bewirken, daß zweimal zehn nicht zwanzig ſey, und viel‘ Aehnliches; wodurch ı die Madıt der Natur über allen Zweifel erhoben wird, und woraus klar hervorgeht, daß fle eigentlih Das fey, was wir Goit nennen. Diefe Abfchweifung durfte wohl hier 'ihre Stelle finden, da die Frage, Was die Gottheit -fey, fortwährend und allgemein aufgeworfen wird,

Zweites Bud. | .105

VI (vin). 4. Kehren wir nun zu den übrigen Werken der Natur zurück! Die Sterne, welde, wie wir gefagt haben, *) an dem Himmel feftpalten [&irfterne], ſind nicht, - wig der große Haufe wähnt, einzeln einem jeden Einzelnen von uns zugetbeilt, Sp daß Die hellen den Reichen, die Meinen den Armen, die dunkeln den Kranken, und über: haupt alle den Sterblichen, Jedem nad) dem ihm beflimmten Schickſal, leuchten; auch **) fterben fle weder mit dem Men⸗ ſchen, bei deflen Geburt fie aufgegangen find, nody zeigen die herabfallenden an, dab ein Menſchenleben erlöfche. Go groß if unfere Gemeinfchaft mit dem Himmel nicht, daß - andy der Glanz der Gterne das Loos der Sterblichkeit mit uns theilen müßte. 2. Daben die Sterne vermöge ihrer Feuerkraft eine; allzugroße Menge von Feuchtigkeit Ange: zogen, fo ſtoßen fle den Ueberfluß von fid, und es dünkt uns daun, ald fielen fie herab. ine ähnliche Erfceinung Pönnen wir an brennenden Lichtern, die mit Del getränkt find, wahrnehmen. Uebrigens iind. die Himmelskörper ewiger Natur; fie umſchlingen die Welt, und find felbft in Diefe Umfchlingung feſt verwoben. Diejenigen von ihnen, Die wir, trog ‘der obwaltenden Schwierigkeit, ihrer Wir: Zungen, ihres Lichtes und ihrer Größe wegen erkennen konnten, äußern einen bedeutenden Einfluß anf die Erde,

2) Kap. 3., wo von den der Welt eingebrükten Sternbildern die Rede iſt. ©) Nach ber gewöhnlichen Lesart. Hardouin's erklaͤrendes Einſchiebſel (quia) iſt Ares,

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96 C. Plinius Naturgeſchichte.

ed der Augenſchein; denn wir fehen hier die Geſtalt eines

Wagens, dort Die eines Bären, anderwärts bie eines Stieres, und wieder an einer andern Stelle bie eines Bud)- ftabens , *) während ſich mitten durch den Scheitelpunkt ein heller. fhimmernder Kreis **) zieht.

(ıw). Auth Die Uebereinftimmung aller Völker "bewegt mich wenigftend zu diefer Annahme. Denn die Griechen nannten die Welt „Kodmas“ (Koonos), was fo viel heißt als Zierde: wir [Römer] gaben ikr wegen ihrer tadellofen, volltommenen Schönheit den Namen „Mundus“ [Schmuck). Den Himmel nannten wir „Exelum“ , ohne Sweifel wegen feiner Uehntichkeit mit getriebener Arbeit (caelartum), wie es M. Varro *"*) erklärt. Die nafürlihe Drönung der Dinge unterftügt ebenfalls 'meine Meinung, nämlich die Eintpeilung des Kreifes, welchen man Thierfreis nennt, in’ zwölf Thierbilder, und der feit fo vielen Jahrhunderten unverändert gebliebene Lauf der Sonne durch dieſelben.

dem Oriente zu ſtaͤmmen, und mit der dort beliebten Lehre von den Emanationen der Gottheit zuſammenzuhangen. *) Das Delta ober Deitston, ein breisdiges,, nach dem Gries cyiiſchen Buchſtaben A benannte Sternbild zwifchen ben Füßen der Andromeda und beim Kopfe bes Mibders, *, Wahrſcheinlich it hier die Milchjiraße gemeint, Was von ben ber Welt eingebrücdten Gebilden und den herakfallenden Samenftoffen gefagt wird, gehört gu. ben alten. Fabeln, die Feiner Wiberlegung bedürfen. Gben ſo wenig ents ſprechen, wie Plinius meint, bie GSeſtalten der Stern⸗ bilder ben ihnen beigelegten Namen. on, De lingua latina m:

Sn

Zweites Buch. 97

IV (vn). 4. Daß es vier Elemente gebe, wird, wie ih fehe, von Niemand bezweifelt. Das bödfte ift das Beuer: aus ihm beifehen jene zahliofe gleich Augen herab» leuchtende ‚Sterne. Das nächſte ift die Luft, welche die Griechen und wir mit demfelben Wort „Aer“ nennen, Gie it. befebend, Alles. durchdringend und mit dem AH innigft verbunden ; Duck) ihre Kraft, hält ſich die Erde mit’ dem vierten Element, dem Wafler, mitten in dem Raume im Gleichgewicht. Durch dieſe wechielfeilige Umfpaunung °) entficht die Verbindung des Verſchiedenartigen, fo daß das Leichte durch das Schwere am VBerfliegen gehindert, das Schwere dagegen von dem ſtets aufwärtsftrebenden Leichten getragen und vor.dem Fallen gefihert wird. 2. Unf Diefe Weife bleibt durch ein gleid) flarkes Streben nach verſchie⸗ denen Richtungen hin Jedes an feinem Orte, **) und wird durch die ſtete Ummälzung der Welt felbit sufammengehalten, Während diefe fi unanfhöriih am ſich ſelbſt dreht, bes banptet die Erde die unterfte und mittelfte Stelle in dem Ganzen. Sie. hängt ſchwebend an der Weltare feſt, und ‚hält zugleich Das, durch deifen Kraft fe fchwebend gehalten wird, im Gleichgewicht; fie allein iſt alſo unbeweglid,

©, plinius denkt fi) die vier Elemente als vier Gphären, von denen eine die andere umgibt und einfchließtz eine Theorie, die eben fo wenig genligt, ald manche nehere,

e5) Nach ber gewöhglichen Ledart in suo, welche weit mehr als die Werbefferung vi sua ber in diefem Kapitel entwis delten Anſicht entſpricht.

E. Plinius Naturgeſch. 18 Bihm, 7

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98 C. Plinius Naturgefchichte.

während ſich das Univerſum um ſie dreht: fie wird durch Alles gehalten, und auf ſie ſtützt ſich wiederum Alles.

nm) 3. Zwiſchen ihr und dem Himmel ſchweben in derjelben Luft, durch beflimmte Zwifchenränme von einander getrennt, fieben Geftirne, *) welche wir, weil fie ſich fort⸗ bewegen , Irrſterne [Planeten] nennen, obichon keine we⸗ niger irren als file. In ihrer Mitte läuft die Sonne, hoch⸗ herrlich an Größe und Macht, nicht nur ber Jahreszeiten und Klimate, fondern- aud) felbft der Geflirne und des Himmels Lenkerin. Daß Ile das Leben oder vielmehr die Seele der ganzen Welt, daß fie die höchſte Beherrſchexin der Natur und eine Gottheit fen, muß Jeder glauben, der

über ihre Wirkungen nachdenkt. 4. Gie fpendet allen '

Dingen Licht und verbannt die Sinfterniß; die- übrigen Weſtirne verbirgt und erleuchtet fie; **) fie bewirkt die. re: gelmäßige Abwechslung der Jahreszeiten und das nad, dem Laufe der Natur id) flets verjüngende Jahr; fie unterbricht Die traurige Einförmigkeit des Himmels, und verſcheucht Die Wolken des menſchlichen Geiſtes; fe leiht ihr Licht ben übrigen Geſtirnen, iſt herrlich, hehr, allſchauend uud

*) Saturn, Jupiter, Mars, die Sonne, Venus, Merkur und der Mond nach der von Plinius (8. 6.) angenommenen Meihenfolge, Die evibente Wahrheit, daß die Sonne den Mittelpunkt bilde, um welchen fich bie Planeten drehen, und daß die Erde felbft ein ſolcher * ſey, konnte, ſo Lange man von ber Anſicht ausging , bie Erde bilde ben Mittelpunkt, um welchen fi) Alles bemäge, nicht gefunden werben,

*. Eie verbirgt bie Geſtirne durch ihre Anwe fenheit (bei Tag), und erleuchtet fie durch ihre Abwefenheit ‚(Hei Nacht).

i Zweites Buch. 99

allho rend, Was, wie id) ſehe, der Vater ber Gelehrſamkeit, Homer, *) nur ihr allein nachrühmt.

V «rm. 3 Deßhalb halte ich es für weufchliche Schwäche, nad einem Bilde, nad) einer Geſtalt der Gottheit umberzufpähen. Wer auch die Gottheit iſt, wenn es über- haupt eine andere gibt [als die Sonne], und wo fie auch ſeyn mag, fo ift fie ganz Gefühl, ganz Geſicht, ganz Ber hör, ganz Geele, gang Geiſt, ganz Ich. An unzählige Götter zu glauben, und gar ans den Tugenden und Laftern

der Menſchen foldye zu machen, wie die Schamhaftigkeit,

die Eintracht, den Geift, die Hoffnung, die Ehre, die

Güte, die Treue, oder auch (mie ed Demokrit beliebte) nur

überhaupt zwei anzunehmen, Gtrafe und Belohnung, grängt an nody größeren Unverftand. 2. Die hinfälligen und mühebeladenen Sterblichen haben im Bewußtſeyn ihrer Schwäche die Gottheit in Theile zerlegt, damit Feder bier jenigen Theile verehren könne, deren er am meiften bedarf. Deßhalb finden wir bei verfhiedenen Völkern verfchiedene Bötternamen und unzählbare Gottheiten; fogar die unter irdischen Mächte, Krankheiten und viele andere Uebel wurs den zu den Bötterklaffen gezogen, weil wir in banger Furcht von ihnen verfhont zu bleiben wünfchen. So wurde auf Öffentliche Koften dem Bieber ein Zempel auf dem Pas Iatinifchen Berge, ein anderer der Orbona **) neben dem

e, Ji. UI, 277. +), Die Göttin der Eltern, welche Ihrer Kinder beraubt waren, ‚oder beraubt zu werben fürdhteten. Der Palatinifhe und der Esquiliniſche Berg find zwei der fieben Hügel Rom’, Bol. Livius IL, 5 ff. | 7

a 100° 6. Plinius Naturgeſchichte.

Tempel der Laren [Hausgötter) und ein Altar dem böfen Geſchicke auf dem’ Esquiliniſchen Hügel geweiht. 3. Man . Tann alfp die Menge der Himmlifchen für bei weiten ‚größer anfehen,, als die -der Menſchen; denn die Letzteren machen ja aus fih noch eben fo viele Götter, als fie ſelbſt find, indem fie fid, Junonen und Genien ) aueignen; einige Völker aber halten Thiere, und darunter foaar unfaubere, und viele andere. Begenflände, die man ſich zu nennen fhämt, für Götter, und ſchwören bei fhmusigen Speiſen und andern ähnlichen Dingen. »8) Zu ˖ glauben, daß Ehen unter den Göttern beftehen, und doch in ſo langer Zeit Niemand geboren werde, daß einige' alt und ſtets grau, ***)andere Jünglinge und Knaben, +) einige ſchwarz, 1*7T) geflügelt, 14717) hinkend, 78) andere aus einem Ei entfproffen, und abwechfelnd den einen Tag Iebendig und den andern todt feyen, T**) gränzt an. kindiſche Faſelei. 4. Ale Un: verfchämtheit überfteigt es aber, wenn man ihnen Ehebruch, Streit und Haß andichtet, oder gar Götter für Diebsränke und Laſter +?**) annimmt. Dem Sterblichen ift der ein

2) Die Genien (für bie Männer) und die Sunonen (für bie Frauen) entfprehen den Schugengeln ber chriſtlichen Welt. +) Ohne Zweifel find hier die Aegypter gemeint.

*) Saturn, Uranus, Aesculap u. ſ. w. H Wie Apollo, Bachne, Hebe, die Grazien. +) Grebuß, die Nacht, 1}H Mercur, Amor , bie Horen. *) Bulcan, +’) Caſtor und Poliux. 22°) Mercur, die Wolluſt u. fi w. J

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Zweites Bud. . | 101

Gott, der dem Sterblichen hilft, und Dieß ift der. Weg zum ewigen Ruhme. Auf tiefem wandelten die hohen Nö« mer, anf ihm wandelt jegt nebft feinen Kindern der größte Herrſcher aller Seiten, Befpaflanud Auguftus, indem er der allgemeinen Noth ſteuert. 5. Es ift ein uralter Gebraudy, bochverdienten Männern dadurdy den geziemenden Dank abzufragen, daß man fle unter die Götter verfest. Ja die Namen aller andern Götter und der Geflirne, von welden ich weiter oben ſprach, entflanden aus verdienftlichen Thaten ber Menſchen. Wer möchte deshalb nicht zugeftehen, daß es einen Jupiter, einen’ Mercur oder andere zn ihrer wech⸗ feifeitigen Unterfheidung anders genannte Götter, baß es eine ganze Reihe himmlifher Namen gab, wenn man die Sache nur natürlidy erlärt? 6. Lächerlich aber ift die Meinung, daß fid das höchſte Weſen, Was es aud) ſeyn mag. um Die menſchlichen Angelegenheiten befümmere. Müffen wie nicht vielmehr glauben, oder Pönuen wir auch nur bezweifeln, daß es ſich durch dieſe traurige und viel: fältige Dienſtleiſtung entwürdige? Kaum möchte es fidy entfcheiden Iaffen, ob ed dem menſchlichen Geſchlechte zuträg- tier fen, wenn man die Götter gar nicht, oder wenn man fie auf eine Weife vercehre, deren man fidy fchämen muß. Manche beguemen ſich zu ausländifchen Religionsübungen, tragen die Götter und die Ungeheuer, welche fie anbeten, an den Fingern, *) erdenten ſich [neue] Speifen, während fie andere [gewöhnlidye] verdammen, und legen ſich felbit fo firenge Geſetze auf, daß fie nicht einmal ruhig fchlafen

* Als Talismane in Ringe gefaßt, *

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102 C. Plinins Naturgeſchichte.

konnen. 9 Sie ſchreiten weder zur Ehe, noch zur Annahnie von Kindern, noch zu irgend. einem andern Geſchäfte, ohne ſich zuvor Heiligen Webräuchen zu unterwerfen. Andere beteügen auf dem Kapitol ſelbſt, *%) und Tchwören falfch bet dem donnernden Jupiter. Diefe ziehen Vortheil aus ihren Verbrechen, während Jene durd ihre Frömmigkeit feibit in Iammer und Elend verfegt werben.

7. Doch die Menfchheit hat ſich ſeldſt zwiſchen beiden Anſichten ein Mittelding, eine eigene Gottheit erdacht, damit die Frage über dieſen Gegenſtand ja immer uoch verwickelter werde. In der ganzen Welt; an allen Orten, zu allen Stunden und von allen ungen wird das Glück allein ver- ehrt; es allein wird genannt , es allein angeklagt, ihm allein wird die Schuld von Allem aufgebürdet ; an es allein wird gedacht, es allein wird gelobt, es allein getadelt und nicht felten mit Schmaͤhungen angerufen; und doc ſchildert man es faft allgemein als blind, veränderlih, unftet, um beftändig, unzuverläßig, launiſch und ats Bönnerin Unwür— biger. Ihm wird aller Verluſt, ihm aller Gewinn **") zu⸗

©) Ich Aberſetze nach dem Texte ber ältern Ausgaben. Har⸗ donin’d Aenderung - gibt einen völlig verfchiedenen Sinn, Erwägt man: bie biftorifche Thatſache, dab zur Zeit des Plinius faft alle NReligionsfibungen in Nom befannt und geduldet waren; erinnert man fich ferner an ben Aegypti⸗ ſchen, jübifhen und chriſtlichen Cultus, fo wird man bie Stelle nicht dunkel finden.

°. Wo man Contrakte abſchloß und Eide Leiftete, um fie defto

. heiliger und unverleglicher zu machen.

vr, Nach der gewöhnlichen Lesart. Hardouin’® Auslaffung ber Worte omnia expensa, huic iſt busch Nichts begränbet,

‚. Zweites Bud. . 105

ceſchrieben, und in dem garzen Rechnungsbuch der Sterb⸗ lichen füllt es allein beide Geiten [Goll und Haben). Ja wir find fo fehr dem Zufall unterwotfen,. daß und der Zufall feibft als ein Bott gilt, woburd, der Beweis von dem Dafeyn einer Gottheit immer noc, unzuverläßiger wird.

8. Eine andere Partei will aud von dieſer Gottheit [dem Glück oder dem Zufall} Nichts willen, und fchreikt die Schidfale eines Feden dem bei feiner Geburt obwaltenden Seftirue zu. Bott habe, fagen.fie, ein für allemal das Loos aller Menſchen vorausbeſtimmt, und trete fürder nicht mehr aus feiner unthätigen Ruhe. Diefe. Anſicht hat ange⸗ fangen, feften Fuß zu faſſen, und das gelchrte wie. das unges lehrte Volk fällt ihr Haflig zu. Hier haben wir die Anzeigen der Blige, die Boransfagungen der Orakel, die Prophezeis ungen ber Wahrfager, und , Was man feiner Beringfügigkeit wegen gar. nicht berühren follte, das Nießen bei den Aus aurien und das Gtraucdeln des Füße. Der göttliche Au⸗ guſtus erzählte, daß ibm an dem Zage, ber ihm durch einen Soldatenaufruhr beinahe den’ Untergang gebracht hätte, der . Iinte Schub flatt des ‚rechten angezogen worden, fey. *) 9. Alles Dieb zufammengenbmmen verwirrt die kurzſichtige Menſchheit, und nur das Eine iſt gewiß, daß Nichts gewiß it, und daß ed kein erbärmlicheres und doch zugleich ſtol⸗ seres Wefen gibt, ald den Menfchen. Denn die übrigen Befchöpfe Fümmern fi) bloß um ihre Nahrung , die ihnen die gütige Natur von freien Stüden und zur Genlige ges währt, und haben noch überdieß Eines voraus, das aber

°, Sueion, Aug, 44. 92,

104 EG. Plinius Naturgeſchichte.

allen andern Gütern vorzuziehen iſt, daß fie nämlich weder |

an Ruhm, Geld und Ehrgeiz, noch an den Tod denken.

10. Den meiften Nutzen im Leben gewährt jedoch von allen diefen Anſichten der Glaube, daß ſich die Götter um die menfchlihen Angelegenheiten befümmern ; daß den Miſſe⸗ thaten die Strafen wenn auch (da die Gottheit durch eine ungeheure Menge von Geſchäften iſt) ſpät folgen; daß fie aber mie ausbleiben, und daß der Menfdr nicht deß—⸗ wegen das der Gottheit Am nächſten ftehende Geſchöpf ſey, um an Armſeligkeit den‘ Thieren zu gleihen. Der größte Troſt der unvolliommnen Natur des Menfchen bieibt aber immer der, daß die Gottheit ſelbſt nicht Alles kaun. 41. Denn fie Bann ſich weder den Tod geben, wenn fie auch wollte, welche unſchäzbare Wohlthat fe: doch dem

Menfchen in diefem unendlihen Jammer des Lebens vers

lieben hat, noch Sterbliche mit der Unfterblichkeit befchenten, oder Todte wieder erwecken, noch machen, daß Jemand, der gelebt hat, nicht gelebt, oder Jemand, der Chrenftellen bekleidet hat, fie nicht ‚bekleidet habe. Weberhaupt has fie auf Alles, was einmal gefchehen ift, Fein anderes Recht, als es vergeffen zu Pönnen. Ferner vermag fie (um unfere QAenutichkeit mit der Gottheit auch durch minder 'ernfte Gründe zu erweifen) nicht zu bewirken, daß zmeimal zehn nicht zwanzig fen, und viel‘ Aehnliches; wodurch ı die Macht der Natur über allen Zweifel erhoben wird, und woraus klar herdorgeht, daß fie eigentlih Das fey, was

wir Goit nennen. Diefe Abfchweifung durfte wohl hier

'ihre Stelle finden, da die Frage, Was die Gottheit -fey, fortwährend und allgemein aufgeworfen wird.

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Zweites Buch. .405

VI (vn). 4 Kehren wir nun zu den übrigen Werken der Natur zurück! Die Gerne, welde, wie wir gefagt baden, ) an dem Simmel feſthalten [Kirfterne], ſiud nicht, mie der große Haufe wähnt, einzeln einem jeden Einzelnen Dr uns zugetheilt, fp daß Die hellen den Reichen, die Meinen den Armen, die dunteln den Kraufen, und über: haupt alle den Sterblichen, Jedem nad) dem ihn beftimmten Schickſal, leuchten; auch **) fterben file weder mit dem Mens fen, bei defien Geburt fie aufgegangen find, noch zeigen die herabfallenden an, daß ein Menfchenichen erlöfche. Go groß: ift unfere Gemeinfchaft mit dem Himmel nicht, daß aut) der Glanz der Gterne das 2008 der Sterblichkeit mit uns theilen müßte. 2. Daben die Sterne vermöge ihrer Beuerkraft eine: allzugroße Menge von Feuchtigkeit ange⸗ zogen, fo floßen fie den Ueberfluß von fidh, und es dünkt uns dann, als fielen fie herab. Eine ähnliche Erfcheinung innen wir an brennenden Lichtern, die mit Del getränft find, wahrnehmen. - Uebrigens ind die Himmelskörper ewiger Natur; fie umſchlingen die Welt, und find ſelbſt in diefe Umfchlingung feſt verwoben. Diejenigen von ihnen, die wir, trog der obwaltenden Schwierigkeit, ihrer Wirs tungen, ihres Lichtes und ihrer Größe wegen erkennen tonnten, äußern einen bedeutenden Einfluß auf die Erde,

*) Rap. 3., wo von den ber Welt eingedruͤckten Sternbildern die Rebe if.

“) Nach ber gewönticgen Leſsart. Hardouin’s erklaͤrendes Einſchiebſel (quia) iſt überftüfiig.

106 | C. Plinius Naturgeſchichte.

wie wir an dem geeigneten Orte *) zeigen werden. 3. Auch die Lehre von den Himmelskreiſen wird füglicher bei der Beſchreibung der Erde **) vorgetrage werden können, da fie ganz dahin gehört. Nur die ben ThierPreis betreffenden Erfindungen wollen wir, hier nicht unerwähnt laffen. -Seine Schiefe foll zuerft Anarimander 'von Milet in der. achtunds fünfzigten Olympiade [zwiſchen 548 und 545 vor Ghr.] entdedt, und ſomit die Thüre zur weiteren Erkenntniß ges öffnet haben. Die Zeichen beffelden faud Cleoſtratus, "**) umd zwar zuerft die des Widders und des Gchügen. Die Sphäre (Himmelskugel] ſelbſt erfann lange vorher Atlas. +) Doch wir wollen jest den [äußern] Körper der. Welt ſelbſt verlaffen, und zur Betrachtung Deffen, was ſich jwie (hen Himmel und Erde befindet, übergehen.

4. Daß das. Geftirn, welches man Saturn nennt, das höchfte fe, und deßwegen das kleinſte zu ſeyn ſcheine; daß

*) Buch XVII. ‚und vun, die von Der Landwirthſchaft handeln. 20) B. VI. K. 29.

*00) Weder Anaximander (über welchen man das Schriftſteller⸗ verzeichniß in der Einleitung zu dieſem Buche vergleichen kann), noch Cleoſtratus, ein Aſtronom des ſechſsten Jahr⸗ hunderts vor Ehr,, find bie Urheber dieſer ihnen bier zus geichriebenen aſtronomiſchen Entdeckungen. Gie brachten fie aus dem Orient, wo fie lange vor ihnen bekannt waren, zuerſt nach Griechenland.

7) Utlas, eine mythiſche Perſon aus dem vierzehnten Jahr⸗ hundert vor Chr., fol König von Mauretanien, großer Aftronom und Lehrer des Herkules in biefer MWiſſenſchaft gewefen ſeyn.

Zweites Buch. 407

es den größten Kreis deſchreibe, und nad) dreißig Jahren ®) wieder 'zu dem. Anfangspunkte feiner Bahn zurüdtomme, unterliegt einem Zweifel. Alle Wandelfterne, aber, und alfo auch die Soune und der Mond, nehmen einen [dem Umſchwunge)] der Weit entgegengefegten Lauf, nämlich nach der finden Geite Hin, während diefe ih flets nach der rechten dreht; und obſchon fie durd) - Die unaufhörliche, ungeheuer ſchnelleè Ummälzung der Welt ergriffen und nach Welten hin mitfortgeriffen werden ‚: fo befchreibt doch jeder von ihnen durch eine entgegengefegte Bewegung feine eigene Bahn. Auf diefe Weife kann ſich bie Luft nicht: durch den ewigen Umfhwung der Welt nad) einer Seite zufammens Drängen und zu einer trägen Maffe erflarren, fondern muß durch den entgegengeſetzten Drud der Geſtirne durchſchnitten, getrennt und gleichmäßig vertheilt werden. *) 5. Das Geſtirn des Saturn ift Falter, eiflger Natur. Weit unter ihm und deßhalb auch ſchneller durdlänft Jupiter feine Kreisbahn in zwölf Jahren. ***) Mars, ber dritte Planet, +)

*) Die Umfanfzeit des Saturn beiträgt nicht volle 30 Sahre, : fondern genau berechnet nur 10,749 Tage, 7 Stunden, 31 Minuten und 50 Secunden. Der äußerfte jest in unferem Sonnengebiete bekannte Planet ift der im Jahre 1781 von Herſchel entdeckte Uranus. | °*) Diefe Anficht der alten Phyſiker über die Bertheilung der 2 Bufr zerfällt in ſich ſelbſt, ba. ber Raum, in welchem ſich die Planeten bewegen, unmbalic mit Luft angefüllt feyn kann. 2 In 11 Jahren und 314 Tagen gr Zwiſchen Jupiter und Mars het man in unferem Jahr⸗

108 C. Plinius Naturgefchichte.

den Einige auch Herkules nennen, ift fenriger Beſchaffenheit

wegen der Nähe der glühenden Sonne, und vollendet ſeinen Lauf in ungefähr zwei Jahren. ) Durch die übergroße Hitze der Sonne und die Kälte des Gatuin wird der zwiſchen beiden wandelnde Jupiter gemäßigt und heilbringend. »)

6. Die num folgente Bahn der Sonne beträgt 360 Theile

[Grade]: damit aber ihre Schatten genau wieder zu den: felben Strihen [der Sonnenuhr) zurückkommen, werden fedem Jahre fünf Tage und ein Vierteltag zugefügt. Aus diefer Urſache wird auch jedem fünften Sahr ein Schalttag beigegeben, damit die ‚Seiteintheilung mit dem Laufe ber Soare übereinflimme,

- Unterhalb der Sonne on, kreist ein überaus großes Seien. Benus genaunt; fein abwechſelnder Lauf, +) fo

hundert vier neue Planeten entbedt: Ceres (1801), Pallas (1802), Juno (1804) und Veſta (1807). 9 In 1 Sahr, 331 Tagen und 22 Stunden, 0°). Diefe Anficht, von dem heilbringenden Einfluß des Supiter, 3. 8. auf Geburten u. f. w., gehört zu ben aftrologifchen Träumereien der Alten _ *.., Nach dem alten Planetenfpiem muß man fi Venus, Merkur und den Mond ald unterhalb der Sonne, Satur- nus, Supiter und Mars als oberhalb berfelden wandelnd denken. Jetzt nennt man Merkur und Venus untere Planeten, weil ihre Bahnen, als ber Sonne näher’ fte ‚hend , von der Erbbahn eingefchloffen find. Mars, Befta, uno, Ceres, Pallas, Jupiter, Saturnus und Uranus heißen jest obere, weil ihre Bahnen, ber weiteren Cut: fernung wegen. die Erbbahn einfchließen. +) Abwechſelnd wirb ber Lauf ber Venus genannt, weil fie j einmal ber ‚Sonne vorausgeht, und dann wieder ihr nach⸗ folgt.

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Zweites Bud. - 409

wie fihon feine Beinamen beweifen, daß es mit der Gonne und dem Monde wetteifert. Denn eilt ed der Sonne voraus und geht vor der Morgenröthe auf, fo führt es, weil es, wie eine zweite Sonne, den Tag befchlennigt, den Namen Morgenftern (Lucifer); glänzt es aber am abendlichen Hims mel, fo heißt es, weil ed den Tag verlängert und die Stelle des Mondes vertritt, Abendſtern (Vesper). Diefe Eigenſchaft der Venus bemerkte zuerft Pythagoras von Gas mos um die zweiundfechzigfie Diympiade, ) in weldye das Fahr 222 der Stadt Rom [532 vor Ehr.] fällt. 8. Un Größe übertrifft fie alle übrigen Geflirne, **) und ihr Licht ift fo Helle, daß nur allein durdy ihre Strahlen Schatten hervorgebracht werden. **) Deßhalb hat fie auch eine Menge Namen erhalten: denn Einige nennen fie Juno, Andere ZIſis und wieder Andere Göttermutter [Epbele]). 9. Durch ihre natürliche Kraft wird Wlled auf der Erde erzeugt: denn bei ihrem zweimaligen Aufgange [am Morgen und Abend] verbreitet fle einen befrudhtenden Than, und bewirkt nicht nur die Hervorbringungen der Erbe, fondern fiachelt audy alle Lebende Weich zur Befruchtung. Den Umfang des Thierkreiſes durchläuft fie in 348 Tagen, und ihr Abftand

°) Nach Brotier’d Lesart, welche beffier "mit ber Gefchichte Gbereinftimmt, als die anderen Lesarten. Olymp. 4 * A. V. 142. Olymp. 32 =A,\V., 113,

“*, Nur fcheinbar, Hera fie ber Erde, die ungefähr gleiche Oröße mit ihr Hat, am nächften iſt. Der größte Planet ift Tupiter,

“), Nach ben Beobachtungen der neueren Aſtronomen werfen

auch Tupiter und Merkur Schatten.

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10 C. Plirius Naturgefchichte. don der Gonne beträgt, wie Timäus annimmt, nie über 36 Grabe. °

10. Bon ähnficher Beihhaffenheit, ”) aber keineswegs ron gleihher Größe und gleichem: Einfluſſe, if das ihr zu⸗ nächte wandelnde Geflirn des Merkur, welches auch Einige Apollo nennen. Es beſchreibt feine tiefere Bahn in einem um neun .Tage fchnelleren Umlauf, glänzt bald vor dem Aufgang der Sonne und bald nach dem Untergange ber: felben, und ift nie weiter als 23 Grade von ihr entfernt, ***) wie Derfelbe (Timäus] und Soflgenes Ichren. 414. Diefe tbeiden] Geftirne find alfo-von befonderer uud ganz anderer Beſchaffenheit, als die obengenannten. Denn ſie ſtehen um ein Viertheil und ein Drittheil des Himmels von der Sonne ab, und oft ſieht man ſie der Sonne gerade gegenüber; auch beſchreiden ſie alle bei ihrer vollen Umwälzung ganz andere, größere Bahnen, von denen bei der Lehre von dem großen Jahre die Rede feyn wirt. 7) »

*) Die Venus vollendet nach ber jegigen genaueren Berech⸗ nung ihren auf in 224 Tagen und 17 Stunden, unb entfernt fi) nie fiber 48 Grabe von der Sonne Won ihrem befruchtenben Einfluſſe weiß die neuere Aſtronomie Nichts. ”., Was nämlich fein Erſcheinen vor Sonnenuntergang und nad Sonnenuntergang betrifft. °.., Merkur vollendet feinen Lauf in 87 Tagen und 23 Stun⸗ den. Sein größter Abſtand von der Sonne beträgt 29 " Grabe.

+) Bon dem großen Jahre, das von einer Conjunctior der Planeten mit ber Sonne bis zu ber anbern währt, unb 15,000,

nach andern 18,000 Jahre beträgt, ift in ber Naturges

Zweites Buch. 141

(12). 43. Das bewunderungsmwärbigfte von allen iſt jedoch das legte, der Erde am meiften befreundete Geftizn, welches die Natur als Mittel gegen die. Finfterniß erfand der Mond. Durch feinen vielgeftaltesen Lauf hat es den Beift der Beſchauer, die mit Unwillen ihre geringe Kenntr niß des nächſten Geſtirnes einfahen, wahrhaft gefoltert. Stets wachſend oder abnehmend ift er bald [wie ein Bogen] in zwei Hörner gekrümmt, bald geigt er. und gerade feine Hälfte und bald feine ganze volle Scheibe; einmal erfcheint er uns matt und dann plößtzlich wieder hellglängend; bei voller Scheibe iff er überaus groß, und dann ift er wieber anf einmal gar nicht. vorhanden ; bald fcheint er die ganze Naͤdht hindurch), bald fleigt er erft fpät herauf, und unter ſtützt einen Theil des Tages hindurdr das Sonnenlicht; er wird verfintert und bleibt bei der Verfinfterung doch ſicht⸗ . bar, am Ende des Monats verfchwindet er aber gänzlich, und doch ſoll er dann nicht verfinſtert ſeyn. 43. Einmal erſcheint er niedrig und ein andermal hoch, und auch Dieß wieder nicht auf eine und dieſelbe Weiſe. Denn bald iſt er dem Himmel nah, bald fhheint er die Berggipfel zu berühren, einmal ſteht er hoch im Norden, das anderemal tief im

ſchichte des Plinius nirgends die Rede. Uebrigens hat man dieſe Stelle oft dunkler gefunden, als ſie wirklich iſt, und faſt immer falſch überſetzt. Plinius will ſagen, daß die untern Planeten von den obern, wie in andern Dingen, ſo auch in der Größe ihrer Bahnen und der Dauer ihrer Um⸗ laufzeit, die von einer Conjunction der Sonne mit ihnen bis zur andern reicht, und das große Jahr bildet, und weiche er ihre volle Umwaͤlzung nennt, verſchieden ſeyen.

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98 C. Plinius Naturgeſchiche.

während ſich das Univerſum um fie dreht: fie wird durch Alles gehalten, und auf fie ftüpt fi wiederum Alles. (uw) -3. Zwiſchen ihr und dem Himmel fchweben: in derielden Luft, durch beſtimmte Zwiſchenräume von einander getrennt, fleben Geſtirne, *) welche wir, weil fie ſich fort⸗ beivegen , Irrſterne [Pianeten) nennen, obſchon keine wes niger irren als fie. Ju ihrer Mitte läuft die Sonne, body» herrlich an Größe und Macht, nicht nur der Jahreszeiten und Klimate, fondern- and) ſelbſt der Geflirne und des Himmels Lenterin. Daß ſie das Leben oder vielmehr die Seele der ganzen Welt, daß fie die höchſte Beherrſchexin der Natur und eine Gottheit fey, muß Jeder glauben, der

über ihre Wirkungen nachdenkt. 4. Sie fpendet allen

Dingen Licht und verbannt die Zinfterniß; die - übrigen Beftirue verbirgt und erleuchtet fie; **) fie bewirkt die. re: gelmäßige Abwechslung ber Jahreszeiten und das nach dem Laufe der Natur ſich ſtets verjüngende Jahr; fle unterbricht

- die traurige @införmigkeit des. Himmels, und verfcheucht Die

Wolken des menfchlichen Geiſtes; fie leiht ihr Licht ben übrigen Geftirnen , ift herrlich, hehr, - allfhauend und

*) Saturn, Supiter, Mars, die Sonne, Venus, Merkur und der Mond nach der von Plinius (K. 6.) angenommenen Reihenfolge. Die evidente Wahrheit, daB bie Sonne ben Mittelpunft bilde, um weichen fi bie Planeten drehen, und baß die Erbe felbft ein folder Planet fey, konnte, fo ange man von ber Anſicht ausging , bie Erbe bilde den Mittelpunkt, am welchen fi ih Alles beivege, nicht gefunden werben.

vo. Sie verbirgt bie Geſtirne durch ipre Anweſenheit (bei Tag), und ‚erleuchtet fie durch ihre Abweſenheit (dei Nat).

weites Bud. ' 99

allhörend, Was, wie ich fche, der Water ber Gelehrſamkeit, Homer, ®%) nur ihr allein nachrühmt.

Vcvm. 3 Deshalb Halte ich es für wmeufchliche Schwäche, nad einem Bilde, nach einer Geſtalt der Gottheit umherzufpähen. Ber auch die Gottheit iſt, wenn es über⸗ haupt eine andere gibt [als die Eonne), unb wo fie auch ſeyn mag, fo iſt fie ganı Gefühl, ganz Geſicht, ganz Ber hör, ganz Geele, gang Geiſt, ganz Ich. An unzählige Götter zu glauben, und gar ans den Tugenden und Laftern der Menſchen ſolche zu machen, wie die Schamhaftigkeit, die Eintracht, den Beift, die Doffnung, die Ehre, bie

Güte, die Treue, oder auch (mie es Demokrit beliebte) nur -

überhaupt zwei anzunehmen, Gtrafe und Belohnung, grängt an nod) ‚größeren Unverſtand. 2. Die hinfälligen und mühebeladenen Sterblichen haben im Bewußtſeyn ihrer Schwäche die Gottheit in Theile zerlegt, damit Feder Dies jenigen Theile verehren Pönne, deren er am meiften bedarf. Deßhalb finden wir bei verfhiedenen Völkern verfchiedene Götternamen und unzählbare Gottheiten; fogar die unters irdischen Mächte, Krankpeiten und viele andere Uebel wur: den zu den Bötterklaffen gezogen, weil wir in bauger Furcht von ihnen verſchont zu bleiben wünſchen. Go wurde auf Öffentliche Koften dem Fieber eig Tempel auf dem Pas latinifhen Berge, ein anderer der Orbona *”) neben dem

°, &r, UI, 277. *) Die Bbttin der Eltern, weiche ihrer Kinder beraubt waren, ‚oder beraubt zu werben fürchteten, Der Palatinifhe und der Esquiliniſche Berg find zwei ber fieben Hügel Rom. Bol. Livius I, 5 ff. Ä 7%

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100° ©. Plinius Naturgeſchichte.

Tempel der Laren [Hausgötter) und ein Altar dem böfen Geſchicke auf dem Esquiliniſchen Hügel geweiht. 3. Dan Nkann alfo die Menge der Himmliſchen für bei weitem größer anfehen , als die ‚der Menfchen; denn die Letzteren machen ia aus fi noch eben fo viele Götter, als fie felbnt find, indem fie fi, Junonen und Genien *) aueignen; einige Völker aber halten Thiere, und darunter ſogar umfaubere, und viele andere Gegenflände, die man ſich zu nennen ſchaͤnt, für Götter, und ſchwören bei ſchmußigen Gpeifen und andern ähnlichen Dingen. **%) Zu ˖ glauben, dag Ehen unter den Göttern beſtehen, und dody in fo langer Zeit Niemand geboren werbe, daß einige’ alt und ſtets gran, ***")andere Jünglinge und Knaben, +) einige ſchwarz, tr) geflügelt, +++) hinkend, T*) andere aus einem Ei entfproffen, und abwechfelnd den einen Tag lebendig und den andern todt feyen, T**) gränzt an. kindiſche Zafelei. 4. Alle Uns verfchämtheit überfteidt e8 aber, wenn man ihnen Ehebrud,, Streit und Hab andichtet, oder gar Götter für Diebsränke und Lafter T***) annimmt. Dem Sterblichen ift der ein

2) Die Genien (für bie Männer) und die Sunonen (für bie Frauen) entſprechen den Schugengeln ber chriſtlichen Welt. 2) Ohne Zweifel find hier bie Aegppter gemeint,

=») Saturn, Uranus, Aedculap u. ſ. w. + Wie Apollo, Bacchus, Hebe, die Grazien. ++) Grebus, die Nacht, T+r) Mercur, Amor , bie Horen. T”) Bulcan. +9 Caſtor und Pollur. 42°) Mercur, die Wolluſt u. ſ. w.

Pan. 22

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Zweites Bud. | 101

Gott, der dem Gterblichen hilft, und Dieß in der. Weg zum ewigen Ruhme. Auf tiefem wandelten die hohen Rö⸗ mer, auf ihm wandelt iept nebft feinen Kindern der größte Herrſcher aller Seiten, Vefpaflanus Auguſtus, indem er der allgemeinen Noth feuert. 5. Es ift ein uralter Gebraudy, hochverdienten Männern dadurch den geziemenden Dank abzufragen, daß man fie unter die Götter verfest. Ya die Namen aller andern Götter und der Geſtirne, von welchen ih weiter oben fprach, entflanden aus verbienftlichen Thaten ber Menſchen. Wer möchte deshalb nicht zugeſtehen, baß es einen Jupiter, einen Mercur oder andere zn ihrer wech—⸗ feifeitigen Unterfcheidung anders genannte Götter, daß es eine ganze Reihe hinımlifher Namen gab, wenn man die Sache nur natürlich erklärt? 6. Lächerlich aber iſt die Meinung, daß fid das höchſte Weſen, Was ed auch feyn mag. um tie menfchlicheh Angelegenheiten befümmere, Müffen wie nicht vielmehr glauben, oder könuen wir aud) nur bezweifeln, daß ea ſich durch diefe fraurige und viel- fältige Dienftleitung entwürdige? Kaum möchte es ſich entfcheiden laffen, ob ed dem menſchlichen Geſchlechte zuträg- fidyer fen, wenn man die Götter gar nicht, oder wenn man fie auf eine Weife verehre, deren man fidy fchämen muß. Manche begusmen fid zu ausländifhen Religionsübungen, tragen die Götter und bie Ungeheuer, welche fie anbeten, an den Fingern, *) erdenten fidh [neue] Speifen, während fie andere [gewöhnlidye] verdammen, und legen fi felbft fo firenge Geſetze auf, daß fie nicht einmal ruhig fihlafen

*, Als Zaliömane in Ringe gefaft, a

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102 C. Plinins Naturgeſchichte.

koͤnnen. ) Gie ſchreiten weder zur Ehe, noch zur Antahute von Kindern, noch zw irgend einem andern Geſchäfte, ohne fich zuvor heiligen Webräuchen zu unterwerfen. Andere betrügen auf dem Kapitol ſelbſt, *) und Tchwören fatfch bet dem donnernden Jupiter. Diefe ziehen Vortheil aus ifren Verbrechen, während Jene durch ihre Frömmigkeit ſelbſt in Jammer und Elend verfept werben.

7. Doch die Menfchheit hat fidy feibft zwiſchen beiden Anſichten ein Mittelding, eine eigene Gottheit erdacht, damit die Frage über diefen Begenftand ja immer uody verwicktlter werde. In der ganzen Welt; an allen Orten, zu allen Stunden und von allen Zungen wird das Glück allein ver- ehrt; es allein wird genannt , ed allein angeklagt, ihm allein wird die Schuld von Allem aufgebürdet ; an es allein wird gedacht, es allein wird gelobt, es allein getadelt und nicht felten mit Schmähnngen angerufen ;. und doc ſchildert man es faft allgemein ale blind, veränderlich, unflet, uns beftändig, unzuverläßig, launiſch und ats Bönnerin Unwür⸗ Ä biger. Ihm wird aller Beriuft, ihm aller Gewinn **%) zus

°) Ich überfege. nach dem Texte der ältern Ausgaben. Har⸗ donin's Aenberung - gibt einen völlig verfchiedenen Sinn, Erwäyt man: die hiftorifche Thatfache, daß zur Zeit des Plinius faft alle Religionsübungen in Nom bekannt und geduldet waren; erinnert man fich ferner an ben Aegypti⸗ then, jübifhen und chrififihen Cultus, fo wird man bie - Stelle nicht dunkel finden, °. Mo man Contraßte abſchloß und Eide Ieiftete, um fie deſis heiliger und unverletzlicher zu machen. vr), Nach der gewöhnlichen Lesart. Hardouin's Auslaſſung ber Worte omnia expensa, hnie ift busch Nichts begründet,

" Zweites Bud. 105

aihhrieben , und in dem gauzen Resnnngsiud) der Sterb⸗ lichen füllt es allein beide Geiten [Goll und Haben). Ja wie find fo ſehr dem Sufall unserwotfen ,. daß uns Der Zufall ſelbſt als ein Bott gilt, woburd der Beweis von dem Dafeyn einer Gottheit immer npdy unzuverläßiger wird.

8. ine andere Partei will auch von dieſer Gottheit [dem Glück oder dem Zufall} Nichts wiffen, und fchreikt die Schidfale eined Jeden dem bei feiner Geburt obwaltenden Seftirne zu. Gott habe, fagen fie, ein für allemal das 2008 aller Menfchen vorausbeflimmt, und trete fürder nicht mehr aus feiner unthätigen Ruhe. Diele. Anſicht hat anges fangen, feften Buß zu fallen, und das gelchrte wie. das unges lehrte Volk fälkt.ihr ‚Haflig zu. Dier haben wir die Anzeigen der Blige, die Vorausſagungen der Orakel, bie Prophezeis ungen ber Wahrfager, und, Was man feiner Geringfügigkeit wegen gar. nicht berühren follte, das Nießen hei den Au⸗ gurien und dag Gtrauceln der Füße. Der göttliche Aus guſtus erzählte, daß ihm an dem Tage, der ihm durgh einen Soldatenaufruhr beinahe den Untergang gebracht hätte, der . Iinte Schuh ſtatt des rechten angezogen worben fen. ”) 9. Alles Dieb zufammengenommen verwirrt die Furzfichtige Menſchheit, und nur das Eine ift gewiß, daß Nichts gewiß it, und daß es Bein erbärmlicheres und doch zugleich flols zeres Weſen gibt, als deu Menſchen. Denn die übrigen Geſchöpfe Fümmern fid) bloß um ihre Nahrung, die ihnen die gütige Natur von freien Stüden und zur Genüge ges währt, und haben noch überdieß Eines voraus, das aber

*) Susion. Aug. 14. 92,

4108 .. €. Plinius Naturgeſchichte.

alten andern Gütern vorzuziehen ift, daß fie nämlich weder an Ruhm, Geld und Ehrgeiz, noch an den Tod denken.

10. Den meiften Nusen im Leben gewährt jedody von allen diefen Anfichten der Staube, daß fich die Bötter um die menfchlichen Angelegenheiten bekümmern; daß den Miffe- thaten die Strafen wenn aud (da die Gottheit durch eine ungeheure Menge von Geſchäften gedrängt ift) ſpät folgen; daß fie aber mie ausbleiben, und daß der Menfdr nicht deß⸗ wegen das der Gottheit am nächften ſtehende Geſchöpf ſey, um an Armſeligkeit den: Thieren zu gleichen. Der ‚größte Troft der unvolliommnen Natur des Menſchen bleibt aber immer der, daß die Gottheit ſelbſt nicht Alles kaun. 41. Denn fie Bann fi weder den Tod geben, wenn fle auch wollte, welche unſchätzbare Wohlthat fie doch dem Menfhen in diefem unendlichen Sammer des. Lebens vers lichen hat, noch Sterbiiche mit ber UnfterbiichBeit beſchenken, oder Todte wieder erwecken, noch machen, daß Jemand, ber gelebt hat, nice gelebt, oder Jemand, der Ehrenſtellen bekleidet hat, fie nicht bekleidet habe. Ueberhaupt bat fie auf Alles, was einmal gefchehen iſt, Bein anderes Nedht, als es vergeffen zu Bönnen. Kerner vermag fie (um unfere Aehnlichkeit mit der Gottheit auch durdy minder 'ernfte Gründe zu erweifen) nicht zu bewirken, daß zweimal zehn nicht zwanzig ſey, und viel Aehnliches; wodurch ı die Macht der Natur Über allen Zweifel erhoben wird, und woraus Plar hersorgeht, daß fle eigentlih Das fey, was wir Goit nennen. Diefe Abfchweifung durfte wohl hier ihre Stelle finden, da die Frage, Was die Gottheit -fey, fortwährend und allgemein aufgeworfen wird,

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Zweites Bud. | 105

VI (vui). 4. Kehren wir nun zu den übrigen Werken der Natur zurück!‘ Die Sterne, welde, wie wir gefagt haben, *) an dem Himmel feithalten [Fixſterne], ſind nicht, wice der große Haufe wähnt, einzeln einem jeden Einzelnen von uns zugetheilt, fp daß die hellen den Reichen, die Meinen den Armen, die dunteln den Kranken, und über: haupt alle den Sterblichen, Jedem nad) dem ihm beflimmten Schickſal, leuchten; auch **) fterben file weder mit dem Mens fchen, bei deflen Geburt fie aufaegangen find, nody zeigen Die herabfallenden an, dab ein Menſchenleben erlöfche. Go groß. ift unfere Gemeinſchaft mit dem Himmel nit, daß anch ber Glanz der Sterne das Loos der Sterblichkeit mit ung theilen müßte. 2. Haben die Sterne vermöge ihrer Feuerkraft eine; allzugroße Menge von Beuchtigkeit Ange: zogen, fo ftoßen fle den Ueberfluß von fi, und es dünkt uns dann, als fielen fie herab. ine ähnliche Erfcheinung können wir an brennenden Lichtern, die mit Del geträntt find, wahrnehmen, Uebrigens ind die Himmelskörper ewiger Natur; fie umfchlingen die Welt, und find ſelbſt in Diefe Umfchlingung feft verwoben. Diejenigen von ihnen, Die wir, trog der obwäaltenden Schwierigkeit, ihrer Wir: Zungen, ihres Lichtes und ihrer Größe wegen erkennen Zonnten, äußern einen bedeutenden Einfluß anf die Erde,

*") Kap. 3., wo von ben ber Welt eingebrückten Sternbildern die Rebe: ift. “*) Nah ber gewöhnlichen Ledart, Hardouin's erklaͤrendes Einſchiebſel (quia) iſt überftiig.

16 C. Plinius Naturgefchichte,

wie wir an dem-geeigneten Orte *) zeigen werden. 3. Auch die Lehre von den Himmelskreiſen wird fünlicher bei der ‚Befchreibung der Erde **) vorgetragen werben fönnen, da fie ganz dahin gehört. Nur die den Thierkreis betreffenden - Erfindungen wollen wir, hier nicht unerwähnt laffen. -Seine Schiefe foll zuerft Anarimander von Milet in der: achtunds fünfzigen Olympiade - [zwifchen 548 und 545 vor Chr.) entdedt, und ſomit die Thüre zur weiteren Erßenntniß ger öffnet haben. Die Beichen deffelden fand Cleoſtratus, "**) und zwar zuerft die des MWidders und des Gchügen. Die Sphäre [Himmelstugel] felbft erfann lange vorher Atlas. +) Doc wir wollen jent den [äußern] Körper der. Welt ſelbſt verlaffen,, und zur Betrachtung Deffen, was ſich zwi (hen Himmel und Erde befindet, übergehen.

4. Daß das. Geflirn, welches man Saturn nennt, das höchfte fep, und beßwegen das Meinfte zn ſeyn feine ; ; daß

2) Buch xvn. und xvin, die von der Landwirthſchaft

handeln.

29) B. VL-R. 29. |

0, Weber Anaximander (über welchen man bas Schriftfteller: verzeichniß in ber - Einleitung zu diefem Buche vergleichen kann), nod) Cleoſtratus, ein Aftronom des ſechſsten Jahr⸗ hunderts vor Ehr., find die Urheber biefer ihnen bier zus gefchriebenen aftronomifhen Entdeckungen. Gie brachten fie aus dem Orient, wo fie lange vor ihnen bekaunt waren, zuerii nach Griechenland.

FT) Atlas, eine mpthifche Perſon aus dem vierzehnten Jahr⸗

hundert vor Chr., fol König von Mauretanien, großer Aftronom und Lehrer bes Herkules in dieſer Wiſſenſchaft gewefen ſeyn.

Zweites Bud, 0.407

es den größten Kreis befähreibe, und nach dreißig Jahren *) wieder 'zu dem. Anfangspuntte feiner Bahn zurüdtomme, unterliegt Feinem Zweifel. . Ulle Wandelfterne, aber, und alfo auch die Soune und de Mond, nehmen einen [dem Umſchwunge)] der Welt entgegengefepten Lauf, namlich nad der linken Geite hin, während diefe ſich ſtets nad der zehten dreht; und obſchon fie durd) - die unaufhörliche, ungeheuer fchnelle Ummwälzung der Welt ergriffen und nad Weſten hin mitfortgeriffen werben fo befchveibt doc jeder von ihnen durch eine entgegengefegte Bewegung feine eigene Bahn. Auf dieſe Weile kann ſich bie Luft nicht buxch den. ewigen Umſchwung der Welt nad einer Seite zufammens Drängen und zu einer trägen Maſſe erflarren, fondern muß durch ben entgegengeſetzten Druc der Geſtirne durchſchnitten, getrennt und gleichmäßig vertheilt werden. ) 5. Das Geſtirn des Saturn ift Falter, eiflger Natur. Weit unter ihm und deßhalb auch fchneler durchläuft Jupiter feine Kreisbahn .in zwölf Fahren. ***) Mars, der dritte Planet, +)

*) Die Umtanfzeit des Saturn beträgt nicht volle 30 Jahre, fondern genau berechnet nur 10,749 Tage, 7 Stunden, 31 Minuten und 50 Secunden. Der äußerfte jetzt in unferem Sonnengebiete bekannte Planet ift der im Jahre 1781 von Herſchel entdeckte Uranus.

o0) Diefe Anficht der alten Phyſiker aber die Bertheilung der

» Bufr zerfällt im ſich ſelbſt, da ber Raum, in welchem ſich die Planeten bewegen, unmbglic mit Luft angefaui ſeyn kann. In 11 Jahren und 314 Tagen

gr Zwiſchen Jupiter und Mars hat man im unferem Jahr⸗

108 C. Plinius Naturgeſchichte. ben Einige auch Herkules nennen, ift fenriger Beſchaffenheit wegen der Nähe der glühenden Sonne, und vollendet ſeinen Zauf in ungefähr zwei Jahren. ») Durch die übergroße Hitze der Sonne und die Kälte des Saturn wird der zwiſchen beiden wandelnde Jupiter gemäßigt und heilbringend. *%)— 6. Die nun folgende Bahn der Sonne beträgt 360 Theile

Grade]: damit aber ihre Gcatten genau wieder zu den:

felben Strihen [dee Sonnenuhr) zurückkommen, werden fedem Jahre fünf Tage und ein Bierteltag zugefügt. Aus diefer Urſache wird auch jedem fünften Fahr ein, Schalttag beigegeben, bamit die ‚Beiteintheilung mit dem Laufe ber Sonne übereinftimme,

7. : Unterhalb der Sonne e., kreist ein überaus großes Geſtirn, Benus genaunt; fein abwechjelnder Lauf, T) fo

hundert vier neue Planeten entbedt: Ceres (1801), Pallas (1802), Juno (1804) und Bella (1807).

9 Suıı Jahr, 331 Tagen und 22 Stunden,

9%, Diefe Anficht, von bem 'heilbringenden Einfluß des Jupiter, 3. B. auf Geburten u. f. w., gehört zu den aftrologifchen

Zräumereien der Alten. _

*., Nach dem alten Planetenfpftem muß man fid Venus,

Merkur und den Monb als unterhalb der Sonne, Saturs

nus, Supiter und Mars als oberhalb derfelben wandelnb denfen. Sept nennt man Merkur und Venus untere Planeten, weil ihre Bahnen, ald ber Sonne rläher fie ‚hend, von ber Erbbahn eingefchloffen find. Mars, Defta, -Tuno, Ceres, Dallas, Jupiter, Saturnus und Uranus heißen jest ‚obere, weil ihre Bahnen, ber weiteren Cuts fernung wegen, bie Erbbahn einfchließen, +) Abwechſelnd wird ber Lauf der Venus genannt, weil fie einmal ber Sonne voraudgeht, und dann wieber ihre nach⸗ folgt.

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Zweites Bud). 409 wie fibon feine Beinamen beweifen, daß es mit der Sonne und dem Monde wetteifert. Denn eilt ed der Sonne voraus und geht vor der Morgenröthe auf, fo führt es, weil es, wie eine zweite Sonne, den Tag befchleunigt,, den Namen Morgenftern (Lucifer); glänzt es aber am abendlichen Hims mel, fo heißt ed, weil es den Tag verlängert und die Stelle des Mondes vertritt, Abendſtern (Besper). Diefe

Eigenſchaft der Venus bemerkte zuerft Pythagoras von Gas mos um die zweiundfechzigfie Olympiade, *) in welche das Jahr 222 der Stadt Rom [552 vor Chr. fällt. 8. An Größe übertrifft fie alle Übrigen Geflirne, **) und ihr Licht ift fo helle, daß nur allein durdy ihre Strahlen Schatten hervorgebracht werden. »ꝛe) Deßhalb hat fie auch eine Menge Namen erhalten: denn Einige nennen fie Juno, Undere Iſis und wieder Andere Göttermutter [Epbele]. 9. Durch ihre natürliche Kraft wird Alles auf der Erde erzeugt: denn bei ihrem zweimaligen Aufgange [am Morgen und Abend] verbreitet fle einen befruchtenden Than, und bewirkt nicht nur die Hervorbringungen der Erde, fondern flachelt and) alle lebende Weſen zur Befruchtung. Den Umfang des Thierkreiſes durchläuft fie in 348 Tagen, und ihr Abftand

*, Nach Brotier’d Lesart, welche befier "mit der Gefchichte Gbereinftimmt, als die anderen Ledarten. Olymp. 42 =

A. V. 142. Olymp. 32 = A, V, 113, +, Nur fcheinbar, weil fie ber Erbe, bie ungefähr gleiche Größe mit ihr Hat, am nächften iſt. Der größte Planet

ift Supiter.

“), Nah ben Beobachtungen der neueren Aftronomen ‚werfen auch Jupiter und Merkur Schatten.

110 C. Plirius Naturgeſchichte. von der Sonne beträgt, wie Zimäns annimmt, nie über 36 Grade. ®)

10. Bon ähnticher Beſchaffenheit, ”) aber keineswegs ron gleicher Größe und gleichem Einfluſſe, if das ihr zu⸗ naächſt wandelnde Geflirn des Merkur, welches auch Einige Apollo nennen. Es beichreibt feine tiefere Bahn in einem um neun Tage fchnelleren Umlauf, glänzt bald vor dem Aufaang der Sonne und bald nad) dem Untergange ders felben, und ift nie weiterald 23 Grade von ihr entfernt, ***) wie Derfelbe (Timäus] und Soſigenes lehren. 44. Diefe lbeiden] Geftirne find alſo von befonderer uud ganz anderer Beſchaffenheit, als die obengenannten. Denn file flehen um ein Viertheil und ein Drittheil’ des Himmels von der Sonne ‚ab, und oft flieht man fie der Sonne gerade gegenüber ; ; auch beſchreiden ſie alle bei ihrer vollen Umwäaͤlzung ganz andere, größere Bahnen, von denen bei der Lehre von dem großen Fahre die Rede ſeyn wirt. +) »

*) Die Venus vollendet nad) der jegigen genaueren Berech⸗ nung ihre Sauf in 224 Tagen nub 17 Stunden, unb entfernt fich nie fiber 48 Grabe von ber Sonne. Won ihrem befruchtenben Einfluſſe weiß bie neuere Aſtronomie Fichte. j

so, Was nämlich fein Erfcheinen vor Sonnenuntergang und nad) Sonnenuntergang betrifft.

*.., Merkur vollendet feinen Lauf in 87 Tagen und 23 Stun: den. Sein größter Abſtand von der Sonne beträgt 29 Grade.

+) Bon dem großen Jahre, das von einer Conjunction ber Planeten mit der Sonne bis gu ber andern währt, unb 15,000, nach) andern 18,000 Jahre beträgt, if in der Maturges

Zweites Bud). 441

(12). 42. Das bewunderungsmürbigfte von alen if jedoch das legte , der Erde am meiften befreundete Geftisn, - welches die Natur ald Mittel gegen die. Finfterniß erfand —. der Mond. Durch feinen vielgeftalteten Lauf hat e6 den Beift der Befchaner, die mit Unwillen ihre geringe Kennt: niß des nächſten Geſtirnes einfahen, : wahrhaft gefoltert. Stets wachſend oder abnehmend ift er bald [mie ein Bogen] in zwei Hörner gekrümmt, bald zeigt er. und gerade feine Hälfte und bald feine ganze volle Scheibe; einmal erfcheint er und matt und dann plöglic wieder helfglänzend; bei voller Scheibe iſt er überaus groß, und dann ift er wieder auf einmal gar nicht. vorhanden; bald ſcheint er die ganze . Nacht hindurch, bald ſteigt er erſt fpät herauf, und unter: ſtützt einen Theil des Tages hindurch das Sonnenlicht; er wird verfinftert und bleibt bei der Verfinfterung doc, ſicht⸗ . bar, am Ende des Monats verfchwindet er aber gänzlich, und doc ſoll er dann nicht verfinſtert ſeyn. 13. Einmal erſcheint er niedrig und ein andermal hoch, und auch Dieß wieder nicht auf eine und dieſelbe Reife. Denn bald iſt er dem Himmel nah, bald fcheint er die Berggipfel zu berühren, einmal fteht er hoc im Norden, das anderemal tief im

ſchichte des Plinius nirgends bie Rede. Uebrigens hat man dieſe Stelle oft dunkler gefunden, als ſie wirklich iſt, und faſt immer falſch überſetzt. Plinius will ſagen, daß die untern Planeten von den obern, wie in andern Dingen, ſo auch in der Größe ihrer Bahnen und der Dauer ihrer Um⸗ laufzeit, die von einer Conjunction der Sonne mit ihnen bis zur andern reicht, unb das große Jahr ‚bildet, und welche er ihre volle Ummälzung nennt, verfchieden ſeyen.

12 C. Plinius Naturgeſchichte.

Süden. Ulle dieſe einzelnen Eigenſchaften entdeckte von allen Menſchen zuerſt Endymion an ihm: daher die Sage, daß er ſich in. ihn verliebt habe. Wahrlich wir find un» dankbar gegen die Männer, welche durch Anftrengung und Mühe uns Licht verfchafften über dieſes Lid, und der menſchliche Geift findet in feiner wunderlichen Verderbniß mehr Gefallen daran, Blut und Mord in den Jahrbüdyern anfzuzeichnen, damit allen Denen, die auch nit das Ges ringfte von dem Weltgebände wiffen, doc ja die Laſter der Menfchen befannt werden ! 44. Der Mond befchreibt ald der dem Mittelpunkte der Welt *) nächte Planet die kürzefte Bahn, und durch⸗ wandelt in 27% Zagen **) dieſelben Räume, die das höchſte Geſtirn, der Saturn, erft (wie oben geſagt wurde) in 30 Jahren durchläuft. Darauf verweilt. er zwei Tage in Con⸗

‘junetion mit der Sonne, und beginnt. dann fpäteftens am

dreißigften Tage feinen Wechſel wieder. Ihm haben wir wohl Alles, was wir Eis jept von den Ericheinungen am Himmel begreifen konnten, zu verdanken. Er lehrte uns,

daß man das Fahr in zwölf Monaträume eintheilen müße,

weit er eben fo oft die Sonne auf ihrer Rückkehr zu dem Anfangspuntte ihrer Bahn erreicht; daß fein, fo wie der übrigen Geſtirne Erſcheinen nur durch die Sonne bedingt werde; daß er überhaupt nur durch das von ihr erborgte Licht gerade fo leuchte, wie wir den Wiederſchein eines

[4

*).Der Erde. Kap. 64. =*,) Mac) genauerer Berechnung In 27 Tagen, 7 Stunden, 43 Minuten und 11 Sekunden. ,

Zweits Bud. . 1443

Lichtes, durch deffen Zurückprallen auf dem Waffer flimmern fehen; daß er deßwegen Durch feine geringere und unvoll⸗ Bommene Kraft die Feuchtigkeit nur auflöfe, oder aud) ver- mehre, die Sonnenftrahlen aber Diefelbe verzehren; 45. daß auch deshalb fein Lichte nicht immer gleidy groß erfcheine, weil er nur voll ift, wenw er der Sonne: gerade gegenüber ſteht, an den Übrigen Tagen aber der Erde nur fo viel Licht zeigt, als er ſelbſt von der Sonne empfängt; 9 daß er in der Eonjunction nidyt fihtbar fey, weil dann feine uns nicht zugekehrte Seite alles auf fie fallende Licht wieder dahin zurückwirft, woher fie es empfangen hat; daß, ohne Zweifel die Geſtirne überhaupt dur die Erdfeuchtigkeit genährt werden, weil man an dem Monde, wann er halb it, manchmal Flecken beobachtet (denn aledann .hat er noch nicht hinreichende Kraft, die. Dünfte gänzlich aufzufaugen, and die Flecken fiud nichts Anderes, ale der mit der Feuch⸗ tigkeit von der Erde aufgezogene Schmutz); ”*)

”, Der Mond empfängt ſtets gleich vier Licht von ter Sonne, d. h. er if ſtets zur Hälfte erleuchtet; aber wir fehen diefe erleuchtete Hälfte von der Erde aus nicht immer ganz.

»5) Daß bie Erdfeuchtigkeit nicht fiber den Dunftfreid der Erde hinaueſteige, ift eine jegt allgemein anerfannte Wahrheit; - tie Anfiht von der Ernährung ber Geflirne und von bem Entfiehen der Mondflecken zerfällt alfo im fi feldit. Die Seen, welche an dem Monde, wenn er halb it, nicht manchmal, wie Plinins fügt, fonbern fan immer gefehen wer: den, entfiehen nach ber. Meinung ter Pythagoreer, fo wie der neueren Aftronomen, durch die hoben Berge des Don: bed, welche, -fo Tange bie Sonnenfſtrahlen fchief auf ihn fallen, größere Schatten werfen,

€, Ptinius Naturgeſch. 18 Bochn. 8

v

1 C. Plinius Naturgeſchichte.

() daß endlih die Verfinſterungen des Mondes und der Sonne gewiß die bei der Naturbefdauung am meiften auffallende und wunderähnliche Erfheinung durch den Schatten, den fie werfen, die Größe beider Geſtirne be⸗ ſtimmen.

VII. 1. &8 iſt namlich offenbar, daß die Sonne durch die Dazwiſchenkunft des Mondes, und der Mond durch das Davorliegen der Erde verfinftert werde; daß fich. beide, der Mond der Erde, und die Erde dem Monde, wechfetfeitig durch ihr Dazwifhentreten "die Sonnenftrahlen entziehen; daß, wenn der Mond vor die Sonne tritt, ſich plötzlich Finſterniß verbreite, und daß auf dieſelbe Weiſe der Mond durch die Erde verdunkelt werde; daß auch die Nacht nichts Anderes ſey, als der Schatten der Erde, und daß die Figur dieſes Schattens einem Kegel oder umgekehrten" Kreiſel gleiche, der aber nur mit der Spitze den Mond trifft und die Höhe deſſelben nicht überfleigt: denn Bein anderes Ger ftirn wird auf dieſelbe Weife *) verfinftert, und ein fogeftaf: teter Schatten muß auch immer mit feiner Spike aufhören. 2. Daß die Schatten in der Entfernung aufhören, beweifen schon fehr hoch fliegende Vögel. Ihre Grenze ift alſo da, wo bie euft endet, und der Aether **) begiunt: Über dem

.*) Durch das Dazwiſchentreten der Erde. 9 Plinius macht einen Unterſchieb zwiſchen. Luft und Aether, da er oben (Kay. 4. 6. 3. und Kap. 6. 5.4. ) bie Planeten durch die Luft Iaufen läßt. Das übrigens der Erdfchatten mit der Luft aufhöre, ift eine nichtige Hypotheſe. Gewöhns

lich nimmt man bie Höhe der Atmoſphäre zu 8 Meilen

V.

1: Zweites Buch. 115

Monte ift Ulled rein und voll ewigen Lichtes. * Die Ges flirne ſind deßwegen in der Nacht fichtbar, weil fedes Licht nur im Dunkeln Tenchtet. Aus diefer Urfache wird auch ber Mond nur bei Nachtzeit, verfinftert. Wiber. weder Sonnen⸗ nody Mondfinjterniffe kehren regelmäßig ieden Monat wies der, weil der Lauf beider Geſtirne wegen ber Sciefe des Thierkreiſes und der vielfachen Abweichuugen des Moudes (wie (how oben bemerkt wurde) nicht immer bis auf bie Heinften Gradetheilchen übereinftimmt., VOII (zı,,. 4. Diefe Betrachtung erhebt ven Geiſt ber GSterblihen zum Himmel, und enthüllt ibm, als wenn er von dorther fchante, den Umfang der drei größten Theile *) der Natur. Das Sonnenlicht. könnte gewiß nicht durch das Dazwifchentreten des. Mondes der Erde gänzlich entzogen werden, wenn die Erde größer wäre, als der Mont. +**

- oo an; bie Länge des Erbfchattend reicht aber Bid zum Mond, der 51,300 Meilen von der Erbe entfernt iſt.

*) Nach) den neueren aſtronomiſchen Beobachtungen fönnen auch andere Planeten verdunkelt werben, 3. B. Jupiter und Saturn durch den Durchgang ihrer Satelliten zwifchen ihnen und der Sonne.

+, Der Sonne, des Mondes und der Erde Nur bie fchein: .bare Größe biefer Weltrorver kann hier gemeint ſeyn, nicht

die wirkliche, oeey Diefe irrige Behauptung, welche den Auslegern unſaͤgliche Mühe gemacht hat, folgt natürlich aus ber ungegründeten - Meinung bed Prinius, daß durch eine Gonnenfinfternig die ganze Halbeugel der Erde verfinftert werde, da doch eine ſolche, wie manche alte Aftronomen ſchon gut einfahen, nur an einem verhaͤltnißmaͤßig kleinen Punkte ber” Erbe

ſichtbar iſt.

.

46 C. Plinius Naturgefchichte,

3. Durch beite [den Mond und die Erde] aber wird ber ungeheure Umfang der Sonne. fo völlig außer Zweifel ges ſetzt, daß es nicht nöthig ift, bei der Erforfchung ihrer Größe zu Beweifen des Augenfcheins oder .zu Vermuthungen des Berftandes feine Zuflucht zu nehmen, und fie deßhalb fhr unermeßlich zu halten, weil fie die Schatten ber fich viele. tauſend Schritte weit längs den Wegen hin erſtreckenden

Baumreihen gleidy weit von einander-werfe, als ffünde fie -

in dem ganzen Raumg überall in der Mitte; 3. oder weil fie während der Tags und Nachtgleihe allen Bewohnern der heißen Bone zugleich *) gerade über dem Scheitel ſtehe; ober weil die Schatten der-um den Wendekreis Wohnenden des Mittags gegen Norden, des Morgens aber gegen Wer -ften fielen, Was nicht möglich ſeyn würse, wenn fle nicht größer wäre, als die Erde; oder endlich, weil fle bei ihrem. Anfgange den Berg Ida an Breite überträfe, den fie, obs glei) durch einen fo großen Zwiſchenraum von ihm gefrennt, auf der rechten und linken Seite weit und breit befcheine. °*)

2) D. h. an einem und demſelben Tage, nicht aber in einem und demſelben Augenblick, welche Verkehrtheit man dem Plinius mob! nicht aufpürden barf.

=’) Mag bier der Ida in Troas oder auf Kreta gemeint ſeyn, die Behauptung laäßt fih in keinem Falle rechtfertigen. Denn ein Stanbpunft auf der Erbe, von welbem man den Ida ganz und von beiten-Eeiten von der Sonne bes fhienen fehen Könnte, ift nicht denkbar. Uebrigens bes weifen bie meiften angeführten Gründe, die Piinius ſelbſt nicht für ſchlagend hält, wohl bie ungeheure Entfernung, keineswegs aber bie Groͤße der ‚Sonne, - .

Zweites Bud. 447

a. Die Verfinfterung bes Mondes zeigt ihre Größe auf eine unzweifelhafte Weiſe, fo wie fie felbft durch ihre Wer: finfterung den geringen Umfang ber Erde darthut. Der, Schatten geſtaltet ſich nämlich auf dreierlei Art, und zwar wird er nad der allgemeinen Annahme in Form einer Säule geworfen, und hat Fein Eude, wenn der Körper, wel cher den Schatten wirft, dem Lichte an Umfang gleidy iſt; ift aber der Körper größer als das Licht, fo gleicht der Schatten einem aufrecht flehenden Kreifel, fo daß er unten am fhmalften und feine Länge ebenfalld unendlich ift ; äft jedoch der Körper Meiner als das Licht, fo erhält -der Schatten eine oben fpis zulaufende Kegelgeftalt, uud einen - foichen fehen wir bei der Verfinfterung des Mondes. 6 - tiegt 'alfo am Tage, daß wir ferner durchaus nicht mehr bezweifeln bürfen,, daß die Erde von der Sonne an Größe übertroffen werde, Was auch die Natur durch ſtillſchweigende Winke andentet. 5. Denn warum entfernt fidh die Sonne im Winter für die eine Hälfte des Jahres? Damit ſich bie Erde durdy den Schatten der Nächte erhofe, welche fle ohne Zweifel .ausbrennen würde, und welche ſie aud ohnehin an einem Theile *) ausbrennt. Go ungeheuer ift ihre Größe!

IX am. 4. Der Erfte unter den Römern, welder das Volk mit den Urſachen der Sonnen s und Mondfinfters niffe befannt machte, vor Sulpicins Gallus, der zugleich mit Marcellus das Conſulat bekteidete [166 vor Ehr.]; das mals jedoch war er erft Kriegstribun, als er, am Tage vor der Niederlage des Königs Perfens durch (Aemilius] Paulus,

°) In ber heißen Zone,

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48. Plinius Naturgeſchichte.

von dem Feldherrn dem verſammelten Heere vorgeführt wurde, um bie Finſterniß vorauszuſagen, wodurch er es ‚von der Furcht befreite.) Bald nachher ſchrieb er auch ein: Buch darüber. Bei den Griechen ſtellte zuerſt vor ‚Allen Thales von Milet im vierten Jahre der Asften Oium- piade